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Umfrage: Arbeitszeit in Apo­theken oft nicht korrekt erfasst

Arbeitszeiterfassungsanlage, davor wird mit der Hand ein Chip gehalten
Wie erfolgt die Arbeitszeiterfassung und der Umgang mit Überstunden in öffentlichen Apotheken? | Bild: IMAGO / epd

Weil der Arbeitsalltag in Apotheken in vielen Fällen von Personalmangel und Überstunden geprägt ist, fordert die Adexa seit Langem eine verlässliche Arbeitszeiterfassung sowie einen fairen Umgang mit Überstunden.  

Um zu ermitteln, wie der Umgang mit der Arbeitszeit von Apothekenmitarbeitern tatsächlich aussieht, hat die Apothekengewerkschaft 1.123 Angestellte zu diesem Thema befragt.  

Die Antworten förderten deutliche Lücken zwischen erfasster und tatsächlicher Arbeit sowie Defizite bei der Umsetzung tariflicher Regelungen zutage. Meist positiv wurden dagegen die Themen Planungssicherheit und Freizeitausgleich bewertet.

Datenbasis der Adexa-Umfrage

Die größte Teilnehmergruppe waren PTA mit 46,6 Prozent. Apotheker kamen auf 27,8 Prozent, PKA und verwandte Berufsgruppen auf 11,2 Prozent.  

Altersmäßig dominierten die Gruppen der 50- bis 59-Jährigen mit 28,5 Prozent und der 40- bis 49-Jährigen mit 26,5 Prozent. Besonders viele Antworten kamen aus Bayern, Nordrhein, Westfalen-Lippe und Baden-Württemberg.

Die Umfrage ist nicht repräsentativ: Da nicht alle Fragen für jede befragte Person zutrafen oder beantwortet wurden, schwankt die Zahl der Antworten je Frage stark. Bei weniger als 500 Antworten rät die Adexa zur Vorsicht bei der Interpretation.

Arbeitszeit in Apotheken: Meist keine konsequente Zeiterfassung

Mit 48,4 Prozent gibt knapp die Hälfte von 1.085 auf diese Frage antwortenden Angestellten an, dass ihre Arbeitszeit von der Apothekenleitung erfasst wird. Fast ebenso viele Beschäftigte, nämlich 48,2 Prozent, berichteten jedoch, dass dies in ihrem Betrieb nicht geschieht.  

Und selbst dort, wo es eine Arbeitszeiterfassung gibt, werden bestimmte Tätigkeiten offenbar häufig nicht berücksichtigt:  

Von 468 Antwortgebern werden nur bei 18,2 Prozent die Zeiten für Vor- und Nacharbeiten wie Hochfahren der Computer, Vorbereitung der Arbeitsplätze oder den Kassenabschluss nach Ladenschluss erfasst.  

Dagegen berichteten 23 Prozent, dies sei in ihrer Apotheke nicht der Fall. Bei allen anderen Teilnehmenden spielen Vor- und Nacharbeiten keine Rolle.

Auch bei verpflichtenden Fortbildungen ergibt sich kein einheitliches Bild: Bei 33 Prozent von ebenfalls 468 Antwortgebern werden angeordnete Fortbildungen bei der Arbeitszeiterfassung berücksichtigt, bei 8,7 Prozent geschieht dies nicht.

Etwas positiver fällt das Ergebnis bei Teambesprechungen aus, hier auf Basis von 466 Antworten: 36,4 Prozent aller Teilnehmenden gaben an, dass die dafür aufgewendete Zeit erfasst wird, bei 5,1 Prozent ist dies nicht der Fall.

Die meisten Apothekenmitarbeiter haben Planungssicherheit

Tendenziell positiv fielen die Antworten auf die Frage nach Planungssicherheit aus: 69,6 Prozent der Beschäftigten gaben an, feste Arbeitszeiten zu haben, und „nur“ 30,4 Prozent berichteten von häufigen, teils kurzfristigen Änderungen der Dienstpläne.  

Außerdem werden bei 63,2 Prozent der Angestellten persönliche Anliegen bei der Dienstplanung berücksichtigt. Lediglich 4,4 Prozent berichteten, dass auf ihre Wünsche kaum Rücksicht genommen wird.  

Da bei diesem Fragenkomplex Mehrfachantworten möglich waren, addieren sich die Werte nicht auf 100 Prozent, sodass sich keine Gesamtzahl der Antwortgeber angeben lässt.

In Apotheken funktioniert Freizeitausgleich besser als Mehrarbeitszuschläge

Die Frage, ob Überstunden durch Freizeit oder monetär vergütet werden, beantworteten nahezu 100 Prozent der Umfrageteilnehmenden.  

86,6 Prozent gaben an, dass zusätzliche Arbeitsstunden üblicherweise durch Freizeitausgleich kompensiert werden. Eine finanzielle Vergütung erhalten 15,1 Prozent (es gab also Mehrfachantworten von Angestellten, die beides erhalten).  

Für 2,9 Prozent der Beschäftigten gibt es nach eigener Aussage überhaupt keinen Ausgleich für geleistete Überstunden, was die Adexa scharf verurteilt.

Noch kritischer sieht die Gewerkschaft die Situation bei tariflichen Zuschlägen für Mehrarbeit: Nur 5,3 Prozent von 768 Antwortgebern kreuzten an, dass entsprechende Zuschläge nach § 8 des Bundesrahmentarifvertrags in ihrer Apotheke tatsächlich gezahlt werden.  

Demgegenüber berichteten 63,1 Prozent, keine Mehrarbeitszuschläge zu erhalten. Für rund ein Viertel der Teilnehmenden trifft die Regelung nach eigener Aussage nicht zu.

Übrigens arbeiten viele Apotheken weiterhin nach klassischen Arbeitszeitmodellen: Von 1.055 Personen, die hierzu eine Antwort gaben, besitzen nur 44,2 Prozent ein Jahresarbeitszeitkonto, während 49,8 Prozent dies verneinen.

Adexa: Bestehende Lücke zwischen erfasster und tatsächlicher Arbeit 

Die Apothekengewerkschaft fasst die Ergebnisse ihrer Umfrage wie folgt zusammen:  

„Während Dienstplanung und Teamabsprachen vielerorts vergleichsweise gut funktionieren, zeigen sich bei der Arbeitszeiterfassung und beim Umgang mit Mehrarbeit erhebliche Defizite.  

Vor- und Nacharbeiten bleiben häufig unberücksichtigt, tarifliche Mehrarbeitszuschläge kommen nur selten an. Die Ergebnisse legen nahe, dass zwischen offizieller Arbeitszeit und tatsächlicher Belastung weiterhin eine große Lücke besteht.“ Quelle:
- https://www.adexa-online.de/aktuelles/detailansicht/news/arbeitszeit-in-apotheken-zwischen-festen-strukturen-und-unsichtbarer-mehrarbeit