Tuberkulose – und was sie mit COVID-19 zu tun hat

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Das Robert Koch-Institut ist im Zusammenhang mit dem SARS-CoV-2-Virus in aller Munde. Sein berühmter Namensgeber – der Mediziner Robert Koch – entdeckte im Jahr 1882 einen anderen gefährlichen Erreger: den Tuberkelbazillus Mycobacterium tuberculosis. Daran erinnert der jährliche Welt-Tuberkulosetag am 24. März. Aus der Tuberkulose-Bekämpfung könnte vielleicht Hilfe gegen COVID-19 kommen. 

Im 19. Jahrhundert starb ungefähr ein Siebtel der deutschen Bevölkerung an der Tuberkulose – auch Schwindsucht genannt. Heute ist die bakterielle Infektionskrankheit in der Regel gut behandelbar. Dennoch verursacht sie jedes Jahr weltweit immer noch etwa 1,5 Millionen Todesfälle. Etwa zehn Millionen Menschen erkranken weltweit jedes Jahr an Tuberkulose (TB).

Fortschritte und Ziele

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat das Ziel ausgerufen, die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner (Inzidenz) von 2015 bis 2035 weltweit um 90 Prozent zu senken. Die Zahl der TB-Todesfälle soll sogar um 95 Prozent zurückgehen. Von Ländern mit einer niedrigen Inzidenz wie Deutschland wird erwartet, dass bis 2035 weniger als ein Fall pro 100.000 Einwohner auftritt. Im Jahr 2019 waren es nach vorläufigen Daten des Robert Koch-Instituts 5,8 Fälle pro 100.000 Einwohner (insgesamt 4.791 Erkrankungen). Im Jahr 2018 betrug die Rate noch 6,6 Fälle (insgesamt 5.492 Erkrankungen).

Tuberkulose-verdächtige Symptome

In den vergangenen Jahren wurden für die Tuberkulose-Elimination verbesserte diagnostische Verfahren und neue Antibiotika eingeführt. Wichtig für den Behandlungserfolg ist jedoch eine frühe Diagnose der Erkrankung. Bei einigen verdächtigen Symptomen sollte man an Tuberkulose denken. Das sind vor allem länger bestehender Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust. Der häufigste Übertragungsweg für die Tuberkulose ist die Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Diese geschieht allerdings längst nicht so leicht wie etwa beim neuen Coronavirus oder beim Masernvirus. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben vor allem enge Kontaktpersonen eines infektiösen Patienten.

Immunschub gegen das Coronavirus?

Eine Tuberkulose-Impfung (BCG-Impfung) wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut seit 1998 in Deutschland nicht mehr empfohlen. Gründe sind das hierzulande niedrige Infektionsrisiko sowie eine relativ hohe Impfkomplikationsrate. Allerdings findet ein auf dem BCG-Impfstoff basierender neuer Tuberkulose-Impfstoffkandidat angesichts der COVID-19-Pandemie besonderes Interesse. Der von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie entwickelte Impfstoff VPM1002 enthält abgeschwächte Tuberkulose-ähnliche Bakterien. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte er das Immunsystem auch gegen eine Virusinfektion aktivieren – möglicherweise auch bei einer Infektion mit SARS-CoV-2. In einer großangelegten Studie soll der Impfstoff nun an mehreren Kliniken in Deutschland getestet werden. Bei besonders gefährdeten Personen wie älteren Menschen und Beschäftigten im Gesundheitswesen will man prüfen, ob der Tuberkulose-Impfstoff den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung mildern kann. Bei einem positiven Ergebnis könnte VPM1002 dazu beitragen, die Gesundheitssysteme zu entlasten, bis ein spezifischer SARS-CoV-2-Impfstoff zur Verfügung steht.   

Quellen: Robert Koch-Institut; Max-Planck-Gesellschaft