Welche Wärmepflaster sind die besten?

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Wärmepflaster – nutzen sie, schaden sie? Oder wärmen sie zumindest die Seele der Patienten? Ökotest war auf Streifzug durch Apotheken, Discounter und Drogerien und hat sich die wärmenden Auflagen näher angesehen. Ihr Urteil ist vernichtend: „Vermeidbarer Müll“. Warum können PTA und Apotheker Thermacare und Doc Therma aus der Apotheke dennoch wärmstens empfehlen? Wo punkten die Apothekenprodukte gegenüber Aldi und Rossmann? Und welche Argumente entkräften die leidige „Apothekenpreise“-Diskussion – und diejenigen zur Müllvermeidung?

Ökotest hat sich in seinen jüngsten Produkttests – passend zur bevorstehenden kalten Jahreszeit – Wärmepflastern gewidmet. Sie sollen Schmerzen unterschiedlicher Genese vertreiben. Ob die Wärmeauflagen dieses ambitionierte Ziel bei Hexenschuss, Muskel- und Gelenkschmerzen erreichen, lediglich als körpernahe „Heizung“ überzeugen oder den Patienten am Ende mehr schaden? Die Verbraucherschützer geben einen Überblick anhand einiger Kriterien: Hautverträglichkeit und Klebefähigkeit der Wärmeauflagen, bedenkliche Inhaltsstoffe, die sich entwickelnde Temperatur und die anhaltende Wärmedauer.

Wärmepflaster aus der Apotheke: nicht nur teurer, auch besser?

Im Einkaufswagen von Ökotest landeten elf Wärmpflaster. Alle enthielten als wirksamen Bestandteil Eisenpulver, das nach Öffnen der Packung durch Oxidation mit Luftsauerstoff Wärme erzeugt. Pflaster mit Wirkstoffen wie Capsaicin (ABC Wärmepflaster) und Nonivamid (ABC Wärmepflaster sensitiv) untersuchten die Verbraucherschützer nicht. Von den elf getesteten Wärmepflastern waren auch welche aus der Apotheke in der Ökotest-Testreihe: Doc Therma Wärmeauflagen von Hermes, die Wärmeauflagen Thermacare von Pfizer und auch Dr. Kade hat Kade Wärmepflaster in seinem Produktsortiment. Preislich müssen Kunden bei Thermacare, Doc und Kade etwas tiefer in die Tasche greifen als bei den Wärmeprodukten von Aldi, Rossmann. Ist das gerechtfertigt?

Wo meckert Ökotest? Kein Nachweis für die Wirksamkeit der Wärmepflaster

Ökotest kommt zu einem ziemlich vernichtenden Urteil über die klebenden Helfer gegen Rücken-, Gelenk- und Muskelbeschwerden und lässt kaum ein gutes Haar an den Medizinprodukten. Wo meckert Ökotest? „Die wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit sind dünn“, erklären die Verbraucherschützer. Deswegen schafft es auch keines der elf Pflaster auf das Siegertreppchen: Die beste Note, zu der sich Ökotest durchringen konnte, ist Note vier, „ausreichend“. Mit dieser Bewertung zählen Thermacare und Doc somit noch zu den Gewinnern unter der insgesamt „wenig überzeugenden“ Produktfamilie der Wärmepflaster.

Bedenkliche Inhaltsstoffe bei Wärmepflastern von Aldi und Rossmann

„Ausreichend“ erhielten auch Rossmanns Altapharma Wärmepflaster, die Multinorm Wärmepflaster von Aldi und SOS Wärmepflaster von Districon – obwohl Ökotest „optische Aufheller“ im Klebstoff der Discount-Pflastern fand. Aufgenommen über den Schweiß der Haut, könnten diese Weißmacher zu allergischen Reaktionen führen, resümieren die Verbraucherschützer. Diese Bedenken sind durchaus berechtigt: Wird die Haut durch das Wärmepflaster erwärmt, steigt zum einen die Durchblutung der Haut, zum anderen führt die teilweise Okklusion zu einem verstärkten Schwitzen und einer stärkeren Hydratation des bepflasterten Hautareals. Beides kann die Resorption von Wirkstoffen über die Haut fördern.

Qualität aus der Apotheke

Laut den Ergebnissen von Ökotest, enthalten weder Thermacare noch Doc Therma Wärmeauflagen bedenkliche Inhaltsstoffe. Konfrontieren Apothekenkunden PTA und Apotheker im Beratungsgespräch häufiger mit dem beliebten Argument „Apothekenpreise“, entwaffnet der Hinweis auf das allergene Potenzial der Wärmeauflagen beim Discounter die Billigpreis-Verfechter in aller Regel relativ rasch. Doc Therma vertreibt der Hersteller Hermes ausschließlich über Apotheken.

