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Gürtelrose-Impfstoff: Shingrix jetzt als Fertigspritze

Die Impfung gegen Gürtelrose gehört inzwischen zu den wichtigsten Schutzimpfungen für ältere Menschen und Risikopatienten. Der Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) bringt seinen Totimpfstoff Shingrix® nun zusätzlich als Fertigspritze auf den Markt.
Bislang bestand der Impfstoff aus zwei getrennten Komponenten: einem Pulver mit Antigen und einer Suspension mit Wirkverstärker, dem sogenannten Adjuvans. Beide Bestandteile mussten vor der Impfung zunächst zusammengemischt werden. Dieser Schritt entfällt nun bei der Fertigspritze.
Shingrix als Fertigspritze erleichtert die Gürtelrose-Impfung
Die neue Fertigspritze ist direkt gebrauchsfertig und mit einem Luer-Lock-System ausgestattet. Dadurch lässt sich die Kanüle sicher befestigen. Vor allem in Praxen oder Einrichtungen mit vielen Impfungen könnte die neue Darreichungsform den Ablauf vereinfachen und Zeit sparen.
Nach Angaben des Herstellers sollen durch die Fertigspritze außerdem mögliche Fehler beim Rekonstituieren vermieden werden. Die bisherige Darreichungsform bleibt zunächst noch verfügbar, soll langfristig aber ersetzt werden. In einer Übergangszeit werden beide Varianten parallel ausgeliefert.
Auch bei der Lagerung gibt es praktische Vorteile. Die Fertigspritze muss wie bisher gekühlt bei 2 bis 8 Grad Celsius gelagert werden. Außerhalb des Kühlschranks bleibt der Impfstoff jedoch bis zu 72 Stunden bei Temperaturen zwischen 8 und 37 Grad stabil. Die Haltbarkeit beträgt drei Jahre.
Die bisherige Injektionssuspension musste dagegen nach dem Zusammenmischen sofort verwendet werden. Im Kühlschrank war sie nach der Zubereitung maximal sechs Stunden haltbar.
Zur Erinnerung: Was hinter Herpes zoster steckt
Die Gürtelrose – medizinisch Herpes zoster genannt – wird durch das Varizella-zoster-Virus ausgelöst. Dieses Virus verursacht zunächst Windpocken.
Nach der Erstinfektion verschwindet der Erreger nicht vollständig aus dem Körper. Stattdessen zieht sich das Virus in bestimmte Nervenzellen zurück und kann dort über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte unbemerkt schlummern.
Erst wenn das Immunsystem schwächer wird oder stark belastet ist, kann das Virus erneut aktiv werden. Mögliche Auslöser sind unter anderem höheres Alter, Stress, chronische Erkrankungen oder intensive UV-Strahlung.
Gürtelrose ist somit keine neue Erstinfektion, sondern sie entsteht immer durch die Reaktivierung eines bereits vorhandenen Virus. Wer noch nie Kontakt mit dem Varizella-zoster-Virus hatte, erkrankt bei einer Erstinfektion zunächst an Windpocken und nicht direkt an Gürtelrose.
Typisch für eine Gürtelrose sind brennende Nervenschmerzen und ein meist einseitiger Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Besonders gefürchtet ist die sogenannte postzosterische Neuralgie. Dabei bleiben starke Nervenschmerzen über Wochen, Monate oder sogar dauerhaft bestehen.
Wie die Gürtelrose-Impfung schützt
Viele Menschen erinnern sich gar nicht mehr daran, ob sie als Kind Windpocken hatten. Tatsächlich verlief die Erkrankung früher oft mild oder unbemerkt. Trotzdem tragen die meisten Erwachsenen das Virus bereits in sich.
Genau hier setzt die Impfung an. Der Totimpfstoff enthält bestimmte Virusbestandteile, die selbst keine Erkrankung auslösen können. Zusätzlich sorgt ein Wirkverstärker dafür, dass das Immunsystem besonders aufmerksam auf das Virus reagiert.
Dadurch erkennt der Körper das Virus später schneller und kann besser verhindern, dass es erneut aktiv wird. So sinkt das Risiko für eine Gürtelrose und mögliche Komplikationen deutlich.
Deshalb gilt die Impfempfehlung auch dann, wenn die Windpocken-Anamnese unklar ist. Eine vorherige Testung auf Windpocken-Antikörper ist in der Regel nicht notwendig.
Hohe Schutzwirkung der Gürtelrose-Impfung
Die Wirksamkeit des Impfstoffs gilt als hoch. In den zulassungsrelevanten Studien zeigte sich bei Personen ab 50 Jahren eine Schutzwirkung von 97,2 Prozent im Vergleich zu Placebo.
Selbst bei Menschen über 80 Jahren erkrankten Geimpfte deutlich seltener an Gürtelrose. Das Risiko war in den Studien um mehr als 90 Prozent reduziert.
Der Impfschutz hält nach aktuellen Daten bis zu zehn Jahre an. Für die empfohlenen Personengruppen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Impfung.
Welche Nebenwirkungen können bei der Gürtelrose-Impfung auftreten?
Wie bei anderen Impfungen können auch nach der Gürtelrose-Impfung typische Impfreaktionen auftreten. Häufig sind Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf- oder Muskelschmerzen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen wieder ab.
Schwere Nebenwirkungen gelten als selten. Beobachtet wurde ein geringfügig erhöhtes Risiko für ein Guillain-Barré-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine seltene neurologische Erkrankung. Laut aktuellen Daten treten etwa drei Fälle pro einer Million verabreichter Impfstoffdosen auf.
Neue Darreichungsform bringt Vorteile im Impfalltag
Mit der neuen Fertigspritze wird die Anwendung der Gürtelrose-Impfung einfacher und flexibler. Gleichzeitig bleibt die Prävention gegen Herpes zoster ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge im Erwachsenenalter. Besonders ältere Menschen und Risikopatienten können von der Impfung profitieren und schwere Komplikationen vermeiden. Quellen:
- https://www.fachinfo.de/fi/pdf/025755/shingrix-injektionssuspension-in-einer-fertigspritze
- https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/04/23/shingrix-jetzt-auch-als-fertigspritze
Gut zu wissen: Wem empfiehlt die STIKO die Gürtelrose-Impfung?
Zugelassen ist der Impfstoff für alle Erwachsenen ab 50 Jahren. Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Herpes-zoster-Erkrankung können bereits ab 18 Jahren geimpft werden.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Gürtelrose-Impfung als Standardimpfung für alle Personen ab 60 Jahren. Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sollen bereits früher geimpft werden.
Dazu zählen beispielsweise Patienten mit chronischen Erkrankungen, Tumorerkrankungen oder immunsuppressiver Therapie. Ziel der Empfehlung ist es, schwere Krankheitsverläufe und langfristige Nervenschmerzen zu verhindern.
Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfstoffdosen zu jeweils 0,5 Millilitern. Zwischen der ersten und zweiten Impfung sollen in der Regel zwei Monate liegen.
Die zweite Dosis kann bei Bedarf auch später verabreicht werden. Möglich ist ein Abstand von bis zu sechs Monaten – gerade während früherer Lieferengpässe wurde dieses erweiterte Zeitfenster häufiger genutzt.