Photoinstabilität von Wirkstoffen – was ist bei der Lagerung zu beachten?

Einige Arzneimittel sollten besser in ihrer Sekundärverpackung aufbewahrt werden. Denn durch Lichteinwirkung können unter anderem Wirkverluste auftreten.
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Die Lichtempfindlichkeit von Arzneistoffen stellt ein nicht zu vernachlässigendes Problem bei der Stabilität von Arzneimitteln dar. Neben Wirkstoffverlusten können durch Lichteinwirkung auch toxische Abbauprodukte entstehen. Welche Arzneimittel lichtempfindlich sind, verrät ein Blick in die jeweilige Fachinformation oder Gebrauchsanweisung.

Ablauf von Photoreaktionen

Bei lichtabhängigen Zersetzungsreaktionen absorbiert das Wirkstoffmolekül zunächst Energie in Form von Photonen, also einzelnen Lichtteilchen. Die aufgenommene Energie kann das Molekül dann unter anderem durch Fluoreszenz, Wärmestrahlung oder auch chemische Energie in Form einer chemischen Reaktion wieder abgeben. Solche photochemischen Reaktionen treten häufig bei aromatischen Halogen- oder Nitroverbindungen auf. Dabei dürfte die Photoreaktivität des Calcium-Kanalblockers Nifedipin sicherlich zu den bekanntesten Zersetzungsreaktionen unter Lichteinwirkung zählen. Durch eine intramolekulare Redoxreaktion kommt es dabei zur Bildung einer therapeutisch unwirksamen Verbindung.

Haltbarkeitsuntersuchungen

Vor der Zulassung eines Arzneimittels müssen umfangreiche Stabilitätsuntersuchungen durchgeführt werden. Neben hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit kann auch der Einfluss von Licht die Haltbarkeit negativ beeinflussen. Erweist sich ein Arzneimittel in den Versuchen als lichtempfindlich, muss die Herstellerfirma gesonderte Hinweise zur Aufbewahrung angegeben. Lichtschutz kann dabei meist durch die äußere Verpackung ausreichend gewährleistet werden, eine Aufbewahrung im Originalkarton ist dann wichtig.

Hinweise über Fachinformation oder Gebrauchsanweisung

Um sich zu informieren ob ein Wirkstoff nun tatsächlich lichtempfindlich ist, hilft ein Blick in die jeweilige Fachinformation oder Gebrauchsanweisung. Unter dem Punkt 6.4 der Fachinformation „Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung“ findet man beispielsweise bei Nifedipin-Tabletten folgenden Hinweis: „In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.“ In der Gebrauchsinformation ist diese Angabe unter Punkt 5 zu finden. Solche wichtigen Hinweise zur Aufbewahrung sollten dem Patienten bei der Abgabe des Arzneimittels im Beratungsgespräch nach Möglichkeit mitgeteilt werden. Neben Nifedipin zählen unter anderem auch der Calcium-Kanalblocker Amlodipin, das Diuretikum Furosemid und das Antiarrhythmikum Amiodaron zu den lichtempfindlichen Wirkstoffen.

Auswahl lichtempfindlicher Arzneistoffe

  • Amiodaron
  • Amlodipin
  • Cefaclor
  • Chinin
  • Cyanocobalamin
  • Furosemid
  • Isotretinoin
  • Molsidomin
  • Nifedipin
  • Nitrendipin
  • Zopiclon 

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass dies nicht unbedingt für alle Produkte mit den jeweiligen Arzneistoffen gilt, da die pharmazeutischen Hersteller auf unterschiedliche Weise für Stabilität sorgen. Manche sorgen bei entsprechenden Tabletten durch einen Überzug für Lichtschutz, andere Firmen tun dies beim gleichen Wirkstoff nicht und geben daher spezielle Lagerungshinweise an. Auch sind flüssige Darreichungsformen, in denen der Wirkstoff gelöst vorliegt meistens deutlich lichtempfindlicher als feste Arzneiformen.

Vorsicht bei Wochendosiersystemen

Gerade bei älteren Menschen werden einzunehmende Arzneimittel häufig in ein Wochendosiersystem überführt. Zuvor muss allerdings sichergestellt sein, dass das Medikament für eine solche Lagerung auch geeignet ist. Ansonsten kann es bei lichtempfindlichen oralen Darreichungsformen zu einer Wirkungsverminderung kommen. Diese ist häufig, aber nicht immer, an einer Verfärbung zu erkennen. Tabletten oder Kapseln mit lichtempfindlichen Wirkstoffen sollen also möglichst nicht in entsprechende Dosiersysteme überführt werden, sondern sollen bis zur Einnahme im Umkarton aufbewahrt werden.