Wärmeauflagen – nicht bei Arthritisschmerzen!

Sechs der getesteten Pflaster zogen nur mit „mangelhaft“ aus dem Untersuchungslabor von Ökotest. Darunter auch Fit und Vital Wärmepflaster vom Drogerieriesen Müller, Kade-WärmepflasterUrgo Wärme-Pflaster und ein TCM-Produkt Herbachaud Wärmepflaster. Bei diesen Wärmern störten Ökotest ebenfalls bedenkliche Inhaltstoffe: Urgo Wärmepflaster ist laut Ökotest mit zinnorganischen Verbindungen belastet. Zwar werde der Grenzwert des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) eingehalten, jedoch hat Dioktylzinn in Tierversuchen  zu Entwicklungsstörungen geführt und wirkt hautreizend. Kade enthält, wie auch die Pflaster von Rossmann und Aldi, optische Aufheller. Besonders kritisch findet Ökotest das TCM-Produkt Herbachaud: Halogenorganische Verbindungen geben Abzug und die Verbraucherschützer bemängeln die Indikation „Arthritisschmerzen“ – hier ist Wärme kontraindiziert.

Wenigstens kleben die Pflaster gut – die meisten zumindest

Beim „Durchhaltevermögen" enttäuschen nur zwei Pflaster die Verbraucherschützer: Kade Wärmepflaster löst sich nach 5,5 Stunden, Reginaplast Universal Wärmepflaster fällt bereits nach 3,5 Stunden von der Haut. Auch mit der Wärmetemperatur ist Ökotest zufrieden: Alle Wärmeauflagen erfüllen ihr Versprechen und wärmen über einen Zeitraum von acht Stunden relativ konstant mit 40 Grad Celsius. Die gemessenen Temperaturabweichungen finden die Verbraucherschützer allesamt vertretbar.

Wärmepflaster: Wird nur Herstellern warm ums Herz?

„Mehr als vier Millionen Packungen selbst erwärmender Pflaster wurden 2016 bundesweit gekauft. Das ist vermeidbarer Müll“, zu diesem Fazit kommt zumindest Ökotest. Nach Angaben von IMS Health setzten 2016 die Hersteller 82 Millionen Euro mit den Wärmeauflagen um. Gewinnt nur die Industrie? Wie sehen Fachleute den Nutzen der Wärmeauflagen?

Nicht einmal die Nationale Versorgungs Leitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz geht dermaßen hart mit den Pflastern ins Gericht wie Ökotest es tut. Die Experten der Leitlinie raten – auch wenn die Evidenz zur Wirksamkeit mager ist – nicht von den Wärmepflastern ab, „da sie wahrscheinlich zum Wohlbefinden beitragen und nicht schaden“. Für PTA und Apotheker klingt das nach Entwarnung – eine fundierte Beratung in der Apotheke zu den Wärmeauflagen fördert deren Grenzen in der Selbstmedikation ans Tageslicht. Das wissen Apotheker und PTA, auch dass die Wärmer bei Arthritisschmerzen nichts verloren haben. Wenn es auch um die Evidenz dünn bestellt ist, sind diejenigen Wärmepflaster ohne schädliche Inhaltsstoffen bei korrekter Indikation für die Patienten nicht bedenklich. Somit können PTA Wärmepflaster wie Thermacare oder Doc Therma auch weiterhin ihren Rückenschmerzkunden „wärmstens“ empfehlen.

Weniger Müll mit Wärmesalben

Bleibt noch Ökotests harsche Kritik an der Vermüllung der Umwelt durch die Pflaster. Aber schaden muss eine Wärmetherapie weder den Patienten noch der Umwelt. Auch gegen das Müll-Argument der Verbraucherschützer ist ein Kraut gewachsen: Wer Abfall sparen will, kann umweltbewussten Kunden wärmende Salben empfehlen. Diese wirken jedoch anders als die „Eisenpflaster“, die Ökotest untersucht hat. Mit Inhaltsstoffen aus dem Cayennepfeffer wie Capsaicin in Hansaplast® ABC Wärmecreme oder Finalgon® CPD Wärmecreme fördern sie lokal die Durchblutung der Haut und erwärmen diese auf diese Weise. Finalgon® duo potenziert diese Wirkung durch zwei wärmende Inhaltsstoffe – Nonivamid und Nicoboxil. Nicht fehlen bei der Beratung sollte hier der Hinweis: Finger weg von den Augen.

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