Zulassungsempfehlung für ersten rekombinanten Influenzaimpfstoff

Mit Supemtek von Sanofi Pasteur kommt ein weiterer zellkulturbasierter Grippeimpfstoff auf den Markt. Das CHMP empfahl Supemtek im September zur Zulassung.
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Die Grippeimpfstoffe bekommen Konkurrenz: Supemtek ist der erste Grippeimpfstoff in Europa, der zwar auf ein altbekanntes Antigen setzt, jedoch mittels Baculoviren und einer Insektenzelllinie rekombinant hergestellt wird. Erteilt die EU-Kommission die Zulassung, wird Supemtek der erste rekombinant hergestellte Grippeimpfstoff Europas sein.

Derzeit werden Grippeimpfstoffe vorwiegend in Hühnereiern produziert. Der einzige Hersteller, der bei seiner Influenzavakzine aktuell auf Säugetierzellkulturen setzt, ist Seqirus mit Flucelvax® Tetra. Zellkulturbasierte Impfstoffe können schneller produziert werden – ein Vorteil bei einer Grippepandemie – und sollen durch eine höhere Passgenauigkeit auch besser vor Grippeerkrankungen schützen. Gemeinsam ist all diesen Impfstoffen: Die von der WHO empfohlenen Saatviren werden als Ganzvirus in den jeweiligen Wirt eingebracht – entweder das Hühnerei oder die Säugetierzellkultur.

Völlig neuer Ansatz bei Grippeimpfstoffherstellung

Nun wird es daneben noch einen Grippeimpfstoff mit einer weiteren Herstellmethode geben: Am 17. September 2020 empfahl der Humanarzneimittelausschuss (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA, eine neue Grippevakzine aus dem Hause Sanofi Pasteur zuzulassen.

Supemtek schützt vor vier Influenzavirus-Subtypen: Influenza A(H1N1), Influenza A(H3N2) und zwei Influenza-B-Stämme. Der Impfstoff enthält – anders als bislang verfügbare Grippeimpfstoffe – jedoch als Antigen keine Spaltpartikel der Grippeviren, sondern ein definiertes Antigen: Hämagglutinin. Hämagglutinin (H) ist neben Neuraminidase (N) ein wichtiges Protein auf der Oberfläche der Grippeviren. Man macht sie sich zunutze, um Grippeviren zu klassifizieren [zum Beispiel A(H1N1) oder (H3N2)]. Nach durchgemachter Grippeinfektion entstehen Antikörper gegen Hämagglutinin und Neuraminidase, weswegen sie impftechnisch interessant sind. Hierbei scheint Hämagglutinin das vorrangige Ziel von neutralisierenden Antikörpern zu sein. Allerdings verändert sich Hämagglutinin rasch, auch im Laufe der jährlichen Grippesaison, was die saisonale Anpassung der Grippeimpfstoffe erfordert und die Herstellung sehr gut schützender Vakzinen erschwert.

Erteilt die Europäische Kommission die Zulassung von Supemtek, wird dies, Sanofi Pasteur zufolge, der erste in Europa verfügbare Grippeimpfstoff mit rekombinantem Hämagglutinin sein. In den USA vertreibt Sanofi bereits seit 2017 Flublok Quadrivalent. Zugelassen ist er dort zur Influenzaprävention ab 18 Jahren. Zuvor gab es eine Dreifach-Grippeimpfung (seit 2013). Auch in den USA ist Flublok Quadrivalent die einzige verfügbare rekombinante Grippevakzine.

Mithilfe von Insektenzelllinien

Hergestellt wird Supemtek mit Hilfe von Baculoviren und einer kontinuierlichen Insektenzelllinie. Baculoviren infizieren ausschließlich Wirbellose, wie beispielsweise Insekten. Zunächst wird hierzu – vereinfacht dargestellt – die genetische Information des Hämagglutinins in das Baculovirus eingebracht. Das Virus infiziert sodann Insektenzellen, die das Hämagglutinin in großen Mengen herstellen, was für die Impfstoffproduktion vonnöten ist. Das Baculovirus dient sozusagen als Fähre, um die Erbinformation von Hämagglutinin in die Insekten zu schleusen. „Dies ist ein völlig neuer Ansatz zur Herstellung von Influenza-Impfstoffen“, erklärt Sanofi Pasteur auf Nachfrage der Redaktion.

Mindestens vergleichbar mit eibasierten Grippeimpfstoffen

Untersucht wurde Supemtek nicht gegen Placebo, sondern gegen eibasierte Grippeimpfstoffe. Laut der EMA konnte Supemtek eine mindestens vergleichbare Immunreaktion gegen Influenzaviren hervorrufen wie ein Grippeimpfstoff, der in Hühnereiern hergestellt worden war.

Zu den häufigsten in den Zulassungsstudien beobachteten Nebenwirkungen bei Supemtek wurden Reaktionen an der Injektionsstelle mit Empfindlichkeit und Schmerz, Kopfschmerzen und Müdigkeit genannt. Bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 49 Jahren ist es dem CHMP zufolge auch zu Myalgien (Muskelschmerzen) und Arthralgien (Gelenkschmerzen) gekommen.

Marktzugang unbekannt

Wann es Supemtek impffertig auf dem Markt geben wird, ist derzeit nicht bekannt. Sanofi möchte sich hierzu nicht äußern. Wie alle Grippeimpfstoffe (abgesehen vom Nasenspray Fluenz® Tetra) wird Supemtek als injizierbare Fertigspritze auf den Markt kommen.