Emerade®, Fastjekt®, Jext®

Warum fehlen die Adrenalin-Pens?

Bild: Rob Byron/stock.adobe.com

Allergiker haben in diesem Jahr schlechte Karten – die Engpässe bei Notfallarzneimitteln reißen nicht ab. Eher gewinnt man den Eindruck, sie verschärfen sich. Seit Januar 2018 ist Celestamine® N liquidum knapp, auch die Adrenalin-Pen-Hersteller melden wenig Positives bei der Lieferbarkeit. Emerade®, Fastjekt®, Jext® sind schwer bis gar nicht zu bekommen – so hört man aus Apotheken. Was ist der Grund?

Adrenalin-Pens zu bestellen ist das Problem derzeit nicht, nur sie zu erhalten. Alle drei normalerweise verfügbaren Präparate in Deutschland sind nämlich aktuell nicht verfügbar. Emerade®, Fastjekt®, Jext®: Bei den drei Notfall-Arzneimitteln leuchten die Großhandelsbestellungen rot: nicht lieferbar. Offenbar hat der Lieferengpass von Fastjekt® die beiden konkurrierenden Hersteller von Emerade®und Jext® in Schwierigkeiten gebracht. Ist das möglich? Dass zwei Hersteller den Lieferausfall eines einzigen nicht auffangen können? Und was steckt überhaupt hinter dem wohl ursächlichen Fastjekt®-Engpass?

Fastjekt® kämpft mit Produktionsumstellungen

Meda hat die Zulassung für Fastjekt® in Deutschland, hergestellt wird der Adrenalin-Pen allerdings von Pfizer. Und da hapert es offenbar. Produktionsumstellungen bedingten bei Pfizer, dass Fastjekt® nicht wie geplant produziert werden kann. Allerdings fehlen auch Emerade® und Jext®.

Rote-Hand-Brief zu Emerade® wurde als Rückruf missverstanden

Denn auch bei Emerade® lief nicht alles reibungslos in letzter Zeit. Ein Rote-Hand-Brief warnte vor einer Blockade des Emerade®-Pens bei Auslösung. Der pharmazeutische Unternehmen hinter Emerade®, Bausch & Lomb / Dr. Mann, informierte sodann, in Abstimmung mit der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheken (AMK), dass Allergiker künftig zwingend zwei Pens mit sich führen müssen. Bisher war dies lediglich eine Empfehlung, falls die Dosis eines Adrenalin-Pens im Notfall nicht ausreichen würde. Allerdings: Einen Rückruf der Emerade®-Pens gab es nicht – was manche Apotheken so leider jedoch verstanden haben. Diese zurückgeschickten Pens wollen natürlich ersetzt sein und auch die Auflage erfüllt, dass jeder Emerade®-Kunden künftig einen zweiten Pen mit sich zu führen hat. Verschärft wird die Situation laut Dr. Mann dadurch, dass jüngst neue Auflagen hinzugekommen sind, was die Haltbarkeit der Adrenalin-Pens betrifft: Diese wurde von 30 Monaten auf 18 Monate gekürzt. Das macht die Pens natürlich knapper – jedoch ist der Hauptgrund für die Nichtverfügbarkeit von Emerade® und auch Jext® wohl ein anderer. Zumindest nach Aussagen der Hersteller.

Emerade® und Jext® versuchen Lieferausfall von Fastjekt® zu kompensieren

Den Lieferausfall bei Fastjekt® nennen sowohl Meda (Emerade®) als auch Jext®-Hersteller ALK als die Hauptursache für die eigenen Versorgungsschwierigkeiten. Das ungünstige, was die jetzige Situation so heikel macht, ist, dass Fastjekt® tatsächlich Marktführer bei Adrenalin-Pens in Deutschland ist – und zwar mit Abstand. Fastjekt® ist das älteste Produkt im Markt – bereits 1989 wurde die Zulassung erteilt – und hat hier wohl Marktvorteile gewonnen. Erst 2010 folgte Jext® als erste Konkurrenz und drei Jahre später, 2013, Emerade®.

Fastjekt®: Marktanteile von 73 Prozent

Die Zahlen des Arzneiverordnungsreportes bestätigen das Bild, das Meda und ALK zeichnen. Der Arzneiverordnungsreport erscheint jedes Jahr. Er erfasst die jährlichen Arzneimittelkosten der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland. Privatverordnungen sind hier nicht berücksichtigt. Die aktuellsten Daten des Arzneiverordnungsreportes stammen aus dem Jahr 2016 (Arzneiverordnungsreport 2017): Die Gesamt-Verordnungen lagen bei 0,15 Millionen DDD (daily defindes dose), Fastjekt® macht 0,11 Millionen DDD aus, Jext® liegt bei 0,03 Millionen DDD und Emerade® bei 0,02 Millionen DDD. Fastjekt® besitzt einen überragenden Marktanteil von 73,33 Prozent. Dabei hat der Adrenalin-Pen im Vergleich zum Vorjahr bereits an Vormachtstellung eingebüßt. 2015 (Arzneiverordnungsreport 2016)lag der Marktanteil bei 98 Prozent.

Warum sollen Anaphylaktiker zwei Pens mitführen?

Bei drohender Anaphylaxie – sei es durch Insektengifte oder Nahrungsmittel – sollen Patienten unverzüglich einen Adrenalin-Pen anwenden. Die Injektion erfolgt in den Muskel, intramuskulär, in die Außenseite des Oberschenkels – das funktioniert auch durch die Kleidung hindurch. Die Dosis eines Pens kann jedoch unter Umständen nicht genügen, das bedeutet: Die Situation des allergisch reagierenden Patienten verbessert sich nicht oder verschlechtert sich sogar. Für diesen Fall soll nach fünf bis 15 Minuten eine zweite Injektion erfolgen. Die Hersteller von Emerade®, Fastjekt®und Jext® empfehlen Patienten in den jeweiligen Fachinformationen zu ihren Adrenalin-Pens, die Injektionsstelle zu massieren. Das fördert die Aufnahme des Epinephrins.

Celine Müller
Apothekerin, Redakteurin, Stuttgart
onlineredaktion@ptaheute.de