Testkäufe helfen die Beratung zu verbessern

Teil 1: Ramipril und Reizhusten

Ein Kunde mittleren Alters mit der Eigendiagnose Husten wird gerne als Testkäufer in Apotheken geschickt. / Bild: © Gerhard Seybert - Fotolia.com

Die Bundesapothekerkammer (BAK) lässt regelmäßig Testkäufe in Apotheken durchführen. Um Sie dabei zu unterstützen, eine leitliniengerechte Beratungsstruktur in der Apotheke einzuführen oder weiter auszubauen, haben wir die gängigsten „Testkäufe“ für Sie aufgegriffen und geben Tipps, wie Sie leitliniengerecht beraten. Im ersten Teil geht es um einen Kunden, der über akuten Reizhusten aber keine weiteren Erkältungssymptome klagt.

Husten - nicht immer ist eine Erkältung schuld!

Spätestens im Herbst geht es wieder los: Husten wird dann zum Beratungsthema Nummer eins. Doch nicht jeder Kunde, der mit der Symptomatik Reizhusten in die Apotheke kommt, wird auch gleichzeitig von einer Erkältung geplagt.

"Nur" Husten oder steckt mehr dahinter?

Schildert ein vermeintlicher Kunde lediglich seit „ein paar Tagen“ Husten zu haben, jedoch sonst keinerlei Erkältungssymptome, könnte man nun ohne weiteres Hinterfragen zu diversen Hustenmitteln greifen, um dem Kunden Linderung zu verschaffen. Doch nicht immer sind genau diese Medikamente auch angezeigt. Geht man jedoch nach der Leitlinie „Information und Beratung im Rahmen der Selbstmedikation am Beispiel der Eigendiagnose Husten“ vor, gilt es zunächst einige Fragen zu klären.

Nur die richtigen Fragen liefern wichtige Antworten

Wir wissen also, dass der Kunde selbst betroffen ist und er seit kurzem (akut) Husten aber keine weiteren Beschwerden hat. Eine Frage, die bei Reizhusten ohne weitere Symptome immer gestellt werden muss ist, ob der Patient noch andere Medikamente einnimmt. So erfährt man, dass der Kunde seit kurzem ein Präparat mit dem Wirkstoff Ramipril einnimmt, um seinen erhöhten Blutdruck zu behandeln.

Husten als Nebenwirkung

Ramipril gehört zur Gruppe der ACE-Hemmer. Husten ist eine mögliche Nebenwirkung der Therapie mit ACE-Hemmern. Die betroffenen Patienten leiden unter einem trockenen Hustenreiz in Folge von Bronchospasmen. Diese Hustenform gehört zum so genannten medikamenteninduzierten Husten. Der vermeintliche Kunde ist also kein Fall für die Selbstmedikation, sondern muss umgehend an den behandelden Arzt verwiesen werden. Zur vorübergehenden Linderung des Reizhustens können dem Kunden Lutschpastillen, zum Beispiel mit isländischem Moos oder Hyaluronsäure empfohlen werden.

Testkäufe der Bundesapothekerkammer

Ziel der Testkaufaktionen durch die Bundeapothekerkammer ist eine leitliniengerechte Beratung. Jeder Kunde muss eine Beratung und die notwendigen und richtigen Informationen erhalten. Auch müssen die Eigendiagnose des Patienten hinterfragt oder die Grenzen der Selbstmedikation ausgelotet werden. So steht es in den Leitlinien der BAK, zum Beispiel der Leitlinie „Information und Beratung des Patienten bei der Abgabe von Arzneimitteln – Selbstmedikation“. Das darin beschriebene Vorgehen – die Beratungsstruktur- wird in den Testkäufen abgefragt. Anders als bei externe Kontrollen, beispielsweise von Fernsehsendern, die mit vermeintlich schlechten Ergebnissen ihre Quote steigern möchten, sind die Testkäufe der BAK als Fortbildungsmaßnahme für die Apotheken gedacht. 

Farina Leschke
PTA, Bramsche
onlineredaktion@ptaheute.de