Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

5 min merken gemerkt Artikel drucken

Was tun bei Nesselsucht?

Rote Quaddeln auf rechtem Schulterblatt, mit kratzender Hand über der Schulter
Charakteristisch bei Nesselsucht sind kleine Wassereinlagerungen sowie Schwellungen auf der Haut. | Bild: Tanapat Lek, jew / AdobeStock

Bei einer Nesselsucht, die auch als Urtikaria bezeichnet wird, handelt es sich um eine überempfindliche Reaktion der Haut. Sie wird durch allergische und nicht-allergische Reize verursacht und ist nicht ansteckend. 

Hauptverantwortlich für die Beschwerden ist eine Histamin-Überproduktion und die Ausschüttung von entzündungsfördernden Stoffen. Sie kommt verhältnismäßig häufig vor: Ungefähr 20 Prozent der Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Nesselsucht.

Charakteristische Symptome der Nesselsucht

Die Urtikaria lässt sich anhand typischer Symptome auf der Haut erkennen. Charakteristisch sind kleine Wassereinlagerungen sowie Schwellungen auf der Haut. Diese Quaddeln grenzen sich scharf gegenüber der gesunden Haut ab und weisen einen roten Rand auf.

Sie unterscheiden sich in Größe und Form und können auch an verschiedenen Bereichen des Körpers gleichzeitig auftreten. Begleitet wird die Urtikaria von unangenehmem Juckreiz und Brennen an den betroffenen Hautstellen. In schweren Fällen können auch Schwellungen tieferer Hautschichten (Angioödeme) entstehen.

Bestehen die Symptome der Nesselsucht für weniger als sechs Wochen, spricht man von der akuten Form. Häufig verschwinden die Hauterscheinungen bereits innerhalb weniger Stunden. Die chronische Form, welche länger als sechs Monate auftritt, stellt für Betroffene meist eine starke Belastung und Minderung der Lebensqualität dar.

Ursachen der Urtikaria häufig nicht bekannt

Auch wenn medizinisches Personal eine Nesselsucht klinisch gut erkennen kann, ist die Suche nach dem Auslöser oft mühsam. In ca. der Hälfte aller Fälle kann keine konkrete Ursache identifiziert werden. Bestimmte Vorerkrankungen, psychische Faktoren und Stress können das Risiko für das Auftreten einer Nesselsucht erhöhen.

Eine Urtikaria kann durch allergische und nicht-allergische Auslöser hervorgerufen werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • Pollen,
  • Proteine aus Tierhaaren,
  • Nahrungsmittelallergene,
  • Insektengift,
  • bestimmte Medikamente,
  • Infektionen,
  • Autoimmunerkrankungen,
  • äußere Reize wie Kälte, Wasser, Hitze, Staub oder Reibung sowie
  • eine Erwärmung des Körpers durch körperliche Aktivität.

Wann ist ärztliche Abklärung notwendig?

Sind große Bereiche der Haut betroffen, kommen Schmerzen, Kreislaufprobleme oder Herzrasen hinzu, sollten die Patienten direkt an einen Arzt verwiesen werden. Das gilt auch dann, wenn Beschwerden an den Schleimhäuten, insbesondere an den Augen und in Mund- und Rachenraum, auftreten. 

Betroffene, die bereits mehrere Monate unter den Beschwerden leiden und keinen Auslöser benennen können, gehören immer in ärztliche Behandlung. Dies dient der Abgrenzung anderer Ursachen wie Neurodermitis oder Infektionen.

Selbstmedikation: kühlende und juckreizlindernde Mittel

Sinnvoll ist eine lokale Behandlung mit Salben, Cremes oder Sprays, die direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Dazu eignen sich Formulierungen, die kühlende und juckreizstillende Eigenschaften besitzen. Gegen Rötungen und Reizungen hilft Dexpanthenol (z. B. Bepanthol® DERMA Feuchtigkeitsspendende Körperlotion, Panthenol-ratiopharm® Wundbalsam), was gleichzeitig die Regeneration und Wundheilung fördert.

Juckreizlindernd wirkt Polidocanol (z. B. Anaesthesulf® Lotio, ALLERGIKA® Hydrolotio Sensitive AKUT). Auch ein Präparat mit Hydrocortison 0,5 % (z. B. Soventol®, Linola akut) kann im Rahmen der Selbstmedikation für einen kurzen Zeitraum von bis zu zwei Wochen empfohlen werden. Der Wirkstoff besitzt zusätzlich entzündungshemmende und schmerzstillende Eigenschaften.

Antihistaminika bei Nesselsucht empfohlen

Um die Wirkung des überschießenden Histamins abzumildern, können lokale oder im Verlauf auch systemische H1-Antihistaminika der zweiten Generation eingesetzt werden. Zum Auftragen eignen sich daher Dimetinden (z. B. Fenistil Gel), Bamipin (z. B. Soventol® Gel) und zum Einnehmen ebenso Dimetinden (z. B. Fenistil Dragees) sowie Cetirizin, Desloratadin und Bilastin (z. B. Allegra®).

Die Autoren der S3-Leitlinie „Klassifikation, Diagnostik und Therapie der Urtikaria“ raten zu einer Dosissteigerung auf das Vierfache der Standarddosis bei den systemischen Antihistaminika, sollten sich die Beschwerden nicht bessern. Die Empfehlung gilt auch für Kinder, wobei sich die Dosissteigerung am individuellen Gewicht orientieren muss.

Tritt trotz aller Maßnahmen keine langfristige Besserung ein, breiten sich die Hautveränderungen aus oder verschlechtern sich die Beschwerden, ist ein Arztbesuch anzuraten.

Was ist Omalizumab und wann wird es eingesetzt?

Wenn die Behandlung mit Antihistaminika auch nach mehreren Wochen keine ausreichende Wirkung zeigt, kann bei chronischer spontaner Urtikaria zusätzlich der Antikörper Omalizumab in Erwägung gezogen werden.

Der Wirkstoff ist für die Anwendung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren in diesem Bereich zugelassen und wird subkutan verabreicht. Die Behandlung erfolgt in der empfohlenen Dosierung alle vier Wochen durch eine Injektion.

Andere Wirkstoffe, wie zum Beispiel Ciclosporin A, kommen nur nachrangig im Rahmen einer Off-Label-Therapie zum Einsatz.

Beratungstipp bei Urtikaria

Neben der Behandlung mit Medikamenten ist es wichtig, herauszufinden, wodurch die Beschwerden hervorgerufen werden. Der potenzielle Auslöser sollte konsequent gemieden werden, um die Hautprobleme langfristig zu verbessern. 

Hier kann eine enge Zusammenarbeit mit einem Allergologen sinnvoll sein. Auch persönliche Aufzeichnungen über verzehrte Lebensmittel, neue Medikamente oder Pflegeprodukte, das Stresslevel oder Reisen in andere Regionen erleichtern die Ursachenforschung. Quelle:
-Lennecke, Hagel, Selbstmedikation für die Kitteltasche, 8. Auflage, 2025, Deutscher Apotheker Verlag
-https://online-academy.ch/de/project/7/487/additional_file_download/online_academy_content_fallstudie_2022_02_allergien_algorithmus_urtikaria_d.pdf
-https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/urtikaria
-https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-028l_S3_Klassifikation-Diagnostik-Therapie-Urtikaria_2022-04.pdf