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STADA Health Report 2026: KI in der Gesundheits­versorgung: Beratung bleibt unverzichtbar

KI gewinnt immer mehr an Bedeutung – auch im Bezug auf die eigene Gesundheit. | Bild: Niels Starnick / BILD

Immer mehr Menschen nutzen Künstliche Intelligenz (KI), wenn es um ihre Gesundheit geht – sei es zur Information, für die Einschätzung von Symptomen und Diagnosen oder zur Unterstützung im Alltag. Gleichzeitig wünschen sie sich weiterhin den persönlichen Kontakt zu Ärztinnen, Ärzten und Apothekenteams. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle STADA Health Report 2026, der Anfang Juli in Berlin vorgestellt wurde. Im Anschluss diskutierten Vertreter aus Politik, Medizin, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft darüber, wie KI die Gesundheitsversorgung künftig verändern kann.

Immer mehr Menschen setzen auf KI

Der STADA Health Report zeigt, dass KI inzwischen im Alltag vieler Menschen angekommen ist: 47 Prozent der Deutschen nutzen bereits Anwendungen mit KI für Gesundheitsfragen. Gleichzeitig geben 81 Prozent an, dass sie grundsätzlich offen dafür sind, KI künftig in ihre persönliche Gesundheitsversorgung einzubinden. Grundlage des Reports ist eine repräsentative Online-Befragung in 20 europäischen Ländern mit insgesamt knapp 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Für STADA-CEO Peter Goldschmidt spiegelt diese Entwicklung einen grundlegenden Wandel wider. Bei der Vorstellung des Reports betonte er, dass Patienten ihre Gesundheit heute aktiver selbst in die Hand nähmen als noch vor wenigen Jahren. Genau dieses veränderte Gesundheitsverhalten wolle der Report sichtbar machen und als Grundlage für die Diskussion mit Politik, Verbänden und Leistungserbringern nutzen. „Wir wollen verstehen, was die Menschen bewegt. Daten und Fakten sollen die Basis dafür sein, wie wir das Gesundheitssystem weiterentwickeln“, so Goldschmidt.

Gesundheitskompetenz steigt – Unzufriedenheit mit dem System ebenfalls

Parallel zur zunehmenden Eigeninitiative wächst allerdings auch die Kritik am deutschen Gesundheitssystem. Nur noch 63 Prozent der Deutschen sind mit der Gesundheitsversorgung zufrieden – fünf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und sogar 17 Prozentpunkte weniger als noch 2020. Als größte Herausforderungen nennen die Befragten den Fachkräftemangel und die damit verbundenen langen Wartezeiten. Ebenfalls häufig genannt werden die alternde Bevölkerung und die Zunahme psychischer Erkrankungen.

KI soll entlasten, nicht ersetzen

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde schnell deutlich, dass KI von den Expertinnen und Experten vor allem als Unterstützung verstanden wird – nicht als Ersatz für medizinisches Personal. Mit auf dem Podium diskutierten unter anderem Prof. Dr. Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung, Prof. Dr. Carolin Victoria Schneider (RWTH Aachen), Dr. Markus Blumenthal-Beier vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband, Dr. Wiebke Löbker vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Dr. Martin Krasney vom GKV-Spitzenverband sowie STADA-CEO Peter Goldschmidt.

Ein wiederkehrendes Thema war die Frage, wie KI sinnvoll in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden kann. Dabei bestand weitgehend Einigkeit: Digitale Anwendungen können Prozesse vereinfachen, Bürokratie abbauen und medizinisches Personal entlasten. Die eigentliche medizinische Entscheidung und die persönliche Betreuung sollen jedoch weiterhin beim Menschen liegen.

Diese Einschätzung deckt sich mit den Ergebnissen des Reports. Zwar befürworten 54 Prozent der Deutschen den Einsatz von KI beispielsweise bei Terminorganisation oder Nachsorge, eine Diagnose ausschließlich durch eine KI ohne ärztliche Kontrolle lehnen jedoch 46 Prozent grundsätzlich ab. Größte Sorgen bleiben Fehldiagnosen, Datenschutz und eine zunehmende Abhängigkeit von der Technologie.

Apotheke vor Ort bleibt wichtiger Vertrauenspartner

Trotz der Offenheit gegenüber digitalen Angeboten wünschen sich die Menschen weiterhin persönliche Ansprechpartner. 57 Prozent möchten Apothekerinnen, Apotheker oder PTA auch künftig persönlich sehen. 28 Prozent kaufen rezeptfreie Produkte am liebsten im Versandhandel (international: 20 Prozent). Nur 19 Prozent gehen davon aus, dass medizinisches Fachpersonal in Zukunft an Bedeutung verlieren wird.

Auch dieses Thema spielte während der Diskussion eine wichtige Rolle. Die Digitalisierung werde das Gesundheitswesen verändern, könne aber Vertrauen, Erfahrung und individuelle Beratung nicht ersetzen. Vielmehr gehe es darum, digitale Werkzeuge so einzusetzen, dass mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung bleibt.

Gesundheitsdaten: Offenheit mit Bedingungen

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Bereitschaft der Bevölkerung, persönliche Gesundheitsdaten für digitale Anwendungen bereitzustellen. Die Diskussion zeigte: Viele Menschen erkennen den Nutzen datenbasierter Anwendungen durchaus an – vorausgesetzt, Datenschutz, Transparenz und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Informationen sind gewährleistet.

Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen technischer Innovation und Vertrauen sehen die Diskutierenden eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre.

STADA Health Report 2026 – Das Wichtigste auf einen Blick

  • 47 Prozent der Deutschen nutzen bereits KI für Gesundheitsfragen.
  • 81 Prozent stehen einem künftigen KI-Einsatz in ihrer Gesundheitsversorgung offen gegenüber.
  • 63 Prozent sind noch mit dem deutschen Gesundheitssystem zufrieden – ein neuer Tiefstand seit Beginn der Erhebung.
  • 69 Prozent sehen den Fachkräftemangel als größte Herausforderung.
  • 57 Prozent möchten Apothekerinnen, Apotheker oder PTA weiterhin persönlich konsultieren.
  • 28 Prozent kaufen OTC-Präparate im Versandhandel.
  • Nur 19 Prozent erwarten, dass medizinisches Fachpersonal künftig an Bedeutung verliert.