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Wie die App „Jumpball“ Betroffene motiviert: Digitale Ballspiele zur Prophylaxe der Venenthrombose

Screenshot: www.mdr.de/einfach-genial/video-194280_zc-ea06cead_zs-0170df17.html

Unter der tiefen Beinvenenthrombose (TVT) versteht man den Verschluss von Beinvenen durch ein Blutgerinnsel, den sogenannten Thrombus. In Folge der Verengung, kommt es zu einer verminderten Durchblutung betroffener Gefäße sowie angrenzender Körperareale (venöse Insuffizienz). Darüber hinaus können Thrombus Fragmente über das Blut in die Lunge gespült werden und dort durch Verschluss kleiner Gefäße zu einer Lungenembolie führen.

Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit als Hauptursache

Die Entstehung von venösen Thromben basiert auf einer Kombination aus verlangsamter Fließgeschwindigkeit des Blutes, Veränderungen der Gefäßwand und Blutgerinnungsstörungen. Daher stellen operative Eingriffe und Verletzungen mit gleichzeitiger Immobilisierung des Patienten besondere Risikofaktoren dar. Auch Bettlägerige und Wöchnerinnen zählen zur Risikogruppe.

Säulen der Thromboseprophylaxe

In Abhängigkeit der Risikofaktoren, werden neben den Basismaßnahmen auch Kompressionsstrümpfe oder eine medikamentöse Prophylaxe mit z. B. Heparin verordnet. Zu den Basismaßnahmen zählen – neben einer ausreichenden Wasserzufuhr – auch Bewegungsübungen, die jedoch konsequent durchgeführt werden müssen. Um diese Übungen für die Patienten ansprechender zu gestalten, entwickelte Daniel Steffen, Informatiker an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK), ein motivierendes Computerspiel.

„Jumpball“ motiviert durch das Sammeln von Punkten zum Fußwippen

Das Spielkonzept ist simpel: Mit einem springenden Ball sollen Punkte in Form von Münzen, Diamanten und Sternen von Baumstämmen gesammelt und Minuspunkte, durch überspringen von Monstern, gemieden werden. Der Ball wird dabei über einfache Fußbewegungen nach dem Prinzip der Muskel-Venen-Pumpe gesteuert.

Dazu werden im Vorfeld an beiden Füßen der Anwender Kippsensoren angebracht und mit einem Smartphone oder Tablett verbunden. Durch Strecken und Anziehen der linken Fußspitze, springt der Ball zum nächsten Baumstamm. Wird dieselbe Bewegung mit dem rechten Fuß ausgeführt, wird der Ball zwei Baumstämme weiter transportiert. So wird das bewährte Fußwippen ganz nebenbei durchgeführt und infolgedessen die Durchblutung der Beine verbessert.

Erhöhte Motivation in Studie nachgewiesen

In einem ersten Testlauf an 40 jungen Probanden beobachteten die Entwickler, dass die Testgruppe die Übungen ausdauernder durchführte als die Kontrollgruppe. Um zu untersuchen, ob dieser Effekt auch auf die eigentliche Zielgruppe übertragbar ist, führten sie daraufhin eine Studie mit über fünfzigjährigen Probanden durch. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass keiner der Teilnehmer Schwierigkeiten bei der Bedienung des Spiels hatte und die Ausdauer auch in dieser Testgruppe gesteigert werden konnte. Das Team erhofft sich nun das Konzept auf weitere Bewegungsübungen im Reha-Bereich ausweiten zu können und so die Therapietreue vieler Patienten zu verbessern. Quelle: Deutsches Ärzteblatt;MDR/sn