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Dengue-Fieber: Reise­rückkehrer häufig infiziert

Tigermücke sitzt auf der Haut eines Menschen
Aedes albopictus – die Asiatische Tigermücke – ist Überträger des Dengue-Fiebers. | Bild: frank29052515 / AdobeStock

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet im Epidemiologischen Bulletin 17/2026, welches am 23. April 2026 veröffentlicht wurde, einen Anstieg von importierten Dengue-Fieber-Fällen. 

In Deutschland wurden demnach im Jahr 2026 bislang (Datenstand 21.4.2026) 35 Fälle von Dengue-Fieber im Zusammenhang mit Reisen auf die Malediven übermittelt. 

Im selben Zeitraum des Vorjahres 2025 wurden 9 Fälle, und in den 4 Vorjahren (2022–2024) zwischen 5 und 13 Fälle übermittelt. Auch andere EU-Länder berichten von einem Anstieg.

Das RKI weist darauf hin, dass auch die kommenden Monate eine beliebte Reisezeit für Urlauber auf die Malediven sind. Daher sollten Reiserückkehrende verstärkt auf einschlägige Symptome achten, die auf eine Ansteckung hindeuten können.

Klimawandel verschärft Ausbreitung des Denguefiebers

Die Zunahme an Infektionen überrascht Experten im Allgemeinen wenig. Sie gehen davon aus, dass bei vielen Infektionskrankheiten – so auch bei Dengue-Fieber – im Zuge des Klimawandels mit einem Anstieg der Fallzahlen und einer Ausbreitung der Erreger zu rechnen ist. 

Schon jetzt seien rund 19 Prozent der Fälle in stark betroffenen Ländern auf die Auswirkungen des Klimawandels zurückzuführen, berichtet ein Forscherteam.

Bis 2050 könnte sich der Anteil der klimabedingten Dengue-Fälle bei einem stetig steigenden Ausstoß der Treibhausgase laut Studie auf rund 60 Prozent erhöhen, bei einem besseren Klimaschutz-Szenario auf rund 40 Prozent. 

Beratung zu Dengue-Fieber in der Apotheke

Kommen Kunden in die Apotheke, um ihre Reiseapotheke aufzustocken, sollten PTA daher diese Gelegenheit nutzen, um ihre Kunden auch auf das Risiko einer Infektion mit dem Dengue-Fieber hinzuweisen. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt bereits seit Längerem vor einer Verbreitung bestimmter Stechmücken in Europa und damit einem Anstieg der Dengue-Fälle. 

Autochthone Fälle von Dengue-Fieber in Italien

Die Gefahr wachse durch den Klimawandel und die damit verbundenen steigenden Temperaturen, heißt es auch von der WHO. Im Jahr 2023 habe Italien 82 lokal übertragene Infektionen gemeldet, Frankreich 43 und Spanien 3. Im vergangenen Jahr meldete Italien bis August 4 autochthone Infektionen.

Entsprechend weist das Auswärtige Amt in Berlin mittlerweile in seinen Reisehinweisen zu Italien auf die Ansteckungsmöglichkeit mit dem Dengue-Fieber hin. 

Zur Erinnerung: Was bedeutet autochthon?

Autochthon bedeutet, dass die Virusinfektionen lokal erworben wurden und die Betroffenen sich nicht, wie für diese Erkrankung eigentlich typisch, auf Reisen in anderen Ländern angesteckt haben.

Dengue-Fieber: Eigentlich eine tropische Infektionskrankheit

Die Fälle in Italien waren bemerkenswert, denn bislang kannte man das Dengue-Fieber vor allem als Reisekrankheit: Wer in den Tropen oder Subtropen Urlaub gemacht hat und anschließend grippeartige Symptome mit Hautausschlag entwickelte, konnte am Dengue-Fieber erkrankt sein. 

Dengue ist laut des Tropeninstituts vor allem in Südostasien, Teilen von Asien, Süd- und Mittelamerika, Teilen des Pazifiks wie Neukaledonien und Hawaii, Afrika und Australien weit verbreitet. 

Tagaktive Stechmücken übertragen Dengue-Virus

Das Dengue-Fieber ist die häufigste von Insekten übertragene Virusinfektion. Überträger sind tagaktive Stechmücken, meist die Ägyptische Tigermücke (= Gelbfiebermücke, Aedes aegypti) oder die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). 

Ihre Larven entwickeln sich in stagnierenden Wasserstellen, zum Beispiel in Pfützen, leeren Dosen oder in Astgabeln. In gechlortem Schwimmbadwasser können sie dagegen nicht überleben. 

Es wird geschätzt, dass sich jedes Jahr weltweit circa 400 Millionen Menschen mit dem Virus infizieren. Ungefähr ein Viertel von ihnen erkrankt mit klinischen Symptomen.

Die Asiatische Tigermücke kommt seit einiger Zeit und zunehmend auch in Deutschland sowie anderen Ländern Europas vor. Autochthone Fälle von Dengue-Fieber wie in Italien befürchten Experten für Deutschland jedoch noch nicht. Die hiesigen klimatischen Bedingungen sind nach RKI-Angaben „für Übertragungen noch wenig geeignet“.

