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Änderungen der Produktinformationen: Amoxicillin: neue Nebenwirkungen bekannt

Auf einer Packung Amoxihexal liegt ein angebrochener Blister
Trotz neuer Nebenwirkungen bleibt das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Amoxicillin unverändert. | Bild: IMAGO / MiS

Amoxicillin ist vor allem in der Kinderheilkunde ein viel benötigtes Antibiotikum, das lassen uns die aktuellen Lieferengpässe spüren. Wie jedes Arzneimittel bringt jedoch auch Amoxicillin neben seinem großen Nutzen gewisse Risiken mit sich, die es zu bedenken gilt. Darauf macht aktuell wieder ein Bescheid des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufmerksam, der auf Änderungen der Produktinformationen von Amoxicillin hinweist.  

Ergänzung von Neben- und Wechselwirkungen

So informieren die Amoxicillin-Produktinformationen künftig auch über die Nebenwirkungen  

  • aseptische Meningitis (Entzündung der Hirn- bzw. Rü­cken­marks­häu­te),
  • Kounis-Syndrom,
  • Kristallurie (einschließlich akuter Nierenschädigung),
  • arzneimittelbedingtes Enterokolitissyndrom (DIES) und
  • lineare IgA-Erkrankung.

Außerdem wird mit dem BfArM-Bescheid auf die Wechselwirkungen zwischen Amoxicillin und Methotrexat sowie Amoxicillin und Probenecid aufmerksam gemacht. 

Amoxicillin: Allergische Reaktionen und Nierenschädigung möglich

Beim Kounis-Syndrom handelt es sich um eine schwere allergische Reaktion, die einen Myokardinfarkt zur Folge haben kann. 

Auch das DIES (arzneimittelbedingtes Enterokolitissyndrom) ist eine allergische Reaktion, über die hauptsächlich bei Kindern berichtet wird. Das Leitsymptom ist anhaltendes Erbrechen (ein bis vier Stunden nach der Einnahme), ohne allergische Haut- oder Atemwegssymptome. Es können schwere Fälle bis hin zum Schock auftreten.

Während die Kristallurie bereits als sehr seltene Nebenwirkung bekannt war, ist der Hinweis neu, dass es dabei zu einer akuten Nierenschädigung kommen kann. 

Bei der IgA-Erkrankung handelt es sich um eine blasenbildende Dermatose: „Ausschlag mit kreisförmig angeordneten Bläschen mit zentraler Verkrustung oder ähnlich einer Perlenkette“. Die Häufigkeit ihres Auftretens unter Amoxicillin ist „nicht bekannt“. Diese Häufigkeitsangabe gilt auch für die aseptische Meningitis, das Kounis-Syndrom, das DIES sowie die Kristallurie.

Wechselwirkung mit MTX: Ausscheidung durch Antibiotikum reduziert

Falls noch nicht vorhanden, soll in die Fachinformation von Amoxicillin zudem folgender Hinweis aufgenommen werden:  

„Penicilline können die Ausscheidung von Methotrexat vermindern, was zu einer potenziellen Erhöhung der Toxizität führen kann.“ 

Dass Antibiotika mit Methotrexat (MTX) wechselwirken, ist bereits bekannt. Auch in der Fachinformation von MTX wird auf die Wechselwirkung mit Penicillinen hingewiesen. Als absolutes No-Go in Kombination mit MTX (ausgenommen ist die Pneumocystis-jirovecii-Prophylaxe) gilt mittlerweile das Antibiotikum Cotrimoxazol wegen einer möglichen Verminderung aller drei Blutzellreihen (Panzytopenie).

Zur Erinnerung: Was ist Methotrexat?

Methotrexat (MTX) zählt zur Klasse der Folsäure-Antagonisten. In niedrigen Dosen wird MTX als Immunsuppressivum angewendet, beispielsweise bei Rheumatoider Arthritis (RA), Psoriasis, Multipler Sklerose (MS) und Morbus Crohn. In höheren Dosen kommt MTX als Zytostatikum im Rahmen einer Chemotherapie zum Einsatz. 

Wechselwirkung mit Probenecid: Höhere Amoxicillin-Blutspiegel möglich

Außerdem soll Amoxicillin nicht gemeinsam mit Probenecid angewendet werden, da Probenecid die renale tubuläre Sekretion von Amoxicillin vermindert. Als Warnhinweis soll deshalb in den Produktinformationen von Amoxicillin stehen:

„Die gleichzeitige Anwendung von Probenecid kann zu erhöhten und verlängerten Blutspiegeln von Amoxicillin führen.“

Diese Wechselwirkung ist in der Fachinformation von beispielsweise „Probenecid Weimer“ bereits mit Stand 2010 zu finden. Demnach können nicht nur bei Penicillinen, sondern auch bei Cephalosporinen und Chinolonen (z. B. Ciprofloxacin, Norfloxacin) unter Probenecid-Therapie Dosisanpassungen erforderlich werden.  

Zur Erinnerung: Was ist Probenecid?

Probenecid gehört zur Gruppen der Urikostatika und dient der Behandlung der Hyperurikämie bzw. Gicht. Es fördert Ausscheidung von Harnsäure, indem es die Rückresorption in der Niere hemmt. /sn

Das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Amoxicillin gilt mit der Aufnahme dieser Hinweise in die Produktinformationen als unverändert.