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Cannabisgesetz kurbelt Konsum nicht zusätzlich an

Eine Person zündet einen Joint an
Anders als von vielen vermutet, hat die Teillegalisierung keinen Effekt auf den Cannabiskonsum zu Genusszwecken. | Bild: guruXOX / AdobeStock

Eine deutsche Forschergruppe untersuchte die Daten des neuesten Epidemiologischen Suchtsurveys dahingehend, ob die Teillegalisierung von Cannabis den Konsum als Freizeitdroge unter Erwachsenen gesteigert hat.  

Sie stellten fest, dass der Konsum im Jahr 2024, in dem zum 1. April Cannabis legalisiert wurde, gestiegen ist. Der Anstieg folge jedoch der kontinuierlichen Wachstumskurve, die schon zwischen 2012 und 2021 dokumentiert worden sei, und lasse nicht auf zusätzliche Effekte durch das neue Gesetz schließen.

Gut zu wissen: Was ist das Epidemiologischer Suchtsurvey?

Mit dem Epidemiologischen Suchtsurvey wird seit den 1980er Jahren in regelmäßigen Zeitabständen der Konsum von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen sowie Medikamenten in der Allgemeinbevölkerung Deutschlands erfasst.  

Im Vordergrund steht dabei die Beobachtung von Trends des Substanzkonsums und seiner Folgen. Auf dieser Grundlage können Maßnahmen zur Minimierung substanzbezogener Probleme entwickelt werden.  

Entwicklung des Cannabiskonsums

Die für die neue Analyse relevanten Daten waren zwischen August und Dezember 2024 erhoben worden, also vier bis acht Monate nach Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) am 1. April. Für den Epidemiologischen Suchtsurvey hatte man 7.534 zufällig ausgewählte Menschen befragt.

Im Wesentlichen brachte die Analyse der deutschen Forscher auf Basis dieser Daten die folgenden beiden Erkenntnisse:

Der Anteil der Menschen, die Cannabis konsumierten, war zwischen 2012 und 2021 von 4,6 auf 8,8 Prozent gestiegen; die Steigerung auf 9,8 Prozent im Jahr 2024 folgt dieser Kurve und zeigt keinen zusätzlichen Schub durch die Legalisierung.

Der Anteil der täglich oder fast täglich Konsumierenden in der Gesamtgruppe der Konsumenten fiel sogar leicht: von 17,3 Prozent im Jahr 2021 auf 16,2 Prozent im Jahr 2024.  

Cannabis: Wer konsumiert was und wann?

Die neue Analyse informiert auch über die Arten des Konsums und liefert demografische Eckdaten. So waren mit 65,6 Prozent fast zwei Drittel derer, die in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis konsumiert haben, männlich. Im Schnitt über beide Geschlechter hinweg waren die Konsumenten 34 Jahre alt.  

Bei Weitem am häufigsten wurde Marihuana konsumiert (92,3 Prozent), gefolgt von Haschisch (36,7 Prozent) und anderen Cannabisprodukten mit einem THC-Gehalt von über 0,3 Prozent (27,5 Prozent).

Die häufigste Konsumform während der vergangenen zwölf Monate waren mit 88,6 Prozent Joints, in denen von 68,2 Prozent der Konsumenten Cannabis mit Tabak gemischt wurde.

28,9 Prozent der regelmäßig Konsumierenden benutzten einen Verdampfer; bei den gelegentlich Konsumierenden taten dies nur 10,5 Prozent.

Die Gründe für Cannabiskonsum sind vor allem: high werden und Spaß haben (ca. 67 Prozent), Stressabbau (61 Prozent), Schlafqualität verbessern (58 Prozent), Hilfe gegen Depressionen oder Angst (32 Prozent) und Leistungssteigerung (13 Prozent).  

„Hedonistische und stressreduzierende Motive waren in unserer Untersuchung die Hauptgründe für den Cannabiskonsum in Deutschland“, schreiben die Autoren. „Dieses Ergebnis deckt sich mit früheren Studien, die zeigten, dass Cannabis häufig entweder zur Verstärkung positiver Emotionen oder zur Linderung negativer Affekte verwendet wird.“

Warnung vor Kombination von Tabak und Cannabis

Mehrere nicht an der Analyse beteiligte Wissenschaftler weisen in ihren Kommentaren zu den Ergebnissen auf die Gefährlichkeit von Cannabiskonsum mit Tabak hin.  

So betont Jakob Manthey vom Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung, der im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums die gesetzlich vorgeschriebene Evaluation des Konsumcannabisgesetzes leitet: „Offensichtlich ist das Rauchen von Cannabis zusammen mit Tabak, zum Beispiel in Form eines Joints, die schlechteste Art und Weise, Cannabis zu konsumieren.“ Konsumierende würden damit nicht nur Herz und Lunge belasten, sondern hätten auch ein höheres Abhängigkeitspotenzial.

Bernd Werse, Leiter des Instituts für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences, schlägt eine Alternative vor: „Alles, was geraucht wird, ist um ein Vielfaches schädlicher für den Körper als andere Konsumformen. Insofern wäre es zu begrüßen, wenn mehr Konsumierende auf Konsumformen wie Vaporizer zurückgreifen würden.“  

Eine abschließende Einordnung der Analyse liefert Daniel Kotz, Professor für Suchtforschung und klinische Epidemiologie am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf. Er ist der Meinung, aufgrund der kurzen Zeit seit der Teillegalisierung hätten sich die Auswirkungen der Gesetzgebung vermutlich noch nicht voll entfalten können, und fordert eine weitere wissenschaftliche Beobachtung des Konsums während der nächsten Jahre. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/bisher-keine-auswirkungen-der-cannabislegalisierung-auf-konsumhaufigkeit-feststellbar-96e4c62a-d514-4828-8b77-ffe0533665ba
https://www.aerzteblatt.de/archiv/cannabiskonsum-vor-und-nach-der-teillegalisierung-fbb12ab3-515b-4d3e-91bc-2564f4346787
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/add.70087