So funktioniert das E-Rezept

Mit der Einführung des E-Rezeptes landet die ärztliche Verschreibung z. B. direkt auf dem Smartphone des Patienten. Dass die Belieferung dieser Rezepte sich vom bisherigen Vorgehen unterscheidet, liegt auf der Hand.
Bild: Halfpoint/AdobeStock

Das Rezept vom Arzt direkt aufs Smartphone – so soll die Zukunft der ärztlichen Verschreibung aussehen. Gesundheitsminister Jens Spahn ist bemüht den Weg für das E-Rezept bis 2020 zu ebnen.  Doch wie sollen E-Rezepte in der Praxis eigentlich funktionieren? Und wie kommt das Rezept zukünftig vom Arzt in die Apotheke?

In Deutschland gibt es bislang jeweils ein Modellprojekt für den  GKV- und für den PKV-Bereich. Eine festgelegte, einheitliche Funktionsweise gibt es also noch nicht. Allerdings zeigt sich jetzt schon ein Grundmuster: Ärzte werden künftig in ihrer Praxis-Software die Auswahlmöglichkeit haben, ob sie ein Rezept ausdrucken oder digital erzeugen. Entscheiden sie sich für die digitale Variante, wird das E-Rezept auf einem Server verschlüsselt gespeichert. Gleichzeitig erhält auch der Patient ein Zugriffsrecht auf das E-Rezept, es wird ein Zugriffscode bzw. Schlüssel erstellt (zum Beispiel ein QR-Code), mit dem nur der Patient selbst auf seine Verordnung zugreifen kann. Diesen Code benötigt der Patient, um die Apotheke seiner Wahl zu befähigen (beispielsweise mittels einer Handy-App), auf dieses digitale Rezept zuzugreifen. Der Apotheker benutzt den vom Patienten mitgebrachten Schlüssel (oder scannt den QR-Code), sieht die Verordnung dann in der Apothekensoftware und kann das passende Arzneimittel beliefern. Auf dem Server ändert sich der Status des E-Rezeptes, es gilt als beliefert. Die Apotheke übermittelt die Verordnung digital an das Rechenzentrum, von da aus gelangt es weiter zur Krankenkasse.

Was muss technisch aufgebaut werden, damit E-Rezepte verschickt werden können?

Damit E-Rezepte sicher und verschlüsselt von der Arztpraxis über den Server zum Patienten und dann in die Apotheke gelangen können, ist neben dem oben genannten Rezeptserver eine Datenautobahn nötig. Diese wird seit Jahren – auch für andere Anwendungen – aufgebaut und nennt sich „Telematikinfrastruktur“. Noch vor dem E-Rezept sollen Ärzte und Apotheker in diesem Jahr anfangen, innerhalb dieser Infrastruktur E-Medikationspläne auszutauschen. Für den Aufbau dieser „TI“ ist die Gesellschaft für Telematikanwendungen (Gematik) zuständig, in der neben den Leistungserbringern (Apotheker, Ärzte etc.) auch das Bundesgesundheitsministerium und die Krankenkassen sitzen. Innerhalb der Gematik gibt es einzelne Fachprojekte, die Apotheker sind für das Projekt „E-Rezept“ zuständig.

Aber zurück zur Telematikinfrastruktur. Die Ärzte mussten diese Struktur schon vor den Apothekern auf ihrer Seite aufbauen und sich vernetzen – was ihnen nur einigermaßen gut gelang, denn etwa ein Drittel der Praxen hat die Frist zur Anbindung an die TI verstreichen lassen. Mit dem Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) will die Bundesregierung für die Apotheker nun auch eine Frist zur Anbindung etablieren: Bis Ende September 2020 sollen demnach alle Apotheken an die Infrastruktur angebunden sein.

Was benötigt man als Apotheke, um sich an die TI anzubinden?

Apotheken müssen in der Offizin mehrere neue Geräte installieren und bekommen neue Zugangskarten. Hier ein Überblick:

1. Der Konnektor ist das Verbindungsgerät, also ein Router, in der Telematikinfrastruktur. Er wird benötigt, um die Apotheke technisch ans Netz anzubinden.

2. Zur persönlichen Identifizierung brauchen Apotheker einen elektronischen Heilberufsausweis (HBA), mit dem sie sich als Heilberufler im Netzwerk identifizieren. Darüber erhalten Apotheker Zugang zu Anwendungen, in denen Patientendaten eine Rolle spielen – wie etwa der E-Medikationsplan.

3. Damit jede Apotheke als Institution an das digitale Netz angeschlossen werden kann, benötigt der Inhaber eine sogenannte Institutionenkarte, auch „SMC-B-Karte“ genannt. Diese Karte ist notwendig, um die Apotheke über den Konnektor beim TI-Netz anzumelden.

4. Außerdem benötigen die Apotheken neue Kartenlesegeräte, in die der HBA, die SMC-B-Karte aber auch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) der Patienten eingesteckt werden können.

Das Modell-Projekt GERDA

Um Erfahrungen für den Aufbau der bundesweiten E-Rezept-Struktur zu sammeln, soll noch dieses Jahr unter dem Namen „GERDA“ (Geschützter E-Rezept-Dienst der Apotheken) das wohl größte Modellprojekt im GKV-Bereich starten. Das Projekt findet  zunächst in den beiden Regionen Stuttgart und Tuttlingen statt.