Ein genialer Marketing-Trick verzaubert das menschliche Gehirn: Während „gesundes Gemüse“ oder „Vollkorn“ eher abschreckend und lustfeindlich klingen, lässt der Begriff „Superfood“ die Herzen höher schlagen. „Superfoods“ gelten als hip und cool. Selbsternannte Ernährungsfachleute versprechen die Lösung aller Gesundheitsprobleme, Gewichtsabnahme meist inbegriffen. Was steckt hinter den als Superfoods gepriesenen Produkten? In dieser Serie wollen wir die am meisten beworbenen und beliebtesten „Superfoods“ unter die Lupe nehmen.
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Hanfsamen: Nussig, würzig nährstoffreich

Bei den als Lebensmittel angebotenen Hanfsamen handelt es sich um die drei bis vier Millimeter großen, braunen bis grüngrauen Samen des Nutz- oder Industriehanfs. In der Europäischen Union sind insgesamt 52 Sorten der Hanfart „Cannabis Sativa“ für den Nutzanbau zugelassen.
Von Natur aus ist in Hanfsamen kein Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten, weshalb eine psychoaktive Wirkung auszuschließen ist. Die Samen können jedoch bei der Ernte mit THC-reichen Pflanzenteilen (Blüten, Blätter oder Stängel) in Berührung kommen. Die Folge ist, dass mitunter auch in Hanfsamen messbare Mengen an THC zu finden sind.
Diese bleiben jedoch weit unter der Grenze für eine berauschende Wirkung, da der als Lebensmittel verwendete Nutzhanf grundsätzlich arm an THC ist (weniger als 0,3 Prozent) und zusätzlich Höchstmengen vorgeschrieben sind:
Seit 1. Januar 2023 gilt ein EU-einheitlicher Gesamt-THC-Höchstwert von drei Milligramm pro Kilogramm gemahlene und/oder (teilweise) entfettete Hanfsamen und ausschließlich aus Hanfsamen gewonnene Erzeugnisse sowie von 7,5 Milligramm pro Kilogramm für Hanfsamenöl.
Gut zu wissen: THC-haltiger Hanf gehört nicht in Lebensmittel
Lebensmittel, die ganz oder teilweise aus dem Kraut (Blätter und/oder Blüten) des Nutzhanfs hergestellt sind, weisen häufig höhere THC-Werte auf. Hanfkraut ist in Lebensmitteln eine neuartige, zulassungspflichtige Zutat.
THC-haltiger Hanf (Cannabis) darf in Lebensmitteln nicht eingesetzt werden. Daran ändert auch das zum 1. April 2024 in Kraft getretene Cannabis-Gesetz nichts: Es verbietet explizit die Abgabe von mit Lebensmitteln vermischtem Cannabis (z. B. Haschkekse) durch Anbauvereinigungen.
Hanfsamen sind reich an Nährstoffen
Hanfsamen enthalten ähnlich wie zum Beispiel Nüsse, Lein- und Sesamsamen hochwertiges Fett, Proteine, Vitamine sowie Ballast- und Mineralstoffe.
Der hohe Fettanteil von 30 bis 40 Prozent enthält reichlich Linolsäure (Omega-6), Alpha-Linolensäure (Omega-3) und Gamma-Linolensäure (Omega-6) – allesamt als „gute“ mehrfach ungesättigte Fettsäuren bekannt.
Daneben besitzen Hanfsamen einen hohen Proteingehalt zwischen 20 und 35 Prozent. Das Proteinmuster ist für die menschliche Ernährung vorteilhaft, weil alle essenziellen Aminosäuren vertreten sind.
Weitere 20 bis 35 Prozent sind Kohlenhydrate, ein großer Teil davon Ballaststoffe. Außerdem ist das Öl reich an B-Vitaminen und Vitamin E sowie den Mineralstoffen Calcium, Magnesium und Eisen.
Das aus Hanfsamen gepresste Hanföl enthält mit rund 80 Prozent einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, vor allem Linolsäure und Alpha-Linolensäure. Es gilt als hochwertiges Speiseöl, weil Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in einem günstigen Verhältnis zueinander stehen.
Welche Werbehinweise sind auf Hanfsamen erlaubt?
Da ungeschälte Hanfsamen einen hohen Anteil an Ballaststoffen besitzen, ist der auf Verkaufspackungen häufig zu lesende Hinweis „hoher Ballaststoffgehalt“ erlaubt.
