Was ist eigentlich die androgenetische Alopezie?

Bei Männern konzentriert sich der Haarausfall zunächst auf die Geheimratsecken.
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Die androgenetische Alopezie ist weit verbreitet. Jeder zweite Mann und jede fünfte Frau sind davon betroffen. Handelt es sich um ein genetisches Schicksal oder kann man dagegen etwas unternehmen?

Unter Alopezie versteht man Haarlosigkeit an Körperstellen, die normalerweise behaart sind. Die androgenetische Alopezie ist keine gefährliche Erkrankung, stellt aber häufig eine große psychische Belastung für die Betroffenen dar. Kräftiges, volles Haar wird mit Gesundheit, Schönheit und Erfolg assoziiert – schütteres Haar hingegen entspricht nicht dieser Vorstellung.

Drei Faktoren: Genetik, Androgene, Alter

Eine Veränderung mehrerer Gene auf dem X-Chromosom führt zu einer Fehlprogrammierung der Haarfollikel, genauer zu einer gesteigerten Überempfindlichkeit gegenüber Dihydroxytestosteron. Während Dihydroxytestosteron in der Bartregion und im Intimbereich das Haarwachstum anregt, fördert es im Kopfhaarbereich Haarausfall. Der Zusammenhang mit diesem Androgen erklärt, weshalb die Symptome bei Männern bereits mit Beginn der Pubertät sichtbar werden können, bei Frauen aufgrund des sinkenden Östrogenspiegels erst mit den Wechseljahren. Die Ansprechbarkeit der Haarfollikel auf Dihydroxytestosteron ist in verschiedenen Zonen unterschiedlich, daraus ergibt sich je nach Geschlecht ein typisches Erscheinungsbild der lichten Zonen: Bei Männern konzentriert sich der Haarausfall zunächst auf die Geheimratsecken, die Stirn-Haar-Grenze (Stirnglatze) und auf die Scheitelhöhe (Tonsur), bei Frauen lichtet sich vorrangig das Gebiet rund um den Scheitel.

Wozu können PTA und Apotheker raten?

Da es sich bei der androgenetischen Alopezie um eine genetische Störung handelt, kann sie nicht ursächlich beseitigt werden. Durch eine geeignete Therapie kann der Verlauf jedoch aufgehalten bzw. verlangsamt werden. Um einen zufriedenstellenden Erfolg zu erzielen, ist eine konsequente dauerhafte Durchführung unerlässlich.

Suchen ältere Kunden in der Apotheke Rat, so sollte überprüft werden, ob es sich um das typische Lichtungsbild handelt. Ist die Form des Haarausfalls zudem bereits aus der Familiengeschichte bekannt, so können in der Selbstmedikation Präparate mit dem Wirkstoff Minoxidil (z. B. Regaine®) empfohlen werden. Minoxidil wurde ursprünglich zur Behandlung des Bluthochdrucks entwickelt. Lokal angewendet kann es das Haarwachstum fördern, ohne unerwünschte systemische Nebenwirkungen zu zeigen. Der genaue Wirkmechanismus, der zu einer Steigerung des Haarwachstums führt, ist noch nicht bekannt. Die Therapie ist nur sinnvoll, solange die Haarfollikel noch funktionstüchtig sind. Für einen optimalen Erfolg sollte die Anwendung deshalb so früh wie möglich begonnen werden.
Zur Wahl stehen Lösungen und Schäume mit einem Wirkstoffgehalt von 2 % bzw. 5 %. Nach aktueller Therapie-Leitlinie wird empfohlen, die Präparate zweimal täglich aufzutragen. Aufgrund der erhöhten Wirksamkeit ist den 5%-igen Zubereitungen der Vorzug zu geben.

Wichtig zu wissen: Durch Minoxidil werden die Haarfollikel stimuliert, neue Haare werden vermehrt gebildet, bereits abgestorbene Haare beschleunigt abgestoßen. Das bedeutet, dass es direkt nach Therapiebeginn zunächst zu einem gesteigerten Haarausfall kommt. Um die Compliance nicht zu gefährden, ist es wichtig, die Kunden darauf hinzuweisen.
Nach sechsmonatiger topischer Minoxidil-Anwendung kann der individuelle Therapieerfolg beurteilt werden. Ist das Ergebnis nicht überzeugend, so sollte zu einem Arztbesuch geraten werden. Dieser hat z. B. die Möglichkeit, systemische Wirkstoffe wie Finasterid oder verschiedene Antiandrogene zu verordnen.

Vorsicht bei jüngeren Kundinnen

Klagen vor allem Frauen in jüngeren Jahren über gesteigerten Haarausfall, so sollten sie auf jeden Fall an einen Arzt verwiesen werden. Verschiedene hormonelle Störungen, wie z. B. ein androgenproduzierender Tumor, könnten die Ursache für die Bildung von lichten Stellen sein.
Ebenso ist natürlich in allen nicht eindeutig zuzuordnenden Fällen eine ärztliche Abklärung unumgänglich, bevor mit der Selbstmedikation begonnen werden kann.