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Multimorbidität: Viele Deutsche haben mehrere Krankheiten

Ärztin hält Medikamentenschachtel in der Hand und erklärt Patient etwas
Ab 50 Jahren hat fast die Hälfte der Bevölkerung mindestens zwei chronische Erkrankungen. | Bild: Alexander Raths / AdobeStock

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) informiert auf der Webseite www.versorgungsatlas.de regelmäßig über aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen.  

Kürzlich erschien der Bericht „Multimorbidität bei Menschen ab 50 Jahren – zeitliche Trends und regionale Variation“, der das gleichzeitige Auftreten von mehreren chronischen Erkrankungen bei Menschen ab 50 Jahren in Deutschland analysiert.

Die Datengrundlage bildeten deutschlandweite krankenkassenübergreifende vertragsärztliche Abrechnungsdaten aus den Jahren 2015 bis 2024, die für die Untersuchung pseudonymisiert wurden.  

Die Wissenschaftler bezogen alle Versicherten ab 50 Jahren in die Analyse ein, die im betreffenden Zeitraum mindestens einmal Kontakt mit einem Vertragsarzt hatten.

Multimorbidität ist in Deutschland häufig

Das Autorenteam um Dr. Jakob Holstiege ermittelte die Häufigkeit des gemeinsamen Auftretens mehrerer chronischer Erkrankungen – aus einem Pool von insgesamt 19 Krankheiten – unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Wohnkreis und sozioökonomischem Umfeld.  

Die Analyse ergab die folgenden Ergebnisse:

Im Jahr 2024 waren 45 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer im Alter von 50 bis 59 Jahren von mindestens zwei chronischen Erkrankungen betroffen. Der Anteil nahm mit steigendem Alter kontinuierlich zu.

Über zehn Beobachtungsjahre wuchs vor allem die Multimorbidität in der Ausprägung von fünf oder mehr Krankheiten: Sie nahm bei Frauen um zwölf und bei Männern um 14 Prozent zu.

Versicherte in Wohnkreisen mit niedrigerem sozioökonomischem Standard waren häufiger von Multimorbidität betroffen als Menschen in weniger benachteiligten Regionen. Unabhängig davon gab es in Ostdeutschland höhere Fallzahlen als in Westdeutschland.  

Über alle Altersklassen ab 50 Jahren hinweg variierte die Prävalenz von zwei Erkrankungen oder mehr auf Ebene der deutschen Kreise zwischen 49 Prozent im baden-württembergischen Landkreis Reutlingen und 76 Prozent im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster.  

Große zusammenhängende Gebiete mit Werten im Bereich der untersten 25 Prozent zeigten sich in nahezu der gesamten Fläche Baden-Württembergs, in der Region Westfalen-Lippe und im Süden Bayerns. Die ostdeutschen Kreise fielen dagegen nahezu vollständig in den Bereich der höchsten 25 Prozent der Prävalenzwerte.

Folgerungen aus der Multimorbiditätsanalyse

„Multimorbidität beginnt früher, als vielfach angenommen wird“, kommentierte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried die Ergebnisse der Untersuchung.  

Vor allem die starke Zunahme bei Menschen mit einer größeren Zahl unterschiedlicher Erkrankungen werde die ambulante medizinische Versorgung in Zukunft vor große Herausforderungen stellen. Quellen:
https://www.versorgungsatlas.de/fileadmin/ziva_docs/158/VA-26-01-Multimorbiditaet-End.pdf
https://www.aerzteblatt.de/news/multimorbiditat-ab-50-jahren-weit-verbreitet-03dcf72d-0d1e-4809-8343-8bdaebbb7545