„PKA sind eine tragende Säule“ – Interview mit Anja Löst

Anja Löst ist seit 14 Jahren als PKA tätig und berichtet auf ihrem Blog pka-impuls.de über den Beruf.
Bild: Anja Löst

Still ist es um sie geworden: die pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten. Anja Löst ist PKA und bereit diese Stille zu beenden. In ihrem Blog unter pka-impuls.de berichtet sie über ihren spannenden und abwechslungsreichen Beruf und stellt klar: Wer PKA aufs Abstellgleis schiebt, schiebt seine Wirtschaftlichkeit direkt hinterher.

Hallo Frau Löst, stellen Sie sich doch unseren Lesern erst mal vor.

Ich bin Anja Löst, 33 Jahre alt und komme aus dem schönen Zeuthen bei Berlin. Ich bin seit 14 Jahren als PKA tätig und arbeite heute in zwei großartigen Apotheken in der Hauptstadt. Dort übernehme ich die Einkaufsleitung und bin Teamlead eines wunderbaren PKA-Teams. Seit diesem Jahr schreibe ich außerdem auf meinem Blog „pka-impuls“ über den Alltag einer PKA und zeige, was hinter den Kulissen der Apotheke so passiert.

Das klingt abwechslungsreich. Was bedeutet das konkret?

Als Teamlead bin ich verantwortlich dafür, dass alle Vorgänge im Backoffice optimal laufen. Es geht mir hierbei nicht nur um Effizienz, sondern auch darum, für meine Kolleginnen da zu sein. Als Chefeinkäuferin achte ich auf wirtschaftliche Aspekte in puncto Warenbeschaffung und kümmere mich z. B. um die saisonalen Bevorratungen. Außerdem erstelle ich unsere Monatsangebote und kümmere mich um Content für die Social-Media-Kanäle der Apotheken. Die Bewirtschaftung der Apotheke ist ein großes Feld und umfasst viele spannende und wichtige Aufgaben wie Preispolitik, Lagerwirtschaft oder Aktionsmanagement.

Um den Beruf der PKA ist es in den letzten Jahren eher still geworden. Können Sie sich das erklären?

Ich denke hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Ein wichtiger Punkt sind die fehlenden Aufstiegschancen für PKA und wenige Möglichkeiten, ihren Beruf weiter zu entwickeln.
Der Trubel rund um die PTA ist groß. Sie werden gesehen und gehört. Wir PKA arbeiten eher backstage und sind für den Kunden kaum wahrnehmbar. Auch das allgemeine Bild der „Kistenpacker“ schadet dem Ansehen des Berufes. Und natürlich spielen auch die Verdienstmöglichkeiten eine große Rolle.

Sie fallen aktuell durch Ihren Blog auf. Woher kam die Idee dafür und wer sollte da unbedingt mal reinschauen?

Ich habe festgestellt, dass man sich kaum über die PKA und ihre Arbeit informieren kann. Man findet eigentlich nur die emotionslose Beschreibung des Berufsbildes. Daher möchte ich etwas Licht ins Dunkel bringen. Mein Blog richtet sich vor allem an zukünftige und bereits ausgebildete PKA. Durch die Einblicke in den PKA-Alltag, Arbeitshilfen für spezielle Aufgabengebiete und praktische Druckvorlagen ist er aber auch für PTA und Apotheker interessant. Ich berichte von Events und Fachmessen und spreche auch offen und kritisch über wichtige Themen wie den Fachkräftemangel.

Ist PKA ein Job fürs Abstellgleis?

Wer PKA aufs Abstellgleis schiebt, schiebt seine Wirtschaftlichkeit direkt hinterher. Von einem wirtschaftlich geführten Backoffice kann die Apotheke enorm profitieren. PKA analysieren Einkaufskonditionen sowie Preiskalkulationen und optimieren den Warenkreislauf. So hat der Apothekenleiter Zeit, sich um Personalentwicklung, Unternehmensziele oder Dokumentationen zu kümmern, und den PTA wird der Rücken für die Beratung freigehalten.

Warum können PTA nicht einfach die Aufgaben der PKA übernehmen?

Natürlich können auch PTA eine Bestellung verbuchen. Aber das ist ja noch längst nicht alles, was wir PKA tun. Hier stellt sich auch die Frage der Wirtschaftlichkeit. PTA, die nicht im HV sind, um die Kunden zu beraten, können auch keinen Umsatz generieren. Dann nützt die ganze Ware im Lager recht wenig.  PTA sind in heutigen Zeiten im Handverkauf wichtiger denn je. Sie sind absolute Gesundheitsexperten und sollten sich voll auf ihre Arbeit mit dem Kunden oder auch in Labor und Rezeptur konzentrieren können und nicht einem Beruf nachgehen müssen, für den sie nicht ausgebildet wurden.

Wie kann der Beruf der PKA wieder attraktiver werden?

Der Beruf selbst ist bereits absolut vielseitig und spannend! Vorausgesetzt wir PKA werden entsprechend unseres Berufsbildes eingesetzt. Wir benötigen klare Zielvorgaben durch die Apothekenleitung, um für das Unternehmen optimal zu wirtschaften. Auch der ständige Austausch mit den PTA ist ein Muss. Sie können uns an ihren Empfehlungs-Leitlinien teilhaben lassen, und wir sorgen für die richtigen Produkte und die Platzierung. PKA sollen auch die Möglichkeit haben, sich im Unternehmen zu entwickeln. Auf meinem Blog habe ich dazu bereits einen Beitrag erstellt.

Ich möchte vor allem die Apothekenleiter ansprechen, sich für eine gute Personalentwicklung einzusetzen. Auch die Kammern und Verbände bitte ich, sich mehr mit den PKA auseinanderzusetzen und entsprechende Fortbildungen anzubieten.

Welche Botschaft haben Sie für Ihre PKA-Kollegen und -Kolleginnen?

Ihr seid eine tragende Säule der Apotheke und ich freue mich darauf, zukünftig mehr und mehr von euch zu sehen! Um mit einem Zitat von Laotse zu enden: „Willst Du wertvolle Dinge sehen, so brauchst Du nur dorthin zu blicken, wohin die große Menge nicht sieht.“ Also lasst uns doch mal wieder einen Blick ins Backoffice werfen.

Wir danken Frau Löst für das sehr interessante Interview und verfolgen ihre kommenden Projekte mit Spannung.

Benedikt Richter
PTA, Journalist, Herzberg
onlineredaktion@ptaheute.de