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Reanimation im Fernsehen oft falsch dargestellt

Frau führt Herzdrcukmassage bei einem Mann aus, der auf dem Boden liegt
Kommt es im häuslichen Umfeld zu einem Herzstillstand, sollten Laien Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen können. | Bild: Studio KIVI / AdobeStock

Manchmal kann man kaum mit ansehen, wie in Kriminalfilmen oder gar Arztserien nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand Reanimationen durchgeführt werden: Patienten liegen auf weichen Untergründen, die bei der Herzdruckmassage nachgeben, oder die Arme des Nothelfers sind abgewinkelt, sodass kein ausreichender Druck aufgebaut werden kann, um die Brust fünf bis sechs Zentimeter tief in Richtung Wirbelsäule zu pressen.

Durch solche und andere Darstellungsfehler droht akute Gefahr – nicht nur für den fiktiven Patienten im Fernsehen, sondern auch für Menschen, die im realen Leben einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden und im schlimmsten Fall von einer am Bildschirm falsch „geschulten“ Person Hilfe erhalten.  

Forschende der Universität Pittsburgh haben Wiederbelebungsversuche im US-Fernsehen analysiert und häufige Darstellungsfehler den tatsächlichen Reanimationsregeln gegenübergestellt.  

Dabei nahmen sie sich Fernsehproduktionen ab 2008 vor – dem Jahr, in dem die American Heart Association (AHA) empfahl, dass Laienhelfer nur noch eine Herzdruckmassage durchführen und auf eine Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten sollen. Dasselbe gilt laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Deutschland. Auch die übrigen Erkenntnisse der US-Forschenden lassen sich auf die Situation hierzulande übertragen.

Reanimationen im TV häufig fehlerhaft dargestellt

Die US-Forschenden analysierten 169 Folgen von Fernsehserien, in denen eine kardiopulmonale Reanimation thematisiert wurde. In 93 Episoden wurde ein außerklinischer Herzstillstand dargestellt, in 85 davon kam es zu Wiederbelebungsmaßnahmen, die zu 58 Prozent von Laien durchgeführt wurden.

Insbesondere die Laien-Reanimationen würden laut den Studienautoren oft falsch dargestellt: Weniger als ein Drittel der Szenen zeige die in den USA empfohlene Vorgehensweise korrekt – also den Notruf und eine unmittelbar beginnende Thoraxkompression ohne vorherige Pulskontrolle oder Beatmung.  

In Deutschland entfallen Pulskontrolle und Beatmung für Laienhelfer ebenfalls, da die Komplexität dieser Vorgänge Umstehende oft hemmt, sodass sie im schlimmsten Fall lieber gar nicht helfen, als möglicherweise etwas falsch zu machen. Außerdem kostet das Auffinden des Pulses Laien oft zu viel Zeit.

Vor dem Notruf prüft der Helfer aber hierzulande, ob der Patient bei Bewusstsein ist und atmet. Sollte das nicht eindeutig erkennbar sein oder den Helfer überfordern, wird mit der Herzdruckmassage begonnen. In manchen Fällen leitet auch die Notrufzentrale den Helfer bei der Atemkontrolle an.

Zur Erinnerung: Drei Schritte der Laien-Reanimation

Ungeschulte Notfallhelfer sollten sich drei Punkte zur Reanimation merken:

  1. Prüfen: Ist die Person bewusstlos und atmet nicht?
  2. Rufen: Notruf 112 wählen.
  3. Drücken: Sofort mit der Herzdruckmassage beginnen und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortsetzen.

Wer mit der Bewusstseins- und Atemkontrolle überfordert ist oder kein eindeutiges Ergebnis erhält, wechselt unverzüglich zu Punkt 2.

Reanimationsort und Alter der Patienten im TV oft unrealistisch

Die Studienautoren bemängeln auch die Verzerrung der epidemiologischen Realität: In den Fernsehserien seien 44 Prozent der reanimierten Personen zwischen 21 und 40 Jahre alt gewesen, während das Durchschnittsalter von Betroffenen in der Realität bei rund 62 Jahren liege; in Deutschland sind es aktuell 69,5 Jahre.

80 Prozent der Kreislaufstillstände im US-Fernsehen ereigneten sich laut Forschungsteam im öffentlichen Raum, während in Wirklichkeit die meisten Vorfälle in den eigenen vier Wänden passieren. So könnten Menschen die Wahrscheinlichkeit unterschätzen, dass sie selbst einmal einen Angehörigen oder Freund zu Hause reanimieren müssen.

