Immer zum Arzt? Möglichkeiten und Grenzen der Selbstmedikation während der Schwangerschaft

Teil 5: Schnupfen

Bild: AntonioDiaz/stock.adobe.com

Die Tage sind kürzer geworden und die Temperaturen erreichen vielerorts bereits den Gefrierpunkt. Die Hochsaison der Schnupfennasen hat begonnen. Die häufigste Ursache von Schnupfen ist eine Infektion der Nasenschleimhäute mit Rhinoviren. Schwangere erkranken vergleichsweise häufiger an Schnupfen als der Durchschnitt der Bevölkerung und sind doch meist verunsichert, ob und welche Arzneimittel sie zur Linderung ihrer Beschwerden anwenden oder einnehmen dürfen. Wie also können Sie betroffenen Frauen in der Apotheke helfen und einen virenbedingten Schnupfen von einem sogenannten Schwangerschaftsschnupfen unterscheiden?

Vor allem in der kalten Jahreszeit ist die häufigste Ursache von Schnupfen in der Schwangerschaft eine Infektion der Nasenschleimhäute mit verschiedenen Arten von Rhinoviren. Die Schwangeren stecken sich – genau wie alle anderen auch – meist durch Tröpfcheninfektion über die Luft, sowie das Berühren infizierter Oberflächen und anschließendem Kontakt der Hände mit der Nase oder auch durch körperlichen Kontakt mit einer infizierten Person an. Schwangere sind anfälliger für Schnupfen und Erkältungskrankheiten, da ihr Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen ist. Schließlich hat der Körper genug damit zu tun, das Kind auszutragen. So haben Schnupfenviren leichtes Spiel. Bei der Behandlung von Schnupfen in der Schwangerschaft gilt es jedoch einige Dinge zu beachten.

Kompetente Hilfe im HV

Sie in der Apotheke sind oft die erste Anlaufstelle, ehe Schwangere einen Arzt aufsuchen. Eine Beratung sollte besonders sorgfältig erfolgen und dennoch müssen die Frauen Beschwerden nicht immer aushalten oder zum Arzt geschickt werden. Es gibt auch für die Schwangerschaft bewährte Medikamente, die Linderung verschaffen. Eine medikamentöse Therapie ist also nicht ausgeschlossen, muss aber mit den richtigen Präparaten und gegebenenfalls nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Außerdem gibt es für viele Beschwerden zahlreiche nichtmedikamentöse Tipps, die Sie Ihren Kundinnen mit auf den Weg geben können. Bei der Entscheidung, ob Sie der Schwangeren ein Arzneimittel für die Selbstmedikation empfehlen können, kann Ihnen die Datenbank Embryotox eine große Hilfe sein.

Behandlung von Schnupfen in der Schwangerschaft

Zunächst gilt es, die trockenen Schleimhäute zu befeuchten, um die Ansiedlung und Vermehrung von Erregern in den Griff zu bekommen. Hierfür eignen sich Meersalz- und Kochsalzlösungen welche in diversen Nasensprays enthalten sind (z. B. Emser® Nasenspray, nasic®-cur® Nasenspray, Hysan® Nasenspray, Bepanthen® Meerwasser Nasenspray).

Außerdem empfehlenswert ist die Anwendung von Nasenduschen . Mit diesen lassen sich die Nebenhöhlen durchspülen was die Belüftung verbessert und den Abtransport des Sekrets erleichtert. Detaillierte Informationen zum Thema Nasenduschen finden Sie im folgenden Artikel:

Krankheitserreger einfach wegspülen – Die richtige Anwendung von Nasenspüllösungen

Geeignete homöopathische Präparate sind beispielsweise Euphorbium comp Nasentropfen Sn oder auch Schnupfencremes (z. B. Wala Nasenbalsam® und Weleda Schnupfencreme®). Bei ätherischen Ölen (denken Sie hier vor allem an Einreibungen) ist während der Schwangerschaft Vorsicht geboten. Folgende ätherische Öle sollten während der Schwangerschaft gemieden werden, weil sie wehenfördernd wirken können: Eisenkraut, Lorbeer, Majoran, Muskat, Nelke, Rosmarin, Thymian, Wacholder, Zedernholz und Zimt.

Abschwellende Nasensprays während der Schwangerschaft

Eine indikationsgerechte, kurzzeitige Anwendung von Xylometazolin-Nasensprays (z. B. Olynth®, Otriven®, Nasic®) oder Oxymetazolin-Nasensprays (Nasivin®) in therapeutischer Dosierung ist während der gesamten Schwangerschaft möglich. Dabei sollte die Anwendung nur über einige Tage erfolgen, um einer Gewöhnung und möglichen Schleimhautatrophie bei chronischer Anwendung vorzubeugen.

Nichtmedikamentöse Hilfe

Folgende Tipps gelten allgemein bei Schnupfen, aber auch für die Schwangerschaft:

  • körperliche Schonung
  • ausreichend trinken (mindestens 1,5 Liter)
  • Regulation der Raumtemperatur (20 bis 22 Grad sind ideal)
  • für Luftfeuchtigkeit sorgen
  • Kopf beim Schlafen erhöht lagern (hier empfiehlt sich die frühe Anschaffung eines Stillkissens) 

Unterscheidung einer Schwangerschaftsrhinitis von einer viralen Rhinitis

Viele Beschwerden, die in der Schwangerschaft auftreten, hängen mit der neuen Hormonsituation zusammen, auf die sich der Körper zunächst einstellen muss. Der sogenannte Schwangerschaftsschnupfen zählt zu den vergleichsweise harmlosen Wehwehchen im Rahmen einer Schwangerschaft, kann aber durchaus lästig werden. Er wird verursacht durch anschwellende Blutgefäße in den Schleimhäuten. Im Laufe der Schwangerschaft steigt das Blutvolumen der Mutter um bis zu 50 Prozent an. Der mütterliche Organismus passt sich an das vergrößerte Blutvolumen an, indem sich die Blutgefäße erweitern. Sie können so eine größere Menge Blut durch den Körper transportieren. In der Nasenschleimhaut befinden sich viele feine Blutgefäße, die sich während der Schwangerschaft ebenfalls vergrößern. Als Folge kann die Nasenschleimhaut anschwellen. Bei einer viral bedingten Rhinitis lösen Viren an der Nasenschleimhaut eine Abwehrreaktion des Körpers aus. Die Symptome sind jedoch bei beiden Schnupfenarten ähnlich: Die Nase fühlt sich verstopft an und die Nasenatmung ist dadurch erschwert. Auch nächtliches Schnarchen kann auftreten. Beim viral bedingten Erkältungsschnupfen läuft jedoch die Nase und die Betroffene fühlt sich zusätzlich schlapp und krank. Die Behandlung ist in beiden Fällen dieselbe.


Das könnte Sie auch interessieren

Cornelia Neth
PTA, Leitung der Online-Redaktion
onlineredaktion@ptaheute.de