PTA im Bereich Substitutionsversorgung

Besonderes Aufgabengebiet in der öffentlichen Apotheke

Das Herstellen und Abmessen von Substitutionslösungen, der Umgang mit Betäubungsmittel-Rezepten und der Kontakt zu Substitutionspatienten gehören zum Alltag von Nadine Hoffmann.
Bild: PTAheute

Um zu einem normalen Leben zurückzukehren, sind viele Opioidabhängige auf eine Substitutionstherapie angewiesen. Diese findet mitunter in öffentlichen Apotheken statt. Nadine Hoffmann erklärt uns im Interview, welch spannende Aufgaben in diesem Zusammenhang auf PTA warten und welche persönlichen Eigenschaften dafür nützlich sind.

Jede Woche, zur fast gleichen Zeit, trudeln sie in der Löwen-Apotheke am Marktplatz ein: Die jungen Frauen und Männer sowie älteren Damen und Herren. Sie stellen sich – ja beinahe routiniert – in die Schlange der bekannten Gesichter und tauschen sich während der Wartezeit geduldig über die neusten Geschehnisse aus. Für Nadine Hoffmann ist das ein vertrautes Bild. Die junge PTA ist in der Löwen-Apotheke am Marktplatz in Karlsruhe in der Substitutionsversorgung tätig und kommt mit den besonderen Stammkunden regelmäßig in Kontakt.

Herstellen und patientenindividuell abmessen

Nadine Hoffmann beim Abfüllen der Einzeldosen.
Bild: PTAheute

Nadine Hoffmann ist seit drei Jahren PTA und seit einiger Zeit mit der Versorgung der Substitutionspatienten betraut. Einmal wöchentlich stellt die gebürtige Pforzheimerin die Methadon-Lösung nach NRF-Vorschrift her und misst anschließend die Methadon- und L-Polamidon-Einzeldosen für die Take-home-Verordnungen in Behältnisse mit kindersicherem Verschluss ab. Und dabei ist gleich in zweierlei Hinsicht viel Sorgsamkeit gefragt: Jeder Verlust, der bei der Herstellung – z. B. durch Verschütten – entsteht, muss genauestens dokumentiert werden. Denn Betäubungsmittel unterliegen nach §17 Betäubungsmittelgesetz einer besonderen Aufzeichnungspflicht.

Hinweis

Im Rahmen der Herstellung, Verarbeitung und Portionierung von flüssigen Arzneimitteln zur Substitutionsbehandlung ist laut Bundesapothekerkammer (BAK) mit einem Schwund von bis zu 3 % zu rechnen. Treten höhere Verluste auf, sollten diese nachvollziehbar begründet werden.

Darüber hinaus ändern sich die Dosierungen der Patienten regelmäßig um wenige Milligramm. Um den Therapieerfolg und die Gesundheit der Substitutionsempfänger nicht zu gefährden, müssen diese Änderungen stets exakt berücksichtigt werden.

Zur Erinnerung: Was ist Substitution?

Unter Substitution versteht man die Anwendung eines ärztlich verschriebenen Betäubungsmittels zur Behandlung einer Opioid-Abhängigkeit. Ziel der Therapie ist es, eine Opioidabstinenz anzustreben und so den Patienten wieder eine Teilnahme am gesellschaftlichen und beruflichen Leben zu ermöglichen.

Zu diesem Zweck werden Substitutionsmittel wie Levomethadon, Methadon, Buprenorphin und in Ausnahmefällen Zubereitungen aus Codein oder Dihydrocodein verwendet. Diamorphin ist ebenfalls zur Substitutionsbehandlung zugelassen, spielt aber in der Apotheke – auf Grund besonderer Auflagen – keine Rolle.

Allen Substitutionsmitteln ist gemein, dass sie nicht zur intravenösen Anwendung bestimmt sein dürfen. Die Anwendung dieser Medikamente erfolgt also in Form von Lösungen oder Tabletten ausschließlich oral.

