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Sympathielücke: Warum andere einen mehr mögen, als man denkt

Die meisten kennen es: Man wird jemandem vorgestellt, unterhält sich einige Minuten und hat anschließend das Gefühl, in dem Gespräch nicht gut performt zu haben.
Habe ich zu lang von mir selbst gesprochen und zu wenig nachgefragt? War ich schlagfertig und charmant genug? Warum habe ich den Witz nicht lustiger erzählt oder meine Geschichte schneller zum Ende gebracht? Das sind typische Fragen, die man sich häufig selber stellt.
So kommen Menschen schnell zu der Einschätzung, sie hätten unsympathisch auf den Gesprächspartner gewirkt: Sie sind gefangen in der Sympathielücke.
Dabei ist es völlig normal, in Gesprächen mit unbekannten Personen etwas überfordert und nervös zu sein und sich nicht so locker und gewandt ausdrücken zu können, wie man es mit Bekannten oder Freunden tun würde.
Wie kommt es zu dieser oftmals belastenden Fehleinschätzung, und wie lässt sich diese Sympathielücke („Liking Gap“) überwinden? Dazu hat die Forschung verschiedene Ansätze.
Das Konzept der Sympathielücke
Die Bezeichnung „Liking Gap“ wurde 2018 von einem Forschungsteam um Erica J. Boothby von der Cornell University im US-Bundesstaat New York geprägt.
Die Wissenschaftler hatten in verschiedenen Gesprächsexperimenten festgestellt, dass die tatsächliche Sympathie auf einer Punkteskala stets höher lag als die wahrgenommene. Die Selbsteinschätzung bei besonders zurückhaltenden Gesprächsteilnehmenden wich noch stärker ab. Neutrale Beobachter konnten die Sympathie zwischen den Gesprächspartnern dagegen korrekt einschätzen.
Hinzu kam eine sogenannte „Enjoyment Gap“: Die Teilnehmenden glaubten, selbst mehr Freude am Gespräch gehabt zu haben als ihr Gegenüber.
Forschungen eines weiteren US-Teams aus dem Jahr 2025 bestätigen die Ergebnisse, und zwar unabhängig davon, ob die Gespräche persönlich, als Videochat oder per Textnachricht stattfanden.
Mögliche Erklärungen für die Sympathielücke
Die Gründe für die Sympathielücke sind nicht geklärt, zumal das Phänomen im Widerspruch zu Erkenntnissen steht, wonach Menschen oft ein zu optimistisches Bild von sich selbst haben. Diskutiert werden jedoch verschiedene Erklärungsansätze:
Vorhandene positive Signale des Gegenübers wie Lächeln, Nicken oder Blickkontakt werden in der Stresssituation des Gesprächs übersehen oder als reine Höflichkeit statt echter Sympathiebezeugung interpretiert.
Auch neigen viele Menschen dazu, an sich selbst höhere Ansprüche zu stellen als an andere, und sind deshalb mit ihrer „Leistung“ im Gespräch unzufrieden. Manche Personen nehmen fälschlicherweise an, der Gesprächspartner würde Nervosität und kleine Ungeschicklichkeiten sofort erkennen, was in Wirklichkeit nur selten der Fall ist.
Man selbst sendet viele positive Signale, die jedoch unbewusst ablaufen und deshalb bei der Selbsteinschätzung nicht positiv berücksichtigt werden.
Tipps zur Vermeidung der Sympathielücke
Wer die „Liking Gap“ überwinden möchte, kann verschiedene Strategien anwenden:
- Wenn man das Gefühl hat, ein Gespräch sei nicht gut gelaufen, sollte man sich das Thema der Sympathielücke aktiv in Erinnerung rufen: Wahrscheinlich gibt es gar keinen Grund zur Sorge.
- Abhaken statt nachhaken: Ein Gespräch immer wieder im Kopf durchzuspielen, macht die Sorge um die eigene Außenwirkung nur schlimmer.
- Nicht so streng mit sich sein: Indem man die innere Selbstkritik reduziert, kann man Sympathie, die einem entgegengebracht wird, leichter erkennen und annehmen.
- Wer sich trotz des Wissens um die „Liking Gap“ unsicher fühlt, kann Freunden von dem Gespräch erzählen und um eine Einschätzung bitten. In den meisten Fällen werden diese gar nicht verstehen, was daran schlimm gewesen sein soll.
- Und falls wirklich einmal ein Gespräch danebengegangen ist: Davon geht die Welt nicht unter! Beim nächsten Mal klappt es wieder – erst recht, wenn man die Sympathielücke berücksichtigt.
Auf diese oder ähnliche Weise gegen das Phänomen der falschen Selbsteinschätzung vorzugehen, kann von großer Bedeutung für das Sozialleben sein. Andernfalls, wie die beiden US-Forschungsteams herausfanden, kann die „Liking Gap“ dazu führen, dass sich Menschen weniger öffnen, was die Entwicklung tieferer Bindungen stört. Quellen:
- https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/psychologie-warum-wir-auf-mitmenschen-oft-freundlicher-wirken-als-wir-selbst-vermuten-a-c3f9e2e0-48f1-4633-a934-f3d65bc4feb1
- https://www.esquire.de/news/gesellschaft/psychologie-liking-gap-unsympathisch-rueberkommen
- https://www.chip.de/news/forschung-wissen/studien-zeigen-andere-schaetzen-uns-tatsaechlich-mehr-als-wir-vermuten_2d5814b4-9b18-456e-a6d0-03d87e66c7b3.html