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HIV wird oft zu spät erkannt

In einem Bericht, den das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) und das europäische Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus Anlass des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember 2025 veröffentlicht haben, mahnen die beiden Institutionen Bemühungen um eine frühere Erkennung von HIV-Erkrankungen an.
Andernfalls sei das erklärte Ziel in Gefahr, die Immunschwächekrankheit Aids bis zum Jahr 2030 als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit beseitigt zu haben.
Jede zweite HIV-Erkrankung zu spät erkannt
Laut dem aktuellen Bericht wurden im Jahr 2024 von insgesamt 106.000 HIV-Diagnosen in der WHO-Region Europa 54 Prozent zu spät gestellt, um noch eine optimale Behandlung gewährleisten zu können. Europa im Sinne der WHO umfasst 53 Staaten von Westeuropa bis nach Zentralasien.
Betrachtet man nur den Europäischen Wirtschaftsraum, also die EU sowie Island, Liechtenstein und Norwegen, so waren es gut 24.000 Diagnosen, von denen immer noch 48 Prozent zu spät erfolgten.
Das führe nicht nur dazu, dass viele Betroffene zu spät Zugang zu lebensrettender Therapie und Versorgung erhielten, sondern erhöhe auch das Risiko, HIV weiterzuverbreiten.
Die beiden Behörden riefen deshalb dazu auf, umfassender auf HIV zu testen und Selbsttests besser zugänglich zu machen. Das Ziel für 2030 im Kampf gegen Aids sei erreichbar – aber nur, wenn sich Europa jetzt bemühe, die Testlücke zu schließen.
HIV-Zahlen in Deutschland und der Welt
Nach Angaben der Vereinten Nationen lebten Ende des Jahres 2024 insgesamt 40,8 Millionen Menschen auf der Welt mit HIV. Mehr als drei Viertel von ihnen hatten Zugang zu geeigneten Medikamenten.
1,3 Millionen Menschen infizierten sich 2024 neu mit dem HI-Virus, und 630.000 Menschen starben an Aids.
In Deutschland infizierten sich laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 2.300 Menschen mit HIV, womit die Zahl der Neuinfektionen um 200 höher lag als im Vorjahr.
Mittelkürzungen bei HIV-Programmen
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft und die Deutsche STI Gesellschaft – Gesellschaft zur Förderung der sexuellen Gesundheit warnen:
Mittelkürzungen bei zahlreichen Programmen für HIV-Prävention und -Behandlung führten dazu, dass Millionen HIV-infizierte Menschen vor allem im globalen Süden künftig nicht mehr ausreichend therapiert werden könnten und dass sich HIV-Infektionen und Aids-Erkrankungszahlen erhöhten.
Die Bedeutung des Rückzugs der US-Regierung aus den globalen HIV-Programmen sei noch nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen. Zudem habe Großbritannien seinen Beitrag zum Global Fund, einer weltweiten Initiative zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, um 15 Prozent auf 850 Millionen Pfund gekürzt, und Deutschland habe seine Unterstützung gar um 23 Prozent auf eine Milliarde Euro verringert.
„Ohne eine verlässliche Versorgung der Betroffenen und eine wirksame Prävention kann sich das HI-Virus wieder stärker ausbreiten“, mahnt Silke Hofmann, Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Eine solche erstarkte HIV-Epidemie werde auch die Gesundheitssysteme hierzulande belasten. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/hiv-erkrankungen-werden-in-europa-oft-erst-spat-erkannt-f97f2298-e4eb-4349-976a-9d76eae07708
https://www.aerzteblatt.de/news/fachgesellschaften-warnen-vor-wiedererstarken-von-hiv-und-aids-a045bdb3-ed49-41d4-86db-09c98b0cee76