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Gematik-App ohne Registrierung nutzen: E-Rezept einlösen per Foto des Papierausdrucks

Die Gematik arbeitet daran, dass das E-Rezept per Foto des Papierausdrucks eingereicht werden kann. | Bild: F / AdobeStock

Um die E-Rezept-App der Gematik nutzen zu können, wird eine NFC-fähige elektronische Gesundheitskarte (eGK) und eine PIN der jeweiligen Krankenversicherung benötigt. Damit ausgestattet, durchläuft der Nutzer ein Authentifizierungsverfahren. Da viele Versicherte aufgrund von Chipmangel weder die notwendige eGK noch die PIN haben und zudem das aufwendige Anmelden scheuen, werden derzeit in den Arztpraxen hauptsächlich Papierausdrucke des E-Rezepts ausgehändigt.

E-Rezept-App soll neue Funktion erhalten

Damit auch mit dem Papierausdruck das E-Rezept digital an die Apotheke weitergeleitet werden kann, plant die Gematik eine neue Funktion ihrer E-Rezept-App. Auf Anfrage teilt die Pressestelle mit: „Die neue Funktion soll es einem Versicherten ermöglichen, ein papierbasiertes E-Rezept (Ausdruck mit DataMatrix-Code) über die E-Rezept-App einer Apotheke zuzuweisen. Die Zuweisung soll ohne Authentisierung des Versicherten erfolgen. 

Die Funktion ist analog zu Drittanbieter-Apps, jedoch diskriminierungsfrei für alle Apotheken und in Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bis zum Apotheker (zertifikatsbasierte Verschlüsselung) geplant.“

Konkret bedeutet dies laut Gematik:

  • Der Versicherte kann ohne Anmeldung am Fachdienst die Codes vom Ausdruck einscannen (bereits jetzt vorhandene App-Funktion).
  • Ohne Authentisierung ist bislang keine Übertragung/Zuweisung des Codes möglich. Hier setzt die neue Lösung an: Mit zertifikatsbasierter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bis zur Apotheke werden die Codes übertragen.

Die Gematik teilt weiter mit, dass die neue Funktion als Übergangslösung entwickelt und angeboten wird, „bis Versicherte ein gültiges Authentisierungsmittel nach § 291 SGB V zur Nutzung des E-Rezepts tatsächlich flächendeckend besitzen bzw. verwenden können“. 

Gut zu wissen: Was besagt § 291 SGB V?

In § 291 SGB V wird unter anderem geregelt, dass die Krankenkassen verpflichtet sind, Versicherten auf deren Verlangen unverzüglich eine elektronische Gesundheitskarte mit kontaktloser Schnittstelle zur Verfügung zu stellen.

Apotheken müssen technische Voraussetzung schaffen

Genauere Information über die geplante neue Funktion hat die Gematik vorab veröffentlicht. Dort steht unter anderem, dass eine „unauthentisierte Nutzung des E-Rezept-Fachdienstes“ nicht zulässig ist – also auch nicht für die vorgesehene Übermittlung des Fotos. „Von daher wird eine Nachricht vom E-Rezept-FdV über das Internet an die Zuweisungsadresse der für die Belieferung ausgewählten Apotheke – ohne Nutzung des E-Rezept-Fachdienstes oder des zentralen Netzes der TI – übermittelt“, heißt es. Unter E-Rezept-FdV (E-Rezept-Frontend des Versicherten) ist dabei die App auf dem Smartphone zu verstehen. 

Wie der Veröffentlichung weiterhin zu entnehmen ist, muss die Apotheke die technischen Voraussetzungen für die Unterstützung der Funktionalität schaffen, zum Beispiel durch Beauftragung eines Apothekendienstleisters. Ob die Apotheke die neue Funktion anbietet, ist optional. Verfügbar wird die Funktion laut der Pressestelle erst im kommenden Jahr sein.

E-Rezept: Zugriffslösung per eGK aber weiter im Fokus

Was allerdings etwas verwundert, ist, dass man bei der Gematik offenbar schon seit geraumer Zeit an dieser Lösung arbeitet und sie immer noch nicht nutzbar ist. Denn in besagter Veröffentlichung steht: „Es ist zum jetzigen Zeitpunkt, Anfang Januar 2022, absehbar, dass nur eine geringe Anzahl Versicherte eine Authentisierung durchführen können, da sich die Ausgabe der zur Authentifizierung benötigten NFC-fähigen elektronischen Gesundheitskarten (eGK) und zugehöriger PIN über mehrere Jahre strecken wird.“  

Und weiter: „Um den Versicherten dennoch einen Mehrwert durch das E-Rezept und das dazugehörige E-Rezept-FdV bieten zu können, sollen schnellstmöglich die wichtigsten Funktionen (zumindest übergangsweise) auch ohne Authentisierung ermöglicht werden.“ Allerdings dürfte derzeit bei der Gematik vor allem die Erarbeitung einer Zugriffslösung per eGK in der Apotheke im Vordergrund stehen. Schließlich wird seitens der Ärzteschaft die weitere Beteiligung am Rollout von der raschen Schaffung dieser Möglichkeit abhängig gemacht.