So lässt sich Mückenstichen vorbeugen

Die wichtigste Schutzmaßnahme für Reisende ist die Anwendung von Repellentien – nicht nur auf der Haut, sondern auch als Imprägnierung auf der Kleidung. Zusätzlich können folgende Tipps hilfreich sein:

  • Moskitonetze über Bett und Kinderwagen anbringen.
  • Insektenschutzgitter an Fenstern und Türen montieren.
  • Haut durch lange, helle und engmaschige Kleidung bedecken. 
    Übrigens: Bei tropischen Mücken scheint hell-dunkel gestreifte Kleidung besonders effektiv zu sein.
  • Vor Einbruch der Dämmerung duschen, um Schweiß zu entfernen.
  • Stehende Gewässer abends meiden.
  • Regentonnen und volle Gießkannen entleeren bzw. abdecken, um Ei-Ablage im Wasser zu verhindern.
  • Ventilatoren und Klimaanlagen sorgen für kühlere Temperaturen und Luftzirkulation. Beides kann dazu beitragen, Mücken fernzuhalten.
  • Repellentien (Anti-Mücken-Sprays) mit Icaridin (z. B. Anti Brumm® Kids Sensitive, Autan® Defens Long Protection, Care Plus® Anti-Insect Icaridin, NOBITE® Sensitive) oder DEET (Diethyltoluamid, z. B. Anti Brumm® Forte, Care Plus® DEET, NOBITE® Hautspray, Autan Defense® Extreme Protection) werden. Sie überdecken den natürlichen Körpergeruch.
  • Möglicherweise hält auch der Duft mancher Pflanzen Mücken fern. Dazu sollen z. B. Tomaten, Eukalyptus, Katzenminze, Geranien, Lavendel, Zitronenmelisse, Basilikum, Rosmarin und Thymian zählen. 
    Fertige Produkte mit pflanzlichen Inhaltsstoffen sind z. B. Anti Brumm® Naturel, Autan Defense® Plant-Based, Care Plus®Bio Anti-Insekt oder NOBITE® Haut Botanic.

Dengue-Fieber: Von symptomlos bis lebensgefährlich 

Beim klassischen Dengue-Fieber treten nach einer Inkubationszeit von drei bis zehn Tagen starke, grippeartige Symptome mit hohem Fieber auf. Oft zeigt sich zusätzlich ein Hautausschlag. Außerdem können starke Kopfschmerzen sowie Schmerzen hinter den Augen und Erbrechen auftreten. 

Die akute Phase klingt nach fünf bis sieben Tagen langsam ab. Schwäche und Müdigkeit halten aber häufig noch wochenlang an. 

In seltenen Fällen entwickelt sich eine schwere Verlaufsform – das Hämorrhagische Dengue-Fieber – mit inneren Blutungen und im Extremfall mit Schock. Ohne intensivmedizinische Versorgung endet diese Erkrankungsform oft tödlich. 

Impfung gegen das Dengue-Fieber

Eine durchgemachte Dengue-Infektion hinterlässt lebenslange Immunität – allerdings nur für den jeweiligen Virus-Subtyp. Es gibt vier verschiedene Serotypen des Virus, sodass man bis zu viermal am Dengue-Fieber erkranken kann. 

Mit Dengvaxia® steht ein Lebendimpfstoff gegen alle vier Serotypen des Dengue-Virus zur Verfügung. Seit Oktober 2018 ist der Impfstoff von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) auch für den europäischen Markt zugelassen. Allerdings ist die Zulassung beschränkt auf Personen im Alter von 9 bis 45 Jahren, die in einem Endemiegebiet leben und zuvor bereits eine Dengue-Infektion durchgemacht haben. Zudem wäre das Impfschema (0–6–12 Monate) wenig geeignet für Urlauber. 

Im Dezember 2022 hat die EMA einen weiteren Impfstoff zur Dengue-Prävention zugelassen: den tetravalenten Lebendimpfstoff Qdenga® der Firma Takeda. Geeignet ist die Vakzine für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab vier Jahren. Seit Mitte Februar 2023 ist der Impfstoff auch auf dem deutschen Markt verfügbar.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Vakzine für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab vier Jahren, die in der Vergangenheit bereits eine Dengue-Infektion durchgemacht haben. Der Impfstoff sei dann geeignet

  • als Reiseimpfung vor Reisen in Dengue-Endemiegebiete mit erhöhtem Ansteckungsrisiko (z. B. bei längerem Aufenthalt oder aktuellem Ausbruchsgeschehen) oder
  • bei gezielten Tätigkeiten mit Dengue-Viren (z. B. in Forschungseinrichtungen oder Laboratorien) außerhalb von Endemiegebieten. Quelle: RKI / vs, Tropeninstitut / mia
    Robert Koch-Institut; Auswärtiges Amt; WHO; Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2018)
     

Dengue-Fieber in Kürze 

  • virale Infektionskrankheit der Tropen und Subtropen, übertragen durch tagaktive Stechmücken wie Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti) und Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus)
  • Urlauber in klassischen Fernreiseländern betroffen, vor allem Thailand
  • Infektion häufig symptomlos; bei Erkrankung grippeartige Symptome, meist mit Ausschlag verbunden, in seltenen Fällen lebensbedrohliche hämorrhagische Verlaufsform.
  • Dengvaxia®-Impfstoff nicht für Reisende zugelassen. Lebendimpfstoff Qdenga® seit Mitte Februar 2023 auf dem deutschen Markt verfügbar.
  • Schutz durch Expositionsprophylaxe (Repellents, Imprägnierung von Kleidung etc.)
  • Tigermücken seit einigen Jahren auch in Deutschland anzutreffen; Gefahr der Krankheitsübertragung gilt noch als gering.