Die Pille Danach verschiebt den LH-Peak

Die Pille Danach verschiebt den Eisprung, indem sie den LH-Peak verschiebt (siehe Abb. 2). Wird die Pille Danach rechtzeitig angewendet, findet der LH-Peak und somit der Eisprung zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Wirkung vor dem LH-Anstieg

Zur Wirksamkeit von Ulipristalacetat (UPA) und Levonorgestrel (LNG) vor dem LH-Anstieg, während des LH-Anstiegs und nach dem LH-Anstieg wurden pharmakodynamische Studien durchgeführt (Brache et al., 2013). Den Studienteilnehmerinnen wurde bei reifen Follikeln (Follikeldurchmesser ≥ 18 mm) Placebo, LNG bzw. UPA verabreicht. 5 Tage nach der Gabe wurden mittels Ultraschall untersucht, ob die Follikel intakt waren oder der Eisprung stattgefunden hatte. Die Bewertung erfolgte 5 Tage nach Gabe, da nach 5 Tagen die Befruchtungsfähigkeit der Spermien überschritten ist. Bei Einnahme vor dem LH-Anstieg gibt es entsprechend der pharmakodynamischen Studien Unterschiede hinsichtlich der Effektivität: (siehe Abb. 11)

  • Bei Anwendung von Placebo wird der Eisprung in 0 % der Fälle über 5 Tage lang verzögert.
  • Bei Anwendung von LNG wird der Eisprung in 25 % der Fälle über 5 Tage lang verzögert.
  • Bei Anwendung von UPA wird der Eisprung in 100 % der Fälle über 5 Tage lang verzögert. 

Wirkung im LH-Anstieg

Wird die Pille Danach angewendet, wenn das Level an LH bereits begonnen hat zu steigen, ist die Verschiebung des Eisprungs mit UPA möglich. LNG ist wirksam bis zum LH-Anstieg. Die pharmakodynamischen Studien zu beiden Wirkstoffen zeigten, dass UPA bereits ansteigende LH-Level wieder senken kann (Brache et al., 2013). Der Eisprung konnte in dieser Studie auch bei Frauen mit bereits stark gereiften Follikeln durch UPA noch verzögert werden. Diese pharmakodynamischen Studien konnten keinen vergleichbaren Effekt bei Anwendung von LNG feststellen. Keiner der beiden Wirkstoffe war nach Erreichen der maximalen Konzentration des LHs wirksam. Ab diesem Zeitpunkt war der Effekt vergleichbar mit Placebo.

Ab dem LH-Anstieg beginnt die fruchtbarste Zyklusphase. Entsprechend den pharmakodynamischen Studien ist UPA in der fruchtbarsten Phase wirksam. LNG ist im LH-Anstieg vergleichbar mit Placebo (Brache et al., 2013).

Abb. 10 Effekt auf das LH-Level und den Eisprung bei Anwendung von LNG oder UPA im LH-Anstieg im Vergleich zu Placebo. Bei Anwendung von Placebo bzw. LNG bei bereits ansteigendem LH-Level findet sowohl der LH-Peak als auch der Eisprung statt. Bei Anwendung von UPA während des LH-Anstiegs, wird das LH-Level wieder gesenkt und der Eisprung wird verschoben.

Wirkung nach dem LH-Anstieg

Wird UPA oder LNG nach dem Erreichen der maximalen LH-Konzentration (dem sogenannten LH-Maximum) angewendet, kann der Eisprung nicht mehr verschoben werden. Nach dem LH-Maximum sind sowohl UPA als auch LNG unwirksam. Daher sollten beide Wirkstoffe so schnell wie möglich angewendet werden, um den Eisprung rechtzeitig verschieben zu können.

Demnach unterscheidet sich das Wirkfenster der beiden zur Notfallkontrazeption zugelassenen Wirkstoffe.

Abb. 11 Ergebnisse der pharmakodynamischen Studien (Brache et al., 2013). Den Studienteilnehmerinnen wurde bei reifen Follikeln (Follikeldurchmesser ≥ 18 mm) Placebo, LNG bzw. UPA verabreicht. 5 Tage nach der Gabe wurden mittels Ultraschall untersucht, ob die Follikel intakt waren oder der Eisprung stattgefunden hat.
Wirksamkeit des WirkstoffsLNGUPA
Vor dem LH-AnstiegWirksamWirksam
Während des LH-AnstiegsNicht wirksamWirksam
Nach dem LH-AnstiegNicht wirksamNicht wirksam 

Tab. 1 Wirksamkeit von LNG bzw. UPA bezogen auf das LH-Level.

Entsprechend den pharmakodynamischen Studien kann UPA den Eisprung wirksamer verschieben im Vergleich zu LNG.

Die Unterschiede in den Schwangerschaftsraten

Die unterschiedliche Wirksamkeit hinsichtlich der Eisprungverschiebung spiegelt sich in den Schwangerschaftsraten nieder. Bei Einnahme innerhalb von 24, 72 und 120 Stunden nach dem UPSI ist das Schwangerschaftsrisiko nach UPA-Anwendung geringer im Vergleich zu LNG.

SchwangerschaftsrateUPALNG
0-24 Stunden 0,9%2,5%
0-72 Stunden1,4%2,2%
0-120 Stunden1,3%2,2%

Tab. 2 Schwangerschaftsraten bei UPA- bzw. LNG-Anwendung innerhalb von 24, 72 und 120 Stunden nach dem UPSI (Glasier et al., 2010).

* LNG ist zur Einnahme bis 72 Stunden nach UPSI zur Notfallkontrazeption zugelassen. Je schneller die Einnahme der Pille Danach erfolgt, desto gravierender ist der Unterschied hinsichtlich der Schwangerschaftsraten bei UPA und LNG. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach UPSI ist UPA bedeutend wirksamer als LNG (Glasier et al., 2010).