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Unterschätzte Gefahr: Waschbärspulwurm – häufiger Parasit in Deutschland

Wie ein Frankfurter Forschungsteam des Verbundprojektes Zowiac (Zoonotische und wildtierökologische Auswirkungen invasiver Carnivoren) kürzlich im Fachmagazin „Parasitology Research“ berichtete, hat sich der Waschbärspulwurm in neun europäischen Ländern etabliert und breitet sich weiter aus.
Die Literaturrecherche der Wissenschaftler ergab das Vorkommen des Spulwurmes bei wildlebenden Waschbären in Deutschland, Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Niederlanden und Polen. Deutschland ist sogar das Hauptverbreitungsgebiet des Parasiten, da der Waschbär als dessen Wirt hierzulande besonders großflächig vorkommt.
Waschbärspulwurm potenziell gefährlich für Menschen
Als Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten aus Amerika importieren Waschbären aus Pelztierfarmen entkamen und sich unkontrolliert über Mitteleuropa verbreiteten, begann auch die europäische „Erfolgsgeschichte“ der parasitär lebenden Fadenwurmart Baylisascaris procyonis.
„Dieser Parasit kann den Menschen infizieren und eine sogenannte Larva migrans verursachen, bei der wandernde Larven Gewebe und Organe schädigen können“, erläutert Studien-Co-Autor Sven Klimpel von der Goethe-Universität Frankfurt und dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.
Menschen infizieren sich durch das versehentliche Verschlucken der Eier, die im Boden, in Gewässern oder auf Gegenständen vorkommen, die mit Waschbärenkot kontaminiert sind. Besonders gefährdet sind kleinere Kinder, da sie sich häufiger in den Mund fassen oder Gegenstände in den Mund nehmen.
Laut der Arbeitsgruppe bleiben wahrscheinlich viele Fälle aufgrund der unspezifischen Symptome unentdeckt oder werden falsch diagnostiziert. Eine eindeutige Diagnose sei derzeit nur bei den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA und Kanada möglich.
Gut zu wissen: Lebenszyklus des Waschbärspulwurms
Im Darm eines ausgewachsenen Waschbären können 200 Waschbärspulwürmer leben, ohne den Wirt wesentlich zu beeinträchtigen. Daraus resultieren Millionen von mikroskopisch kleinen Wurmeiern im Bärenkot, die mitunter jahrelang überleben.
Aus den Eiern entwickeln sich in Zwischenwirten wie Nagern und Vögeln, die von Waschbärenkot kontaminierte Nahrung aufgenommen haben, infektiöse Larven. Sie schlüpfen im Darm, durchdringen die Darmwand und nisten sich in unterschiedlichen Organen oder Geweben ein.
Das Nervensystem der Zwischenwirte kann schwer geschädigt werden und zu Lethargie (Bewusstseinsstörung, mit tiefer Müdigkeit und Antriebslosigkeit), Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Schädigungen der Augen und des Gehirns, Koma und bei stärkerem Befall sogar zum Tod des Tieres führen.
Wenn der Zwischenwirt vom Waschbären erbeutet oder als Aas verzehrt wird, gelangen die Larven in den Darm des Waschbären, wo sie sich zu 15 bis 20 Zentimeter langen Adulten entwickeln, die wiederum Eier legen.
Größere Säugetiere wie Haustiere oder der Mensch können als Zwischenwirte von den Larven befallen werden. Jedoch kommt es bei diesen sogenannten Fehlwirten nicht immer zu gesundheitlichen Auswirkungen.
Studie zeigt Ausbreitung des Waschbärspulwurms
Um die Verbreitung des potenziell gefährlichen Parasiten zu untersuchen, sezierte das Forschungsteam Waschbären aus Deutschland und analysierte ergänzend wissenschaftliche Studien und Befallsdaten aus Europa. „Die Ergebnisse zeigen sowohl eine Ausweitung des Verbreitungsgebiets des Spulwurms sowie ein stabiles Infektionsvorkommen auf hohem Niveau in den deutschen Waschbärpopulationen“, so Klimpel.
Angesichts stetig wachsender Waschbärpopulationen und ihrer zunehmenden Anpassung an städtische Lebensräume hält des Autorenteam weitere Forschung für dringend nötig. Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/waschbarspulwurm-breitet-sich-in-europa-immer-weiter-aus-e5e9e759-f930-48b4-bb98-0b3643b8048d?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_Tagesaktuelle-Nachrichten&utm_content=Mailing_20251223
- Studie: https://link.springer.com/article/10.1007/s00436-025-08611-z
- https://de.wikipedia.org/wiki/Waschbärspulwurm