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NEM: Werbung auf Social Media kaum kontrolliert

Auf Instagram, TikTok und Co. sind bezahlte Inhalte gang und gäbe. Das gilt auch für Gesundheitswerbung. Die Folge: Influencer empfehlen Superfoods, Nahrungsergänzungsmittel und Geheimtipps aller Art nicht (immer) aus Überzeugung und auf wissenschaftlicher Basis, sondern aus kommerziellem Interesse.
Wie der Verbraucherschutzverein Foodwatch e.V. nun herausgefunden hat, werden solche Inhalte von den deutschen Behörden kaum kontrolliert. Die gemeinnützige Organisation hat 399 Lebensmittelüberwachungsämter in Deutschland zu diesem Thema befragt, von denen 309 antworteten. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Gut zu wissen: Was macht Foodwatch?
Foodwatch e.V. setzt sich für das Recht der Verbraucher auf qualitativ gute, gesundheitlich unbedenkliche und ehrliche Lebensmittel ein.
Der gemeinnützige Verein agiert unabhängig von Staat und Lebensmittelwirtschaft und finanziert sich laut eigenen Angaben aus Beiträgen von rund 50.000 Förderern und einer noch größeren Zahl an Spendern.
Die Gelder werden beispielsweise für Abmahnungen, Anwaltskosten und Gerichtsprozesse gegen Unternehmen und Lobbys der Lebensmittelindustrie verwendet.
Wenige Kontrollen für Gesundheitswerbung auf Social Media
Die Umfrage unter den Lebensmittelüberwachungsämtern ergab im Wesentlichen, dass mehr als 90 Prozent der Behörden Werbung in sozialen Medien nicht routinemäßig kontrollieren. Statt einer systematischen Überwachung werden viele Ämter nur nach konkreten Beschwerden aktiv.
Mehrere Behörden erklärten sogar, sie würden die Vorfälle gar nicht erfassen, unter anderem, weil sie personell oder technisch nicht in der Lage dazu seien. (So hat ein Amt laut eigener Aussage bislang keinen Zugang zu Social Media.)
Diese Situation ist laut Foodwatch umso bedenklicher, als die Recherchen des Vereins in der Social-Media-Werbung schwere Verstöße gegen geltendes Recht offenbart hätten: Im Januar 2026 habe die Verbraucherschutzorganisation Instagram-Posts und -Stories von 189 Fitness- und Gesundheits-Influencern über 23 Tage überprüft. 101 davon hätten in 560 Fällen Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel mit konkreten Gesundheitsversprechen beworben.
98 Prozent dieser Versprechen seien aus Sicht von Foodwatch rechtswidrig gewesen, da sie gegen die europäische Health-Claims-Verordnung beziehungsweise die Lebensmittelinformationsverordnung verstoßen hätten. Beide legen unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Evidenz fest, wie Gesundheitsversprechen formuliert sein dürfen.
Zur Erinnerung: Was sind gesundheitsbezogene Angaben?
Seit 2007 gilt die sogenannte Health-Claims-Verordnung. Sie legt fest, welche gesundheitsbezogenen Angaben für Lebensmittel, also auch für NEM, zulässig sind.
Demnach dürfen z. B. keine Aussagen zu einem Lebensmittel bzw. NEM gemacht werden, die eine arzneiliche Wirkung suggerieren oder eine Krankheitsheilung versprechen.
Als Beispiel wäre folgende Formulierung unzulässig: „Vitamin C – zur Linderung von Erkältungskrankheiten“.
Foodwatch warnt davor, dass irreführende Gesundheitswerbung nicht nur teure Fehlkäufe begünstige, sondern auch der Gesundheit schaden könne, indem sie beispielsweise zu falscher Dosierung oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneien führe oder den Gang zum Arzt und damit eine geeignete Behandlung verzögere.
Foodwatch: NEM-Onlinemarkt muss vom Bund kontrolliert werden
Der Verbraucherschutzverein führt die Situation auf eine überlastete, kommunal organisierte Lebensmittelüberwachung zurück, die schon bei klassischen Aufgaben wie Restaurantkontrollen ans Limit käme.
Die Kontrolle des Onlinemarkts müsse auf Bundesebene gebündelt und die Überwachung personell und finanziell so ausgestattet werden, dass sie auch im Internet und auf Social Media handlungsfähig sei.
„Bei der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel herrscht in den sozialen Medien Wildwest-Atmosphäre – doch der Sheriff schaut weg. Bund und Länder müssen die Lebensmittelüberwachung endlich so ausstatten, dass sie auch im digitalen Raum wirksam kontrollieren kann“, fasst Dr. Rebekka Siegmann die Haltung von Foodwatch zusammen. Quellen:
https://www.foodwatch.org/de/check-behoerden-kontrollieren-instagram-werbung-fuer-nahrungsergaenzungsmittel-kaum
https://www.oekotest.de/gesundheit-medikamente/Nahrungsergaenzungsmittel-Behoerden-kontrollieren-Social-Media-Werbung-kaum-_16220_1.html