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Hantavirus: Wie kann der Mensch sich anstecken?

eine Rötelmaus
Die Rötelmaus kann hierzulande mit dem Hantavirus infiziert sein. | Bild: Bernd Wolter / AdobeStock

Auf einem Kreuzfahrtschiff sind drei Menschen an dem Hantavirus gestorben, nach Angaben des Schiffsbetreibers ein niederländisches Ehepaar und eine Deutsche. Bei weiteren Passagieren wurde ebenfalls das Hantavirus nachgewiesen, hinzu kommen Verdachtsfälle. 

In der Uniklinik Düsseldorf wird derzeit eine Passagierin der „Hondius“ untersucht, die neben zwei kranken Crew-Mitgliedern ausgeflogen wurde. Nach Angaben eines Kliniksprechers gibt es keine Hinweise auf eine Infektion bei ihr, aufgrund der sehr unterschiedlichen Inkubationszeit seien jedoch zusätzliche Untersuchungen erforderlich. Deshalb würden die Schutzmaßnahmen vorsorglich aufrechterhalten, so der Sprecher.

Die WHO vermutet, dass sich die Erkrankten und die verstorbene Deutsche beim niederländischen Ehepaar angesteckt haben. Diese haben sich womöglich noch an Land in Argentinien infiziert. Doch wie steckt man sich mit dem Hantavirus an? Grundsätzlich kann dies auch in Deutschland passieren.

Hantavirus – Übertragung via Staub und Erde möglich

Hantaviren werden durch über Nagetiere (z B. die hier heimische Rötelmaus) übertragen, die selbst in der Regel nicht an dem Virus erkranken. Die Viren werden mit dem Kot oder Urin ausgeschieden und sind selbst in getrocknetem Zustand mehrere Tage lang infektiös. 

So können sich Menschen durch einen Nagetierbiss, aber auch durch das Einatmen von kontaminiertem Staub infizieren. So besteht beispielsweise beim Frühjahrsputz im Keller oder Dachboden Infektionsgefahr. Auch bei der Gartenarbeit können die Viren aus befallener Erde über verletzte Haut in den Körper gelangen. 

Gut zu wissen: Woher kommt der Name „Hantavirus“?

Hantaviren kommen weltweit vor und verursachen je nach Subtyp ein unterschiedlich schweres Krankheitsbild. Die Bezeichnung „Hanta“ rührt laut Robert Koch-Institut vom koreanischen Fluss Hantan-gang. 

In Korea erkrankten in den 1950er-Jahren während des Koreakriegs Tausende US-Soldaten an einer schweren Hantavirus-Infektion. 1977 wurde das Virus erstmals isoliert. 

Hantavirus: Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten

Laut Robert Koch-Institut findet eine Übertragung des Hantavirus von Mensch zu Mensch bei den in Europa und Asien vorkommenden Virustypen nicht statt. Es gibt jedoch Hinweise, dass bei einem bestimmten Virusstamm, dem hochvirulenten, in Südamerika vorkommenden Virusstamm ANDV (Andes-Typ), eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich ist.

Nach WHO-Einschätzung handelt es sich bei dem auf dem Kreuzfahrtschiff festgestellten Infektionen um den Andes-Typ der Virengruppe.

Symptome einer Hantavirus-Infektion

Bei den hierzulande vorkommenden Virustypen verläuft eine Infektion meist grippeähnlich. Erste Symptome können nach wenigen Tagen auftreten. Die Inkubationszeit beträgt aber in der Regel zwei bis vier Wochen.

Zu den Symptomen zählen: 

  • plötzlich einsetzendes hohes Fieber,
  • Kopf- und Gliederschmerzen.
  • Zusätzlich können sich Rachenrötung, Husten und Sehstörungen einstellen.

Nach einigen Tagen kommt es zu ausgeprägten Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen sowie begleitenden Kreislaufstörungen (Blutdruckabfall). Im weiteren Verlauf kann es zu Nierenfunktionsstörungen kommen. 

Die Rekonvaleszenz zieht sich über mehrere Wochen. Todesfälle sind in Deutschland selten. Bisher gibt es weder einen Impfschutz noch eine spezifische Therapiemöglichkeit. Fieber oder grippeartige Schmerzen könnten mit Medikamenten behandelt werden. 

Bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte der Hausarzt konsultiert werden.

Infektionen mit dem Virusstamm ANDV können mit Komplikationen wie Lungenödemen und akutem Lungenversagen einhergehen.

Gebiete mit erhöhtem Risiko für eine Hantavirus-Infektion

Im Süden und Westen Deutschlands ist das Risiko einer Hantavirus-Infektion höher als in den übrigen Landesteilen. Zu den Risikogebieten zählen laut Friedrich Loeffler-Institut:

  • Schwäbische Alb
  • Fränkische Alb
  • Unterfranken
  • Odenwald
  • Oberschwaben
  • Bayerischer Wald
  • Osthessen
  • West-Thüringen
  • Raum Osnabrück

Neben diesen eher ländlichen Gebieten gibt es auch einzelne Städte, in denen in der Vergangenheit häufiger Infektionen aufgetreten sind. Die Häufigkeit der Infektionen variiert jedoch von Jahr zu Jahr. Das ist vermutlich abhängig davon, wie viele Nagetiere infiziert sind.

So kann man sich vor dem Hantavirus schützen

In der Allgemeinbevölkerung treten die meisten Hantavirus-Infektionen durch Einatmen von kontaminiertem Staub auf, vor allem beim Saubermachen oder Aufräumen. 

Die größte Infektionsgefahr besteht an Orten, wo Mäuse oder deren Ausscheidungen vorkommen können, beispielsweise in Schuppen, Kellern oder auf Dachböden. Am besten sollte hier nass ausgeputzt und dabei eine Atemschutzmaske und Handschuhe getragen werden.

Außerdem sind folgende Punkte ratsam:

  • Nach Aufenthalt im Freien oder in Kellern, Schuppen oder auf Dachböden sorgfältig Hände waschen.
  • Räume vor dem Saubermachen lüften.
  • Wenn Mäusekadaver oder -kot zu beseitigen sind, am besten Feinstaubmaske und Einmalhandschuhe tragen. Kadaver oder Kot vorher mit Desinfektionsmittel benetzen und in gut verschlossener Plastiktüte im Hausmüll entsorgen.
  • Essensreste nicht auf den Hauskompost geben, um keine Nagetiere anzulocken.
  • Lebensmittel sicher aufbewahren, um keine Mäuse ins Wohnumfeld zu locken.
  • Tierfutter und Wasser nicht über Nacht offenstehen lassen.
  • Eintrittsstellen im Haus abdichten und Unterschlupf- oder Nistmöglichkeiten fpr Nagetiere beseitigen.

Quellen:
- Robert Koch-Institut
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
- Goethe-Universität Frankfurt am Main
- dpa / mg
- Friedrich Loeffler-Institut
- Tagesschau