Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

5 min merken gemerkt Artikel drucken

Vibrionen in der Ostsee: Infektionsrisiko beim Baden

Strandabschnitt an der Ostsee, Menschen mit Handtüchern und Schirmen liegen am Strand
Vibrionen vermehren sich unter anderem in der Ostsee und können lebensgefährliche Symptome auslösen. | Bild: IMAGO / Christian Ohde

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden in diesem Jahr bislang 17 in Deutschland erworbene Vibrioneninfektionen registriert. Zwei der Betroffenen seien verstorben. 

Bei den Todesfällen habe es sich jeweils um hochaltrige Menschen gehandelt. Unter den 17 Betroffenen seien zehn Männer und sieben Frauen im Alter zwischen drei und 95 Jahren, das Medianalter betrage 70 Jahre. Angaben zu Vorerkrankungen und offenen Wunden lägen dem RKI nur lückenhaft vor und würden nicht ausgewertet.

RKI: Saison für Vibrioneninfektionen in diesem Jahr früh gestartet

Bedingt durch den Klimawandel kommen Vibrionen in deutschen Meeren – insbesondere in der Nord- und Ostsee – häufiger vor. Steigen die Temperaturen von salzhaltigem Meer- und Brackwasser in den Sommermonaten auf 20 Grad und mehr, herrschen ideale Bedingungen für die Ausbreitung der stäbchenförmigen Bakterien.

In diesem Jahr sei eine vergleichsweise frühe Saison hierzulande erworbener Vibrioneninfektionen zu beobachten, teilte das RKI mit. Grund dafür sei unter anderem eine bereits im Juni aufgetretene Hitzewelle mit extremen Temperaturen, die viele Gewässer frühzeitig erwärmt habe.

Bis zum 12. Juli dieses Jahres habe das RKI nach eigenen Angaben bereits 14 Fälle gezählt. Im gleichen Zeitraum der drei Vorjahre seien es deutlich weniger gewesen (2023: 1 Fall, 2024: 9 Fälle und 2025: 4 Fälle). Todesfälle habe es in den drei Vorjahren insgesamt jeweils ein bis zwei gegeben.

Die bekanntesten Vertreter dieser Bakteriengattung sind Vibrio cholerae (Cholera-Bakterien). Es gibt aber auch weitere Nicht-Cholera-Vibrionen, wie z. B. Vibrio parahaemolyticus oder Vibrio vulnificus. Vorwiegend die Nicht-Cholera-Vibrionen sind in den letzten Jahren im Sommer an manchen Stränden und auch in deutschen Küstengewässern vermehrt nachgewiesen worden.

Für Badende können die Vibrionen gefährlich werden, wenn sie durch Hautverletzungen in den Körper gelangen und teilweise schwere Infektionen auslösen, die sogar tödlich enden können.

Wie erkennt man eine Infektion mit Vibrionen?

Infektionen mit Vibrionen sind zwar gefährlich, aber sehr selten. Die Bakterien gelangen über Verletzungen der Haut in den Organismus – ein blutig gekratzter Mückenstich kann dafür schon ausreichen. 

Geht man also mit einer Wunde baden, können die Bakterien eine Eintrittspforte finden und zu teilweise schwerwiegenden Wundinfektionen führen, die sich schnell ausbreiten und starke Hautschäden verursachen können.

In gravierenden Fällen kann es auch zu einer Blutvergiftung kommen. Infolgedessen kann in Ausnahmefällen eine Amputation von Gliedmaßen notwendig sein.

 Mögliche Symptome einer Vibrionen-Infektion sind zudem 

  • starker lokaler Schmerz,
  • Fieber und
  • Schüttelfrost.

Besonders schwere Infektionen können unbehandelt zum Tod führen. Durch eine rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika lassen sich die Infektionen in der Regel gut eindämmen.

Ansteckung auch über rohe Meeresfrüchte möglich

Ein weiterer möglicher Ansteckungsweg ist der Verzehr von rohen oder nicht durchgegarten Meerestieren (z. B. Krebstiere, Austern, Fisch) sowie rohem Fleisch. Auch sie können mit Vibrionen kontaminiert sein und zu einer Magen-Darm-Erkrankung führen. 

In diesem Fall äußert sich die Vibrionen-Infektion vergleichbar mit einer Lebensmittelvergiftung mit Magen-Darm-Beschwerden wie 

  • krampfartige Bauchschmerzen,
  • Erbrechen und
  • wässriger Durchfall.

Vibrionen-Infektion: Wer ist besonders gefährdet?

Zwar können sich Menschen aller Altersgruppen mit Vibrionen infizieren, jedoch besteht eine erhöhte Erkrankungsgefahr vor allem für Menschen mit bestimmten Risiken wie

  • chronischen Grundleiden (z. B. Diabetes, Leber- und Krebserkrankungen) oder
  • bestehender Immunschwäche sowie
  • für ältere Menschen.

Für gesunde und junge Personen besteht ein geringes Risiko und eine Infektion verläuft in der Regel mild.

Gut zu wissen: Vibrionen-Infektionen sind meldepflichtig

Seit rund 30 Jahren ist bekannt, dass sich Vibrionen in der Ostsee verbreiten. Infektionen mit Vibrionen sind seit März 2020 in Deutschland meldepflichtig nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). 

Wie lässt sich eine Vibrioneninfektion vermeiden?

Um sich vor einer Vibrioneninfektion zu schützen, sollten entsprechende Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden:

  • Urlauber können sich vorab tagesaktuell zu der Wasserqualität und der Bakterienbelastung in dem von ihnen genutzten Gewässer informieren. Eine Karte auf der Website des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigt die Konzentration der Vibrionen in den Meeren und eine Vorhersage der weiteren Entwicklung in den kommenden fünf Tagen.
  • Bei offenen oder nicht komplett verheilten Wunden sollte auf das Baden in Naturgewässern verzichtet werden.
  • Auch frisch gestochene Tattoos gehören zu den Einfallstoren für Hautkeime. Auch hier sollte auf das Baden verzichtet werden, bis die Hautwunden vollständig abgeheilt sind.
  • Ideale Brutbedingungen für Vibrionen bieten seichte, sich schnell erwärmende Küstenbereiche. Dort ist eine mögliche Infektion wahrscheinlicher. Wer eine Ansteckung vermeiden möchte, sollte also idealerweise in tieferen Gewässern baden gehen.

Bei Verdacht auf eine Vibrioneninfektion sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, um ggf. sofort mit einer Antibiotika-Behandlung zu beginnen. Quellen:
- Ärztezeitung
- Robert Koch-Institut
- https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/tote-nach-vibrionen-infektion-100.html