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BfR warnt: Lupinensamen: Gesundheitliche Risiken in Lebensmitteln

Immer mehr Menschen verwenden lupinensamenhaltige Produkte als proteinreiche pflanzliche Alternative zu Fleisch und Kuhmilch sowie als glutenfreien Ersatz für Mehl, Schrot oder Kaffee.
Deshalb hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am 17. September 2025 eine Stellungnahme veröffentlicht, die die aktuelle Datenlage zu Risiken durch Lupinensamen in Lebensmitteln zusammenfasst. Darin betrachtet das BfR vor allem den Gehalt an potenziell giftigen Chinolizidinalkaloiden (QA), der je nach Lupinensorte und Anbaubedingungen schwankt, sowie die Gefahr allergischer Reaktionen als entscheidend für die Risikobewertung.
Gut zu wissen: Was sind Chinolizidinalkaloide?
Chinolizidinalkaloide sind Naturstoffe, die in der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler vorkommen. Sie dienen zur chemischen Abwehr und können bei Warmblütern Vergiftungen auslösen.
Das einzige therapeutisch genutzte Chinolizidinalkaloid ist Spartein, das gegen Herzrhythmusstörungen hilft und Wehen fördert.
Alkaloide und Allergene in Lupinensamen
Lupinen mit eher niedrigen QA-Gehalten werden als Süßlupinen bezeichnet, solche mit höheren Gehalten als Bitterlupinen.
Das BfR schätzt das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen durch QA in Lupinensamen als mittelhoch ein. Es seien akute Vergiftungen nach dem Verzehr von Lupinensamen mit hohen Alkaloidgehalten dokumentiert. Da die Symptome aber sehr unterschiedlich ausfielen – beispielsweise Übelkeit, Schwindel, Erbrechen und Herzbeschwerden –, sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
Allergene stellen laut BfR für die Allgemeinbevölkerung ein geringes, für Allergiker jedoch ein hohes Risiko dar. Bei Letzteren könnten die Symptome von leicht (z. B. Nesselsucht, Schleimhautentzündungen und Übelkeit) bis schwer (anaphylaktischer Schock) reichen.
Möglich seien sowohl Kreuzallergien bei Menschen mit einer bestehenden Allergie (vor allem gegen Erdnuss, aber auch Hülsenfrüchte) als auch allergische Reaktionen bei Menschen, die zuvor keine Allergie hatten („Primärsensibilisierung“).
Mit der zunehmenden Verwendung von Lupinensamen erwartet das BfR auch eine Zunahme allergischer Reaktionen in der Bevölkerung.
Gut zu wissen: Richtwerte für Chinolizidinalkaloide
Aufgrund fehlender Daten gibt es bisher keinen gesundheitlichen Richtwert für Chinolizidinalkaloide in Lupinensamen.
Eine Hilfestellung liefert aber eine Empfehlung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit für das QA Spartein: Eine Aufnahme von 0,16 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht sei gesundheitlich unbedenklich.
Man geht davon aus, dass andere QA, darunter auch die in Lupinensamen enthaltenen, ähnlich wirken, und summiert deshalb für die Risikobewertung alle in einem Lebensmittel enthaltenen QA.
Wie lässt sich das Gesundheitsrisiko durch Lupinensamen verringern?
Die Datenlage in Bezug auf Chinolizidinalkaloide ist leider schwach und diejenige über das allergieauslösende Potenzial von Lupineneiweißen nur mittelmäßig.
Wenn sich dieses Manko durch weitere Forschung beheben lässt, könnten der Staat beziehungsweise die EU einerseits Höchstgehalte für QA in Lebensmitteln festlegen und andererseits die Bevölkerung über Risiken durch lupinensamenhaltige Lebensmittel aufklären.
Schon jetzt könnten Lebensmittelhersteller aus Sicht des BfR darauf achten, QA-arme Lupinensorten zu verwenden und/oder den QA-Gehalt der Samen durch geeignete Verfahren zu senken („Entbitterung“). Eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit „Lupine“ oder „Lupinenerzeugnis“ ist laut EU-Verordnung seit Längerem verpflichtend.
Verbraucher haben mehrere Möglichkeiten, das potenzielle Risiko einzuschränken: Sie können insgesamt weniger lupinensamenhaltige Produkte verzehren, auf Produkte mit Bitterlupinensamen (mit hohem QA-Gehalt) verzichten oder Lebensmittel mit einem besonders hohen Anteil von Lupinensamen wie Kaffee-Ersatz oder Mehle meiden.
Lupinensamen: Bei Verbrauchern für mehr Klarheit sorgen
Vor allem die verstärkte Aufklärung der Verbraucher durch das Gesundheitswesen sieht das BfR als wünschenswerte Maßnahme, um das Risiko durch den Verzehr von Lupinensamen zu senken. Dazu gehörten laut der aktuellen Stellungnahme vor allem die Informationen, dass Lupinensamen Chinolizidinalkaloide enthalten und dass lupinensamenhaltige Produkte allergische Reaktionen auslösen können. Quelle:
- https://www.bfr.bund.de/stellungnahme/alkaloide-und-allergien-aktuelle-datenlage-zu-gesundheitlichen-risiken-durch-lupinensamen-in-lebensmitteln/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Chinolizidin-Alkaloide