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Natriumbromid als Salzersatz: Bromvergiftung: ChatGPT empfiehlt Salzersatz

Internetnutzer wenden sich bei Gesundheitsfragen immer häufiger an eine künstliche Intelligenz (KI). Der KI-Chatbot ChatGPT liefert schnelle Antworten auf mögliche Fragen. Allerdings hängen die Antworten des Chatbots immer von der genauen Fragestellung ab, die der Benutzer eingibt. Vor allem bei medizinischen Fragen sollte man sich nicht blind auf die Ratschläge des Computers verlassen, diese stellen keinesfalls einen Ersatz für eine medizinische Beratung dar. Dies zeigt der Fall eines 60-jährigen US-Amerikaners, der sich auf Vorschlag der KI selbst mit Natriumbromid vergiftete.
Gut zu wissen: Vergiftungen durch Natriumbromid
Chemisch gesehen handelt es sich bei Natriumbromid (NaBr) um das Natriumsalz der Bromwasserstoffsäure (HBr). Die Substanz hat sedierende und antiepileptische Eigenschaften und war früher in zahlreichen Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln und Antiepileptika enthalten.
Eine Vergiftung mit Natriumbromid – die als Bromismus bezeichnet wird – trat früher viel häufiger auf. Bei dieser chronischen Bromvergiftung kommt es zu einer Vergiftung des Zentralnervensystems, die zu verschiedenen neurologischen Symptomen führt. Häufig treten Hautausschläge (Brom-Akne) auf.
Heutzutage wird Natriumbromid als Arzneistoff nicht mehr eingesetzt und entsprechende Vergiftungen treten praktisch nicht mehr auf. Da aber bromidhaltige Substanzen leicht über das Internet verfügbar sind, ist es trotzdem wichtig, mögliche Vergiftungssymptome zu kennen.
Einnahme von Natriumbromid führt zu psychotischen Symptomen
Der Mann, der bisher ohne eine psychische Vorgeschichte war, stellte sich in der Notaufnahme vor und äußerte den Verdacht, sein Nachbar habe ihn vergiftet. Im weiteren Verlauf entwickelte er Halluzinationen und versuchte zu fliehen. Daraufhin wurde der Patient in die Psychiatrie verlegt und bekam ein Neuroleptikum verabreicht. Eine körperliche Untersuchung verlief ohne Befund. Medikamente nahm der Mann nicht ein. Auch ein Urin-Test auf Drogen lieferte keine Hinweise auf sein Verhalten, auch der Blutalkoholwert war normal.
Zunächst vermuteten die Ärzte eine Vergiftung mit Schwermetallen. Die Untersuchung seines Blutes lieferte schließlich den entscheidenden Hinweis: Der Chlorid-Wert war zu hoch, auch eine negative Anionenlücke war auffällig.
Eine solche Anionenlücke gilt dabei als Maß für seltene Anionen im Blut, die bei normalen Untersuchungen nicht bestimmt werden. Wird also eine solche Anionenlücke gefunden, befinden sich zu viele Anionen im Blut, die dort normalerweise nicht sein sollten. Durch eine weitergehende toxische Analyse wurde schließlich die Ursache gefunden, eine Vergiftung mit Bromid-Anionen.
ChatGPT empfiehlt Austausch von Speisesalz durch Natriumbromid
Nach einer intravenösen Flüssigkeitszufuhr und einem Ausgleich der Elektrolyte stabilisierte sich der Zustand des Mannes langsam, auch die psychotischen Symptome bildeten sich zurück.
Nach einer Befragung durch die Ärzte erzählte der Patient, dass er von negativen Auswirkungen von Speisesalz (NaCl) auf die Gesundheit gelesen hatte. Daraufhin wollte er Natriumchlorid komplett aus seiner Ernährung streichen. Über drei Monate lang ersetzte er das Kochsalz durch Natriumbromid. Diesen Tipp hatte er nach Rücksprache mit ChatGPT aus dem Internet erhalten.
Chemisch gesehen haben Natriumchlorid und Natriumbromid durchaus Ähnlichkeiten. Bei beiden Substanzen handelt es sich um das Natriumsalz einer Halogenwasserstoffsäure. Im chemischen Zusammenhang kann ein Austausch durchaus Sinn machen, aber bezüglich der Ernährung keinesfalls.
Erhält die künstliche Intelligenz also nicht genügend Informationen und wird die Frage nur sehr allgemein gestellt, kann die erhaltene Antwort völlig falsch sein, was für Laien aber nicht unbedingt zu erkennen ist. Es ist auf jeden Fall davon auszugehen, dass bei Befragung eines Menschen dieser in jedem Fall nachgefragt und niemals Natriumbromid als Ersatz für Speisesalz empfohlen hätte.
Welchen Einfluss hat Speisesalz auf die Gesundheit?
Bekanntermaßen besteht Speisesalz überwiegend aus Natriumchlorid und stellt für den Körper die Hauptzufuhrquelle für Natrium-Kationen und Chlorid-Anionen dar. Diese beiden Ionen dominieren in der extrazellulären Flüssigkeit und sind für bestimmte Körperfunktionen unerlässlich: Sie halten unter anderem den Flüssigkeitshaushalt zwischen den Zellen aufrecht und regulieren den Blutdruck.
Aufgrund der geschmacksgebenden und konservierenden Eigenschaft wird Speisesalz zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst, Käse und Brot zugefügt.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, täglich nicht mehr als 6 g Speisesalz aufzunehmen. Tatsächlich liegt der durchschnittliche Verzehr mit rund 10 g täglich deutlich höher. Eine salzarme Ernährung beeinflusst den Blutdruck positiv und spielt damit eine wichtige Rolle bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Konsum von Speisesalz in der Ernährung reduzieren
Um weniger Speisesalz zu verzehren, sollte zunächst der Konsum verarbeiteter Lebensmittel eingeschränkt und zu mehr unverarbeiteten Nahrungsmitteln wie Obst und Gemüse gegriffen werden. Beim Kochen kann statt mit Speisesalz verstärkt mit Gewürzen und Kräutern gewürzt werden.
Die Zufuhr an Natrium-Ionen kann auch durch die Verwendung sogenannter Salzsubstitutionsmittel reduziert werden. Diese salzig schmeckenden Verbindungen enthalten statt Natrium-Kationen andere Ionen wie Kalium oder Magnesium. Erhältlich sind auch Salzmischungen, bei denen nur ein Teil der Natrium-Ionen durch andere Kationen ersetzt wurde. Ihr Geschmack ist jedoch zunächst meist gewöhnungsbedürftig.
Beim Vorliegen von Nierenerkrankungen sowie bei der Einnahme bestimmter Medikamente, wie Kalium-sparende Diuretika, ACE-Hemmer und Sartane, sollte vor der Verwendung solcher Salzersatz-Produkte zunächst Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden. In diesen Fällen besteht die Gefahr, dass es zu erhöhten Blutspiegeln an Kalium-Ionen kommen kann. Schwere Hyperkaliämien können lebensbedrohlich sein, da es zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen kann. Quellen:
- https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2025/09/22/bromvergiftung-gefahrliches-salz-aus-dem-netz
- https://www.acpjournals.org/doi/10.7326/aimcc.2024.1260
- https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2024/05/24/was-apotheker-ueber-kochsalzersatz-wissen-sollte