„Das kann die öffentliche Wahrnehmung verzerren“, erläutert Ore Fawole, Erstautorin der Studie. „Wenn Zuschauer denken, dass ein Herzstillstand nur in der Öffentlichkeit oder bei jungen Menschen passiert, halten sie eine Reanimationsschulung vielleicht nicht für relevant für ihr eigenes Leben. Aber die meisten Herzstillstände passieren zu Hause, und die Person, die man rettet, ist wahrscheinlich jemand, den man liebt.“

Auch in Deutschland sollte man sich der Bedeutung von Reanimationskenntnissen für die eigene Familie bewusst sein: Laut Deutschem Reanimationsregister fanden im Jahr 2024 mehr als zwei Drittel aller Reanimationen in Wohnungen statt und nur 15,8 Prozent in der Öffentlichkeit.

Gut zu wissen: Reanimationszahlen in Deutschland

Dem Deutschen Reanimationsregister zufolge wurden 2024 hierzulande insgesamt 64,2 Wiederbelebungsversuche pro 100.000 Einwohner durchgeführt. Außerhalb eines Krankenhauses wurden mindestens 54.000 Menschen nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand reanimiert.

Der durchschnittliche Patient war knapp 70 Jahre alt; sehr junge Betroffene unter 18 Jahren wurden selten reanimiert (1,2 Prozent). Der Anteil der über 80-Jährigen lag bei 32,6 Prozent. Knapp 65 Prozent der Reanimierten waren Männer, gut 35 Prozent Frauen.

Laut BZgA betrug die Überlebensrate der Betroffenen im Jahr 2021 nur etwa elf Prozent und ließe sich verdoppeln bis verdreifachen, wenn mehr Menschen unverzüglich Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten würden. Auch die Aufnahme der Patienten in Pflegeheime nach der Reanimation könnte deutlich reduziert werden.

Laut Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, liegt die Quote der durch Ersthelfer behandelten Herz-Kreislauf-Stillstände zurzeit bei 55 Prozent. Vor 15 Jahren seien es nur 17 Prozent gewesen. Diese schon sehr gute Entwicklung bleibe allerdings noch weit hinter skandinavischen Quoten von rund 80 Prozent zurück.

Keine Darstellung von Defibrillatoren im TV

Aus Sicht von Jan-Thorsten Gräsner sind medizinisch ungenaue Darstellungen in fiktionalen Formaten grundsätzlich keine Überraschung.

Er sieht die größten Probleme jedoch an anderer Stelle als die US-Autoren, unter anderem in der Kürze der Reanimationen: „Da wird fünfmal gedrückt und danach ist gut.“ Dadurch werde suggeriert, dass eine Reanimation entweder sofort erfolgreich oder rasch aussichtslos sei. In der Realität müsse aber oft über mehrere Minuten reanimiert werden, bis der Rettungsdienst eintreffe.  

Hinzu komme die falsche Technik. „Es wird falsch gedrückt: Drucktiefe, Druckfrequenz, Druckpunkt.“ Dadurch entstehe ein insgesamt falscher Eindruck von Ablauf und Anforderungen einer Wiederbelebung.

Was zu Gräsners Bedauern in filmischen Darstellungen völlig fehlt, ist der Einsatz automatisierter externer Defibrillatoren (AED). „Eine entsprechende Szene habe ich im Fernsehen noch nie gesehen“, so der Mediziner. Dabei seien Defibrillatoren ausdrücklich für Laien gedacht und vielerorts verfügbar.

Die Wirkung der verzerrten Darstellung von Reanimationen im Fernsehen beurteilt der Mediziner ähnlich kritisch wie die Studienautoren aus Pittsburgh: „Menschen ohne Ahnung von Reanimation bekommen dadurch ein falsches Bild. Ich glaube tatsächlich, das schadet eher.“ Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/fernsehserien-zeigen-reanimation-oft-falsch-d193e3c5-53f3-4c00-83da-110b30642fd5?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_Tagesaktuelle-Nachrichten&utm_content=Mailing_20260128
- https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCOUTCOMES.125.012657
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Broschueren/BZgA-Wiederbelebung-Infoblatt_2022_barr.pdf
- https://stiftung.adac.de/aktualisierte-grc-leitlinien/
- https://www.reanimationsregister.de/downloads/oeffentliche-jahresberichte/oeffentliche-jahresberichte-ausserklinische-reanimation/373-ausserklinischer-jahresbericht-2024/file.html