Auch direkten Patientenkontakt

Neben den Aufgaben im Labor und der Taxierung der BTM-Rezepte hat Frau Hoffmann auch direkten Kontakt mit den Substitutions-Empfängern: „Segnet mir eine Apothekerin die Belieferung des vorgelegten BTM-Rezepts ab, so übergebe ich auch die Take-home-Dosis an den Patienten.“ Auf diese Weise kommt Frau Hoffmann regelmäßig mit den Substitutionsempfängern ins Gespräch.

Zur Erinnerung: Unterschied Take-home und Sichtbezug

Im Falle eines Sichtbezuges erhält der Patient beim Arzt, einer entsprechenden Einrichtung oder in der Apotheke das Substitut zum unmittelbaren Verbrauch. Die komplette Einzeldosis wird somit vor Ort und unter Aufsicht eingenommen. Das entsprechende Rezept ist mit einem „S“ gekennzeichnet.

Erachtet der behandelnde Arzt den Patienten für stabil und sieht somit keine Notwendigkeit eines Sichtbezuges, darf er dem Patienten das Substitutionsmittel zur eigenverantwortlichen Einnahme verschreiben. Entsprechende Verordnungen sind dann neben dem „S“ zusätzlich mit einem „T“ bedruckt.

„Einem Großteil sieht man ihre Sucht nicht an“

Der Umgang mit den Substitutions-Patienten fiel der 22-jährigen PTA nie schwer. „Es sind Patienten, die zum Großteil jede Woche zu uns kommen. Man kennt sich mittlerweile gut.“ Wichtig seien beim Umgang jedoch Geduld, Einfühlungsvermögen und größte Diskretion. „Einem Großteil sieht man ihre Sucht nicht an“ und das sollte auch bei den regelmäßigen Apothekenbesuchen so bleiben.

In unklaren Situationen Ruhe bewahren

PTA, die diese besondere Aufgabe gerne übernehmen möchten, sollten laut Frau Hoffmann sehr gewissenhaft sein und auch in unklaren Situationen Ruhe bewahren – zum Beispiel wenn Dosierung und Zeitraum nicht mit den Aussagen der Patienten übereinstimmen. „In solch einem Fall muss man unverzüglich mit dem Arzt Rücksprache halten“, so Frau Hoffmann.

Als Beispiel erzählt uns die PTA von einem Fall, bei dem der Substitutions-Empfänger seine Dosierung herabsetzen wollte. Dies hätte der Patient auch mit dem Arzt besprochen, jedoch war die Verordnung unverändert hoch. „Wir konnten den Arzt erst nach mehrmaligen Versuchen erreichen und den Sachverhalt so aufklären“, berichtet Frau Hoffmann. Andernfalls hätte dem Patienten die ursprünglich verordnete Dosierung mitgegeben werden müssen.

Mutwillige Täuschungsversuche gibt es laut Frau Hoffmann nur sehr selten. „Diese kommen eher im Sichtbezug vor, wenn die Patienten noch nicht stabil genug eingestellt sind “, so die 22-Jährige.

Ausbildungsreform legt „mehr Wert auf relevante Fächer“

Mit Blick auf die Entwicklung des PTA-Berufs begrüßt Frau Hoffmann die geplanten Änderungen in der PTA-Ausbildung: Bisher „wurde man eher darauf vorbereitet in der Industrie zu arbeiten“. Mit der geplanten Reform würde laut Frau Hoffmann „mehr Wert auf die relevanten Fächer gelegt“. Eine Verlängerung der Ausbildung oder gar ein duales System, wie es z. B. bei Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten der Fall ist, hätte sich die PTA aber dennoch gewünscht.

Wir bedanken uns bei der Löwen-Apotheke am Marktplatz und Nadine Hoffmann für dieses interessante Interview und den Einblick in die Substitutionsversorgung innerhalb einer öffentlichen Apotheke.

Nadine Y. Sprecher
Apothekerin, Redakteurin PTAheute.de
onlineredaktion@ptaheute.de
Marc Hugger
Digital Media Manager, PTAheute.de
onlineredaktion@ptaheute.de