Je nach Zusammensetzung ihres Produktes dürfen die Hersteller auch Angaben machen wie „reich an Omega-3-Fettsäuren“ oder „reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren“.
Nicht erlaubt sind dagegen Gesundheitsversprechen. So konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass Hanfsamen zur Muskelerholung nach einer Belastung beitragen, beim Abnehmen helfen oder den Blutdruck, den Cholesterinspiegel sowie den Blutzuckerwert senken.
Folglich hat die EU keine Aussage zu einer etwaigen Gesundheitswirkung von Hanfsamen beziehungsweise daraus gewonnenem Öl zugelassen.
Hanfsamen für die Küche
Die fett- und kalorienreichen Hanfsamen (circa 500 Kilokalorien pro 100 Gramm) können mit ihrem nussig-würzigen Geschmack durchaus den Speiseplan bereichern. So sind Körner und Öl aufgrund ihres hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren für Menschen, die keinen Fisch essen, eine Alternative zum immer wieder empfohlenen fetten Seefisch.
Hanföl sollte in der Küche nicht erhitzt, sondern kalt verwendet werden, zum Beispiel für Salate oder zum Anreichern und Verfeinern bereits gekochter Speisen.
Aus geschälten Hanfsamen lässt sich auch eine pflanzliche Milch zubereiten, Rezepte und Anleitungen findet man im Internet.
Die Verwendung von Hanfsamen und Hanföl ist aus ökologischer Sicht sinnvoll, wenn man europäische Produkte kauft. Vor dem Kauf sehr preisgünstiger Hanfzubereitungen aus dem außereuropäischen Raum wird ohnehin aufgrund von Pestizidbelastungen gewarnt.
THC in Hanfprodukten: Das sollten Verbraucher wissen
Es gibt in Europa keinen Grenzwert für THC in Lebensmitteln. Allerdings hat das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin THC-Richtwerte für Lebensmittel abgeleitet, die als Richtwerte für die Lebensmittelüberwachung dienen:
- fünf Mikrogramm je Kilogramm für nicht alkoholische und alkoholische Getränke
- 150 Mikrogramm je Kilogramm für alle anderen Lebensmittel
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat festgestellt, dass bei hanfhaltigen Produkten auch THC-Werte gemessen würden, die die Richtwerte übersteigen. Betroffen seien aber vor allem Produkte aus Hanfblättern und Hanfblüten.
Problematisch seien vor allem hanfhaltige Nahrungsergänzungsmittel. Das BfR hatte 2022 zahlreiche Produkte getestet, von denen 94 Prozent die Schwellenwerte überschritten.
Im Jahr 2025 untersuchte das CVUA Karlsruhe (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt) erneut Proben und beurteilte immer noch 64 Prozent der gezielt angereicherten Produkte als nicht sicher.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen sind laut Verbraucherzentrale für Vielverzehrer, Kinder und Schwangere zu befürchten. Sie könnten durch alkoholische Getränke und bestimmte Arzneimittel noch verstärkt werden. Umgekehrt könne THC die Wirkung von Herz-Kreislauf-Medikamenten oder Blutgerinnungshemmern beeinflussen.
Wer bezüglich THC ganz auf Nummer sicher gehen will, solle auch Hanfsamen und Hanföl meiden. Gleichwertige Alternativen für die Ernährung seien Leinsamen, Sesamsamen, Leinöl und Walnussöl. Quellen:
- https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/hanfsamen-hanfoel-hanftee-wie-steht-es-mit-der-sicherheit-12881
- https://www.aok.de/pk/magazin/ernaehrung/lebensmittel/hanfsamen-alles-ueber-naehrwerte-wirkung-und-anwendung/
Hanfsamen auf einen Blick:
- Bei der in Europa als Lebensmittel angebotenen Ware handelt es sich um die Samen des Nutz- oder Industriehanfs. Hanfsamen enthalten von Natur aus kein THC und sind damit nicht psychoaktiv.
- Hanfsamen stellen eine für die menschliche Ernährung gut geeignete Proteinquelle dar, enthalten einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sowie für eine gesunde Verdauung wichtige Ballaststoffe.
- Hanfsamen können möglicherweise durch Kontakt mit anderen Pflanzenteilen geringe THC-Spuren enthalten. Wer völlig auf Nummer sicher gehen will, kann ohne gesundheitliche Einbußen auf Hanfsamen verzichten.