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Antibabypille: Mythen und Fakten

In diesem Jahr feiert die Pille ihren 65. Geburtstag. Seit ihrer Markteinführung hatte sie großen gesellschaftlichen Einfluss auf die Selbstbestimmtheit der Frau sowie auf deren Gesundheit. Im Laufe der Zeit haben sich die oralen Kontrazeptiva verändert und wurden stetig weiterentwickelt.
Es gibt zahlreiche Mythen über die Pille, die auch häufig in den sozialen Netzwerken thematisiert werden. Doch bei welchen Aussagen handelt es sich um Fakten und was sind nur vage Halbwahrheiten?
Die Pille nimmt die Lust auf Sex.
Falsch.
Laut den Autoren der S3-Leitlinie „Hormonelle Empfängnisverhütung“ konnten in Studien keine gravierenden Veränderungen bei der Mehrzahl der Frauen festgestellt werden. Dennoch gibt es Einzelfälle, bei denen die Libido ab- oder auch zunimmt. Ein eindeutiger Zusammenhang mit der Pille und deren Zusammensetzung konnte allerdings nicht nachgewiesen werden.
Die Pille macht reine und schöne Haut.
Richtig.
Orale Kontrazeptiva enthalten je nach Produkt Estrogene und Gestagene, die einen stabilisierenden Einfluss auf den Hormonhaushalt der Frau haben. Gestagene zeigen einen antiandrogenen Effekt und Estrogene reduzieren die Talgproduktion.
Die Hormongruppe der Androgene spielt vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Akne. Durch die Einnahme der Antibabypille kommt es häufig zu einem reineren Hautbild. Dennoch sollten Hautunreinheiten nicht der alleinige Grund für eine Entscheidung für die Pille sein, da auch Nebenwirkungen wie Brustspannen, Übelkeit oder Schwindel mit der Einnahme verbunden sein können.
Die Pille ist als Verhütungsmittel sehr sicher.
Richtig.
Sofern die Pille korrekt angewendet wird, stellt sie ein sehr sicheres Verhütungsmittel dar. Als Maß für die Sicherheit kann der Pearl-Index herangezogen werden. Bei einer gewissenhaften Anwendung der Pille liegt der Wert zwischen 0,1 und 0,9.
Zum Vergleich: Der Pearl-Index bei einer Verhütung mit Kondom liegt zwischen 2 und 12, da sich hier deutlich häufiger Anwendungsfehler einschleichen. Kondome haben allerdings den Vorteil, dass sie gleichzeitig vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen.
Zur Erinnerung: Was ist der Pearl-Index?
Der Pearl-Index ist ein Maß für die Zuverlässigkeit eines Verhütungsmittels. Er gibt an, wie hoch der Anteil sexuell aktiver Frauen ist, die innerhalb eines Jahres mit dieser Verhütungsmethode schwanger werden. Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer die Verhütungsmethode.
Wenden beispielsweise 100 Frauen ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel an und treten in diesem Zeitraum fünf Schwangerschaften auf, beträgt der Pearl-Index 5. Ein Pearl-Index von 0,1 besagt, dass eine von 1.000 Frauen, die ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel anwenden, schwanger wird.
Orale Kontrazeptiva machen immer dick.
Falsch.
Die Befürchtung einer Gewichtszunahme unter der Einnahme der Pille wird häufig auf bestimmte Einzelfallbeschreibungen zurückgeführt. Untersuchungen konnten keinen signifikanten Anstieg des Gewichts unter der Einnahme von oralen Kontrazeptiva beobachten.
Da eine Gewichtszunahme mit vielen Ursachen zusammenhängt, ist die pauschale Aussage: „Es liegt an der Pille“ nicht richtig. Die Pille kann allerdings die Einlagerung von Wasser in das Unterhautfettgewebe fördern und so individuell eine Gewichtszunahme von ein bis zwei Kilogramm Körpergewicht verursachen. Gelegentlich kann es auch zu einer Steigerung des Appetits kommen.
Der Kinderwunsch ist nach Absetzen der Pille erschwert.
Falsch.
Wird die Pille nach einer langjährigen Einnahmezeit abgesetzt, benötigt der Körper eine Weile, um den natürlichen hormonellen Rhythmus wiederzufinden. Das zeigt sich häufig an einer verzögert einsetzenden und veränderten Regelblutung.
Dies erschwert zwar zu Beginn die Bestimmung der fruchtbaren Tage, ein Eisprung ist allerdings direkt nach Absetzen der Kontrazeption wieder möglich. Eine Befruchtung kann deshalb aus rein biologischer Sicht bereits im nächsten Zyklus eintreten.
Durch die Pille bekommt man gute Laune.
Falsch.
Ganz im Gegenteil: Es gibt Hinweise aus Studien, dass die Einnahme hormoneller Kontrazeptiva gelegentlich einen negativen Einfluss auf die Stimmung haben kann. Vor allem junge Frauen scheinen unter der Einnahme ein erhöhtes Risiko für Depressionen zu haben.
Aufgrund einer dänischen Studie aus dem Jahr 2017 rückte diese Nebenwirkung weiter in den Fokus, weshalb die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) 2018 zur Aufnahme einer Produktinformation aufgefordert hat. In den Gebrauchsanweisungen oraler Kontrazeptiva wird seither auf das mögliche Auftreten depressiver Verstimmungen und Depressionen hingewiesen, die in schweren Einzelfällen auch suizidales Verhalten begünstigen können.
Der weibliche Körper benötigt eine regelmäßige Blutung.
Falsch.
Aus verschiedenen medizinischen Gründen ist es in einigen Fällen sinnvoll, die Pille ohne Unterbrechung durchweg einzunehmen. In diesem Langzeitzyklus tritt keine Monatsblutung ein. Davon profitieren vor allem Frauen mit starken Beschwerden rund um die Periode sowie mit einem erhöhten Risiko für Eierstockzysten oder Endometriose.
In der S3-Leitlinie wird darauf hingewiesen, dass die Sicherheit der Verhütung und das Nebenwirkungspotenzial bei kontinuierlicher Einnahme ohne Pillenpause genauso hoch sind wie bei der Einnahme mit Pillenpause.
Die Pille erhöht das Risiko für eine Thrombose.
Richtig.
Das Thromboserisiko gehört unter der Einnahme der Pille zu den relevantesten Nebenwirkungen. Hierbei wird durch ein Blutgerinnsel eine Vene verstopft, wodurch es zu einer Durchblutungsstörung kommt. Dieser Thrombus kann im schlimmsten Fall Richtung Körpermitte wandern und dort weitere Komplikationen wie eine Lungenembolie auslösen.
Das Risiko ist vor allem in den ersten Wochen nach Beginn der Pillenanwendung und in Umstellungsphasen erhöht. Das persönliche Thromboserisiko wird durch weitere Faktoren beeinflusst, dazu gehören beispielsweise Übergewicht, Rauchen oder eine genetische Veranlagung.
Entscheidend ist hier die Art der Pille: Während das Risiko für Thrombosen unter Estrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten deutlich ansteigt, führt die Anwendung eines Gestagen-Monopräparates (Mini-Pille) nicht zu einer entscheidenden Erhöhung. Frauen sollten über dieses Risiko in der Apotheke und in der gynäkologischen Praxis aufgeklärt werden. Quellen:
- https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/antibabypille-social-media-100.html
- https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2024/2024-2/neue-orale-kontrazeptiva-faktencheck-1-1
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-015l_S3_Hormonelle_Empfaengnisverhuetung_2020-09.pdf