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Legionellen-Infektion: Symptome und Auslöser

In einem Ulmer Fußpflegesalon haben sich insgesamt 21 Menschen zwischen Dezember 2024 und Januar 2025 mit Legionellen infiziert. Zwei von ihnen sind später an der Infektion verstorben.
Nach monatelangen Ermittlungen wurde diese nun aufgrund mangelnder Testnachweise eingestellt. Als mögliche Quelle galt eine Fußwanne an einem Behandlungsstuhl. Im Zuge der Untersuchungen ergaben sich keine Hinweise auf Verstöße gegen Hygienevorschriften oder Sorgfaltspflichten durch die Betreiberin.
Auch in Thüringen haben sich im vergangenen Jahr mindestens 44 Menschen mit Legionellen infiziert. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind vier Menschen in direkter Folge der Infektion gestorben.
Im laufenden Jahr hat es bereits einen ersten Todesfall in Thüringer im unmittelbaren Zusammenhang mit einer durch Bakterien der Gattung Legionella ausgelösten Erkrankung gegeben. Stand Mitte April sind insgesamt 16 Fälle der meldepflichtigen durch die Erreger verursachten Legionellose in Thüringen für dieses Jahr bekannt.
Was sind Legionellen?
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien. Zur Gesundheitsgefahr werden sie, wenn erregerhaltige Aerosole eingeatmet werden. Das kann zum Beispiel beim Aufdrehen des Wasserhahns oder beim Duschen der Fall sein.
Gelangen die Legionellen in die Lunge, können sie eine schwere Lungenentzündung (Pneumonie) auslösen. Im Schnitt verläuft jede zehnte Legionellen-Pneumonie tödlich.
Gefährdet sind insbesondere
- Ältere,
- immungeschwächte oder vorerkrankte Menschen sowie
- Raucher.
Männer erkranken in der Regel ungefähr doppelt so häufig wie Frauen, Kinder hingegen nur selten.
Gut zu wissen: Legionella pneumophila löst häufig Erkrankung aus
Es gibt viele verschiedene Legionellen-Arten, die krankmachend sind. Im europäischen Raum ist jedoch für etwa 90 Prozent der Erkrankungen der Erreger der Spezies Legionella pneumophila verantwortlich.
Weitere bekannte Legionellen-Arten, die gelegentlich zu Erkrankungen beim Menschen führen, sind unter anderem Legionella anisa, Legionella bozemanii, Legionella longbeachae und Legionella micdadei.
Symptome und Diagnose einer Legionellen-Infektion
Symptome einer Legionellose machen sich nach einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen bemerkbar. Es kommt zu Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, Reizhusten sowie hohem Fieber mit Schüttelfrost.
Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt Personen mit besagten Symptomen sich auf Legionellen testen zu lassen. Laut Leitlinie findet dieser Test normalerweise nur bei „wegen einer mittelschweren und schweren Pneumonie hospitalisierten Patienten“ statt.
Bei einem Verdacht auf eine Legionellen-Erkrankung liefert ein Urintest einen ersten Hinweis auf den Erreger. Weitere diagnostische Untersuchungen müssen dann folgen, um eine wirksame Antibiotikabehandlung zu ermöglichen.
Seit 2001 sind nachgewiesene Legionellen-Infektionen in Deutschland meldepflichtig.
Legionellen-Infektionen vorbeugen: Ersten Wasserdampf meiden
Wurden Dusche oder Wasserhahn längere Zeit nicht betätigt, sollte man zunächst vorsichtig sein. Am besten lässt man erst mal mindestens zehn Sekunden lang das Wasser laufen und verlässt dabei den Raum. Wenn möglich sollte währenddessen das Fenster geöffnet sein. So wird vermieden, eventuell im ersten Wasserdampf vorhandene Legionellen einzuatmen.
Diese Regel empfiehlt sich im Übrigen sowohl auf Reisen (in Hotelzimmern und Pensionen) als auch – nach längerer Abwesenheit – für die eigenen vier Wände. Wurde die Dusche mehrere Tage nicht benutzt, sollte diese vor der ersten Nutzung erst einmal laufen gelassen werden.
