PTA erhält Whistleblower-Preis für Enthüllungen über Bottroper Zyto-Apotheker

PTA Maria-Elisabeth Klein und der Volkswirt Martin Porwoll erhielten für ihre Enthüllungen über wohl gefälschte Krebsmedikamente und mehrfachen Betrug den „Whistleblower-Preis 2017“. Bild: hfd / DAZ.online

Er soll mit gepanschten Zytostatika Millionen erbeutet haben - ohne Rücksicht auf das Leben seiner Patienten: In einem der spektakulärsten Medizin-Skandale der vergangenen Jahre steht ein Bottroper Apotheker seit November in Essen vor Gericht. Aufgedeckt haben die dunklen Machenschaften die PTA Maria-Elisabeth Klein und der Volkswirt Martin Porwoll. Für ihre Enthüllungen über wohl gefälschte Krebsmedikamente und mehrfachen Betrug haben sie in Kassel am Freitag den „Whistleblower-Preis 2017“ bekommen.

Was war passiert?

Gegen den Apotheker werden schwere Vorwürfe erhoben: Er soll zehntausende Arzneimittel unter skandalösen hygienischen Bedingungen hergestellt und vielfach unterdosiert haben. Mindestens 1.000 Krebskranke sollen betroffen sein, allein den gesetzlichen Krankenkassen soll laut Anklage ein Schaden von 56 Millionen Euro entstanden sein. Zwischen 2012 und 2016 soll der Apotheker fast 62.000 Mal Krebsmedikamente mit zu wenig Wirkstoff versehen haben. Es sei ihm darum gegangen, "sich eine erhebliche Einnahmequelle zu verschaffen", argumentiert die Staatsanwaltschaft. In der Anklageschrift sind 35 Wirkstoffe aufgeführt, von denen der Apotheker höchstens 70 Prozent der eigentlich benötigten Menge eingekauft haben soll. Um nicht wegen ausbleibender Nebenwirkungen oder Farbabweichungen aufzufallen, soll der 47-Jährige beim Verdünnen und Panschen großen Wert darauf gelegt haben, dass "immerhin ein wenig Wirkstoff in den Infusionsbeuteln vorhanden war", heißt es in der Anklage. Diese lautet auf Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, Betrug und versuchte Körperverletzung. Dem 47-Jährigen drohen bis zu zehn Jahre Haft sowie ein Berufsverbot.

Nebenkläger fordern Anklage wegen des versuchten Mordes

Rund 20 Kunden des Apothekers oder ihre Angehörigen sind für den Prozess als Nebenkläger zugelassen. Sie erwarten vor allem Antworten auf die Frage nach dem Warum. Eine von ihnen, Heike Benedetti aus Bottrop, sagte vor Prozessbeginn: "Ich möchte leben und kämpfe dafür, dass es ein gerechtes Urteil geben wird." Cornelia Thiel aus Marl sagte: "Ich möchte, dass der Angeklagte nachempfinden kann, was er für ein Leid über krebskranke Menschen gebracht hat." Ihr eigenes Leid sei die Ungewissheit. "Ich möchte wissen, ob er mir Lebensjahre geklaut hat.“ Dass der Angeklagte im Wesentlichen wegen Betrugs vor Gericht steht, geht vielen nicht weit genug. Nebenklage-Anwalt Siegmund Benecken forderte, die mutmaßlichen Taten als versuchten Mord aus Habgier zu behandeln.

Whistleblower-Preis für Enthüllungen

Der mutmaßliche Medikamentenskandal war von zwei Mitarbeitern des Apothekers aufgedeckt worden. Sie hatten sich über einen Anwalt an die Staatsanwaltschaft gewandt. Der Volkswirt Porwoll und die Pharmazeutisch-Technische Assistentin Klein hatten selbst in der Alten Apotheke gearbeitet. Die Auszeichnung wurde zum zehnten Mal von der International Association of Lawyers against Nuclear Arms (IALANA) und der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler verliehen. Der Whistleblower-Preis soll Personen, die Skandale aufdecken, unterstützen und die Öffentlichkeit sensibilisieren. Er ist mit 3000 Euro dotiert, durch Zustiftungen wurden 11.000 Euro vergeben. Die beiden diesjährigen Preisträger waren seit 2014 in der Apotheke tätig, die mit rund 90 Mitarbeitern und rund 50 Millionen Euro Jahresumsatz einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt ist.

Cornelia Neth
PTA, Leitung der Online-Redaktion
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