Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

4 min merken gemerkt Artikel drucken

Können Apotheken künftig chronische Wunden versorgen?

Arm mit Verband; PTA mit Einmalhandschuhen hält den Arm fest
Künftig könnten Apothekenmitarbeitende eine größere Rolle beim Wundmanagement übernehmen. | Bild: Horst Bingemer / AdobeStock

Eine (kleine) Wunde mit Desinfektions- und Wundreinigungsmitteln sowie Pflastern und Verbandsmaterial zu versorgen und besonders bei kleinen Patienten tröstende Worte spenden – das kommt wohl in jeder Apotheke ab und an vor. 

Bei größeren oder schwer heilenden Wunden sind bislang noch eher Ärzte gefragt. Aus der Apotheke kommen in dem Fall vor allem hochwirksame Verbandsmaterialien wie etwa silberbeschichtete Wundauflagen oder besondere Arzneimittel zur Wundversorgung.

Apothekenmitarbeitende könnten künftig Wundmanagement übernehmen

Das könnte sich aber unter Umständen in der Zukunft ändern. Denn mit dem erneuten Anlauf des sogenannten „Pflegekompetenzgesetzes“ rückt es zumindest in greifbare Nähe: Künftig könnten sich Apothekenmitarbeitende mit entsprechender Zusatzqualifikation auch um das Wundmanagement chronischer oder schwer heilender Wunden, beispielsweise bei Diabetikern, kümmern.

Als „Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“ ist der Entwurf im September 2025 in der ersten Lesung durch den Bundestag gegangen. Wundmanagement bei chronischen Wunden und/oder etwa bei Diabetes mellitus soll demnach zum Qualifikationsspektrum von Pflegefachpersonen gehören. 

Dass es damit bald auch eine „kassenfinanzierte pharmazeutische Dienstleistung“ in der Apotheke werden könnte, schließen Experten aktuell zwar noch eher aus – mittelfristig ist das aber sicher nicht völlig undenkbar. Eine Dienstleistungspauschale „Wundmanagement“ sei demnach auch für Apotheken vorstellbar.  

Kooperationen zum Wundmanagement seien jetzt schon denkbar: „Apothekerinnen und Apotheker können hier mit Blick auf bereits abzusehende regionale Versorgungslücken Kooperationspartner suchen und Strukturen entwickeln, die kompetent und leistungsfähig Wundmanagement betreiben wollen und den Einsatz von modernen Verbandmitteln einfordern können“, so Experten.

Was bedeutet Wundmanagement schwer heilender Wunden?

Unter anderem gibt es eine S3-Leitlinie „Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden aufgrund von peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus oder chronischer venöser Insuffizienz“. Die jüngste Ausgabe stammt aus dem Jahr 2023.  

Bei schwerheilenden Wunden ist entsprechend mehr vonnöten als „nur“ den Verband zu wechseln. Hilfe gibt da etwa der „Algorithmus Wundreinigung“Quelle: S3-Leitlinie, S. 39, 3.3; https://register.awmf.org/assets/guidelines/091-001l_S3_Lokaltherapie-schwerheilender-chronischer-Wunden_2023-11.pdf . Darin heißt es: „Jede Wunde … soll regelmäßig im Rahmen des Verbandswechsels, insbesondere bei Vorliegen von avitalem Gewebe [Anmerkung der Redaktion: totes, abgestorbenes Gewebe], Belägen, Fremdkörpern, Verunreinigungen und Exsudatresten, mechanisch gereinigt werden.“

Kann abgestorbenes Gewebe nicht mechanisch durch die Wundreinigung entfernt werden, empfehlen die Leitlinien chirurgisches Debridement (Entfernung von abgestorbenem, infiziertem oder verschmutztem Gewebe/Belägen aus einer Wunde), was allerdings nur ärztliches Fachpersonal durchführen dürfte. Genügt eine mechanische Reinigung, gibt es entsprechende Empfehlungen, die Wunde steril zu versorgen – unter Umständen verbunden mit einer lokalen Schmerztherapie.  

Antiseptika kommen zum Einsatz, wenn der Verdacht besteht, dass die Wunde infiziert sein könnte.

Ziel der Wundreinigung und des Verbandswechsels ist eine „saubere“ Wunde, die frei von avitalem Gewebe, Belägen, Fremdkörpern, Verunreinigungen und Exsudatresten ist.

Wie könnten Apotheken beim Wundmanagement helfen?

Grundsätzlich sehen Experten bei der Versorgung schwer heilender Wunden Teamwork von Gesundheitsdienstleistenden als einen wichtigen Faktor. Aktuell ist damit zwar eher gemeint, dass verschiedene Fachdisziplinen wie der allgemeinmedizinische Hausarzt und Fachärzte wie Diabetologen und/oder Angiologen (Gefäßspezialisten) bei der Behandlung der Risikopatienten etwa mit Diabetes Typ 2 kooperieren. Aber im Sinne des Pflegekompetenzgesetzes und der Auslagerung von Gesundheitsdienstleistungen aus den Arztpraxen sind künftig weitere Teamplayer denkbar – unter Umständen auch Apotheken.

Apothekenmitarbeitende könnten Betroffene dann nicht nur beraten, sondern unter Umständen auch Verbände wechseln und Wunden reinigen, sofern kein chirurgisches Debridement erforderlich ist. 

Derzeit stehen die Beratung und die Versorgung mit wirksamen Verbandsmaterialien und Wundreinigungslösungen im Vordergrund – bald eventuell dann in enger Kooperation etwa mit Pflegediensten. Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/pflegekompetenzgesetz-kehrt-zuruck-ins-parlamentarische-verfahren-5e746502-b6af-44c4-8bc6-376a90ef2a81
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/P/RefE_Staerkung_Pflegekompetenz_LP_21.pdf
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/gesetz-befugniserweiterung-entbuerokratisierung-pflege.html
- https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2025/05/26/wundmanagement-neu-denken