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Haarclips gegen Migräne – hilft der TikTok-Trend?

In zahlreichen Video-Clips bei TikTok sieht man Menschen, die sich gleich mehrere Haarspangen ins Gesicht setzen, vorzugsweise an den Augenbrauen. Sie berichten begeistert, dass ihre Kopfschmerzen dadurch verschwinden oder zumindest nachlassen.
Kommentare wie „Meine Tabletten helfen nicht, aber eine Spange auf der Braue schon“ machen diesen Hack populär. Auch in Apotheken berichten Kunden inzwischen davon und fragen nach, ob dieser Trick tatsächlich hilft.
Migräne und der Haarclip-Hack – was hinter dem Nerventrick steckt
Die neurologische Forschung sieht beim Trigeminusnerv eine Schlüsselrolle. Er leitet Schmerzsignale aus Gesicht und Schädel an das Gehirn weiter. Befürworter des Tricks vermuten, dass der Druck einer Spange diese Signale modulieren könnte.
Bekannt sind medizinische Verfahren, die ebenfalls auf Nervenreizung setzen – etwa elektrische Stimulationen. Ob eine einfache Haarspange eine vergleichbare Wirkung entfalten kann, ist jedoch wissenschaftlich nicht untersucht.
Haarklammern bei Migräne: Das sagen Fachärzte zu dem Trend
Neurologen bewerten den Haarclip-Hack mit Zurückhaltung. Zwar erscheint es grundsätzlich möglich, dass Druck auf bestimmte Gesichtspartien kurzfristig die Schmerzwahrnehmung beeinflusst, gesicherte Belege gibt es jedoch nicht. Klinische Studien fehlen ebenso wie Daten zur Wirksamkeit oder Sicherheit.
Unklar ist zudem, wie lange ein eventueller Effekt anhalten würde und ob er überhaupt über einen Placebo-Effekt hinausgeht. Auch ist davon auszugehen, dass die Reaktion von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfällt. Während einzelne Betroffene subjektiv eine Verbesserung verspüren, bleibt bei anderen jede Wirkung aus.
Aus ärztlicher Sicht kann der Haarclip-Trend deshalb nicht als Therapie empfohlen werden. Er ist eine unbelegte Beobachtung aus sozialen Medien, die wissenschaftlich bislang ohne Fundament ist.
Haarspangen gegen Kopfschmerz – mögliche Risiken
Das Anbringen von Clips im Gesicht ist in der Regel harmlos. Möglich sind leichte Hautreizungen oder Druckstellen, wenn die Spangen zu fest sitzen. Ernsthafte körperliche Schäden sind nicht zu erwarten.
Gefährlich kann es jedoch werden, wenn Betroffene den Haarclip-Trick als „Therapie“ verstehen und dadurch wirksame Behandlungsmethoden hinauszögern oder ganz vermeiden. Ohne geeignete Akutmedikation können Attacken länger andauern, stärker verlaufen und die Lebensqualität erheblich einschränken. Wird eine konsequente Behandlung immer wieder aufgeschoben, steigt das Risiko, dass sich die Kopfschmerzen chronifizieren.
Auch Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit oder Kreislaufprobleme bleiben dann unbehandelt und können den Alltag massiv beeinträchtigen.
Zudem besteht die Gefahr, dass Betroffene aus Verzweiflung zu immer neuen, ungesicherten „Tricks“ greifen und dabei die Chancen auf eine leitliniengerechte Therapie verpassen.
Migräne behandeln – wirksame Optionen in der Apotheke
Starke Kopfschmerzen und wiederkehrende Attacken benötigen eine gezielte Therapie. In der Selbstmedikation stehen verschiedene Möglichkeiten bereit. Bewährt haben sich klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen, die bei vielen Betroffenen eine Linderung verschaffen.
Mit den Triptanen (z. B. Naratriptan und Sumatriptan) sind in Deutschland außerdem spezifisch wirksame Migränemittel rezeptfrei erhältlich, die gezielt bei stärkeren Attacken eingesetzt werden können. Eine weitere Möglichkeit stellen Kombinationspräparate dar, die Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein enthalten.
Gut zu wissen: Migräne in der Selbstmedikation
Wirkstoffe bei Kopfschmerzen und Migräne, die in der Apotheke ohne Rezept verfügbar sind:
- Ibuprofen – bewährtes Schmerzmittel, gut verträglich bei vielen Betroffenen
- Naproxen – wirksam bei längeren Attacken, etwas langsamere Wirkung
- Acetylsalicylsäure – schmerzlindernd und entzündungshemmend
- Paracetamol – geeignet bei leichteren Beschwerden, magenfreundlicher, nicht entzündungshemmend
- Naratriptan, Almotriptan und Sumatriptan – gezielt gegen Migräne
- Kombinationspräparate mit ASS + Paracetamol + Coffein – können schneller und stärker wirken als Einzelwirkstoffe
Reichen frei verkäufliche Mittel nicht aus oder treten die Beschwerden häufig auf, ist eine ärztliche Abklärung notwendig, um weitere Therapieformen oder auch eine Prophylaxe einzuleiten.
Ergänzend können Maßnahmen wie die Einnahme von Magnesium, Entspannungstechniken zur Stressreduktion, regelmäßige Mahlzeiten sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hilfreich sein.
Auch Pfefferminzöl, das auf die Schläfen aufgetragen wird, kann bei manchen Betroffenen die akuten Beschwerden lindern. Und nicht zuletzt tun leichte, warme Speisen wie eine Brühe gut, wenn der Körper geschwächt ist.
TikTok-Trend: Beratung in der Apotheke
Der Haarclip-Trend ist vor allem ein Gesprächsanlass. Entscheidend ist, wie das Apothekenteam auf Kunden reagiert, die durch TikTok oder ähnliche Plattformen auf solche Ideen stoßen.
Wichtig ist zunächst, aufmerksam zuzuhören und das Anliegen ernst zu nehmen. Wer mit einem Tipp aus dem Internet in die Apotheke kommt, möchte wahrgenommen werden und sucht Bestätigung oder Orientierung. Ein wertschätzender Einstieg wie „Interessant, dass Sie das gesehen haben – lassen Sie uns darüber sprechen“ schafft Vertrauen.
Darauf aufbauend können Fachinformationen gegeben werden – sachlich, ohne den Trend ins Lächerliche zu ziehen. So wird deutlich: Die Apotheke nimmt moderne Informationswege wahr, prüft diese kritisch und liefert fundierte Einordnung.
Hilfreich ist es außerdem, das Gespräch positiv abzuschließen: mit einer klaren Botschaft, dass die Apotheke die erste Anlaufstelle für Fragen bleibt. Damit wird dem Kunden vermittelt: „Hier werde ich ernst genommen und bekomme eine fachlich sichere Orientierung.“