Wiederbelebung in Corona-Zeiten

Laien können eine Wiederbelebung auch ohne Atemspende durchführen bis der Notarzt eintrifft./ Bild: Chalabala/stock.adobe.com

Wenn jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet, kommt es auf jede Minute an. Ersthelfer sollten so schnell wie möglich mit der Wiederbelebung beginnen, bis der Notarzt eintrifft. Doch wie ist das in Corona-Zeiten? Wie hoch ist das Infektionsrisiko und funktioniert eine Wiederbelebung auch ohne Atemspende?

Etwa 60.000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr am plötzlichen Herztod. Diese hohe Zahl müsste nicht sein, meinen Experten. Doch Ersthelfer scheuen noch allzu oft vor einer Reanimation zurück. So wird in anderen europäischen Ländern viermal öfter durch Laien reanimiert, als in Deutschland. Anlässlich der Woche der Wiederbelebung vom 14. bis 20. September rufen Experten zu mehr Laien-Reanimation auf.

Laien sollten nur Herzdruckmassage durchführen

Die Überlebenswahrscheinlichkeit einer Person mit Herz-Kreislauf-Versagen sinkt pro Minute um etwa zehn Prozent. Rufen Ersthelfer den Rettungsdienst über die 112, unternehmen dann aber nichts bis zum Eintreffen der Retter, bedeutet das für den Patienten nach wenigen Minuten den Tod oder schwerste bleibende Hirnschädigungen. Häufiger Grund für das Nichtstun von Ersthelfern ist die Scheu vor einer zusätzlichen Atemspende. Viele sind im Ausnahmezustand von der vermeintlichen Komplexität überfordert und gelähmt. Um nichts falsch zu machen, unternehmen sie dann lieber gar nichts. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt daher Laien ausdrücklich, sich auf die Herzdruckmassage zu konzentrieren. Auf eine zusätzliche Mund-zu-Mund-Beatmung könne verzichtet werden.

Erste Hilfe während der Corona-Pandemie

Medizinerinnen und Mediziner rufen außerdem dazu auf, in Corona-Zeiten die Erste Hilfe bei Herzstillständen nicht zu vernachlässigen: Das Infektionsrisiko bei reiner Herzdruckmassage und einem masketragenden Helfer sei nicht höher als sonst auch, macht Professor Dr. Götz Geldner, Präsident des „Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten“ (BDA), anlässlich der „Woche der Wiederbelebung“ deutlich. Ein Tuch oder Kleidungsstück, das über das Gesicht des Patienten gelegt wird, kann zusätzlichen Schutz vor Aerosol-Bildung bieten.

Die wichtigsten Schritte: Prüfen – Rufen – Drücken

Die Wiederbelebung durch Laien besteht laut Deutscher Herzstiftung aus folgenden einfachen Schritten:

  1. Zuerst prüft man, ob die kollabierte Person bewusstlos ist. Dazu spricht man sie an („Hallo, hallo, wie heißen Sie, was ist passiert?“) und fasst und schüttelt sie kräftig an beiden Schultern. Dann prüft man die Atmung. Dazu überstreckt man den Kopf der bewusstlosen Person und hört und fühlt, ob sie atmet. (Schnappatmung und Röcheln zählen übrigens nicht als normale Atmung. Sie sind typisch für die erste Phase des Herzstillstandes).
  2. Dann setzt der Ersthelfer den Notruf (112) ab. Dabei laut und deutlich den eigenen Namen, genauen Standort und Unfallhergang nennen.
  3. Die Herzdruckmassage ohne Atemspende ist die zentrale Erstmaßnahme: Im Knien neben der bewusstlosen Person wird ein Handballen auf die Mitte des Brustkorbs gesetzt und die zweite Hand auf den Handrücken der ersten platziert. Mit gestreckten Armen drückt man das Brustbein tief (5 bis 6 cm) und schnell (100- bis 120-mal pro Minute) in Richtung Wirbelsäule. Man kann das zum Beispiel im Takt des Hits „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees tun. Die Herzdruckmassage führt man ohne Unterbrechung solange durch, bis der Rettungsdienst eintrifft und die notfallmedizinische Versorgung übernimmt. Sind zwei Helfer am Ort und befindet sich in der Nähe ein Defibrillator, kann einer der beiden diesen holen, während der andere die Herzdruckmassage ohne Unterbrechung fortsetzt.

Quellen: Deutsche Herzstiftung e.V.; BZgA;

Cornelia Neth
PTA, Chefredakteurin PTAheute.de, Leitung der Online-Redaktion
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Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
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