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Brustkrebs: kein erhöhtes Risiko durch Schwanger­schafts­abbrüche

junge, dunkelhaarige Frau sitzt mit in die Hände gestütztem Kopf auf einem weißen Sofa
Ein Schwangerschaftsabbruch hat keinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. | Bild: fizkes / AdobeStock

Eine unter Abtreibungsgegnern weit verbreitete Behauptung, die sogenannte „abortion–breast cancer hypothesis“ besagt, Schwangerschaftsabbrüche würden das Risiko erhöhen, im Lauf des Lebens an Brustkrebs zu erkranken.  

Diese Hypothese fußt auf den – wissenschaftlich anerkannten – Beobachtungen, dass das Brustkrebsrisiko vor allem in den ersten Jahren nach einer Schwangerschaft ansteigt, jedoch mit der Zahl der Schwangerschaften und der Länge der Stillphasen langfristig sinkt.

Dass im Umkehrschluss eine abgebrochene Schwangerschaft das Brustkrebsrisiko erhöhe, hat bereits eine 2004 veröffentlichte Analyse von 53 Studien mit 83.000 Brustkrebspatientinnen aus 16 Ländern widerlegt. 

Diese basierte jedoch ausschließlich auf Selbstauskünften zu den Schwangerschaften, was die Gefahr von Verzerrungen birgt, und berücksichtigte den Einfluss von ungewollten Schwangerschaftsabbrüchen nicht.

Diese methodischen Mängel eliminierten die Forscher von der Universität Helsinki nun mithilfe der in Finnland existierenden Register für Medikamentenverordnungen, Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten: Das Team um Oskari Heikinheimo wertete die Daten aller 31.687 Frauen aus, die nach 1955 in Finnland geboren und zwischen 1972 und 2022 an Brustkrebs erkrankt waren.  

Jeder Brustkrebspatientin wurden fünf nicht erkrankte Frauen als Kontrollgruppe gegenübergestellt. Daten über den sozioökonomischen Status lieferte die nationale Statistikbehörde.  

Auch wenn andere Risikofaktoren wie Adipositas, Alkoholkonsum, Rauchen und Bewegungsmangel nicht berücksichtigt werden konnten, war die Grundlage für einen Vergleich nach Ansicht der Forscher günstig.

Brustkrebsrisiko durch Schwangerschaftsabbrüche nicht erhöht

Die landesweite finnische Fallanalyse lieferte im Wesentlichen die folgenden Ergebnisse, wobei die Abweichungen zwischen Frauen mit und ohne Schwangerschaftsabbruch jeweils unter der Signifikanzgrenze lagen:

  • Das Risiko für ein Mammakarzinom war bei prämenopausalen Frauen mit einem gewollten Schwangerschaftsabbruch in der Vorgeschichte exakt so hoch wie bei Frauen ohne gewollt beendete Schwangerschaft. Bei den postmenopausalen Frauen war das Risiko nach einem gewollten Schwangerschaftsabbruch sogar um fünf Prozent niedriger.
  • Auch Fehlgeburten hatten keinen Einfluss auf das spätere Krebsrisiko: Das Risiko war bei Frauen vor der Menopause um zwei Prozent höher als in der Vergleichsgruppe und bei Frauen nach der Menopause um acht Prozent niedriger.  
  • Weder die Anzahl der Abtreibungen noch die Zahl der Fehlgeburten noch das Alter der Frau bei der ersten Abtreibung oder Fehlgeburt veränderten das jeweilige Risiko.

Bedeutung der neuen Brustkrebsstudie

Die Ergebnisse der neuen Studie bestätigen die „abortion–breast cancer hypothesis“ nicht: Ein frühzeitiger Schwangerschaftsabbruch, ob medizinisch induziert oder ungewollt als Fehlgeburt, hatte keinen Einfluss auf das spätere Brustkrebsrisiko.  

Dies könnte Frauen einerseits helfen, eine selbstbestimmte und faktenbasierte Entscheidung in Bezug auf eine Abtreibung zu treffen, und andererseits Frauen, die eine oder mehrere Fehlgeburten erlitten haben, die Angst vor einem erhöhten Brustkrebsrisiko nehmen. Quelle:
https://obgyn.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aogs.70154