Um zu Hause ein Bakterienwachstum in den Wasserleitungen zu vermeiden, sollte kaltes Wasser mit einer Wassertemperatur von unter 25 Grad Celsius aus der Leitung fließen. Der Warmwasserspeicher (Boiler) sollte das Wasser auf einer Temperatur von mindestens 60 °C halten. Hierbei werden die Legionellen abgetötet.
Gut zu wissen: Energiesparmodus ungeeignet
Da Legionellen erst ab Temperaturen von 60 °C abgetötet werden, ist der Energiesparmodus bei Boilern, der das Wasser im Wasserspeicher nur auf 50 °C erhitzt, in dieser Hinsicht kontraproduktiv.
Zudem empfiehlt es sich, Wasserhahndüsen und Duschköpfe regelmäßig zu reinigen, da Kalk im Wasser eine Nahrungsquelle für Bakterien darstellt. Auch etwaige Sedimente in den Warmwasserbehältern und Biofilme im Rohrleitungssystem liefern den Legionellen gute Wachstumsbedingungen. Besonders ältere und schlecht gewartete Wasserleitungssysteme sind daher anfällig für Legionellen-Kontaminationen.
Laut dem RKI sollten zudem raumlufttechnische Anlagen, Whirlpools, zahnärztliche (Dental-)Einheiten und Verdunstungskühlanlagen, Nassabscheider sowie Kühltürme regelmäßig auf Legionellen kontrolliert werden.
Vermehrt Legionellen-Infektionen im Sommer
Die Zahl der bekannten Infektionen in Deutschland steigt laut RKI etwa in den Sommermonaten an. Gründe dafür können etwa höhere Wassertemperaturen und höhere Lufttemperaturen in Verbindung mit einem feuchten Klima sein. Solche Bedingungen begünstigen das Wachstum von Legionellen in der Umwelt. Quellen:
- Robert Koch-Institut (RKI)
- Allianz Gesundheitswelt
- https://www.aerzteblatt.de/news/legionellen-44-infektionen-und-vier-todesfalle-in-thuringen-be714dd5-b982-45b1-974d-36dce3ea25fd?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_Tagesaktuelle-Nachrichten&utm_content=Mailing_20260504
Gut zu wissen: Wundinfektion durch Legionellen?
Dass Legionellen auch Wundinfektionen verursachen können, ist weniger geläufig. Dennoch berichtet Drifa Frostadottir von der Handchirurgie der Lund Universität in Malmö über einen recht eindrucksvollen Fall der kutanen Legionellen-Infektion:
Eine 61-jährige Frau stellte sich mit hohem Fieber und einem geschwollenen rechten Zeigefinger in der Notaufnahme vor. Die Frau berichtete, dass sie zwei Tage zuvor Rosen geschnitten und sich dabei an einem Dorn verletzt habe – und zwar durch den Gartenhandschuh hindurch.
Weil es sich um eine massive, relativ offensichtliche Infektion handelte, wurde sofort operiert. Dabei zeigte sich, dass sich die Sehnenscheide des Zeigefingers praktisch komplett aufgelöst hatte. Nur eine Art braunes Gelee sei übrig gewesen. Nach der OP fiel das Fieber, aber die Wunde sonderte weiterhin große Mengen gelben Sekrets ab. Am dritten Tag nach der OP kam aus dem Labor dann die Nachricht, dass Legionella longbeachae identifiziert worden sei.
Daraufhin erhielt die Patientin Levofloxazin 500 mg zweimal am Tag, eines der bei Legionellen-Infektionen empfohlenen Antibiotika.
Der Zustand der Patientin besserte sich rasch und sie konnte nach elf Tagen wieder entlassen werden. Den Zeigefinger kann sie nach Physiotherapie heute wieder ohne jede Beeinträchtigung benutzen.
Insgesamt seien Wundinfektionen durch Legionellen jedoch selten. Quelle: Ärztezeitung / vs