Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

5 min merken gemerkt Artikel drucken

Tour de France: Womit wird im Radsport eigentlich gedopt?

Bei der Tour de France 2026 gab es mehrere verletzungsbedingte Abbrüche. Welche Rolle spielten dabei nächtliche Dopingkontrollen und welche Wirkstoffe werden eingesetzt? | Bild: A.S.O. / Charly Lopez Tour de France

Während der diesjährigen Tour de France bestimmten nicht nur sportliche Höchstleistungen die Schlagzeilen: Vor allem nächtliche Dopingkontrollen waren ein großes Thema. Fahrer berichteten von unterbrochenem Schlaf und kritisierten das erhöhte Unfallrisiko, nachdem einzelne Profis nach nächtlichen Kontrollen auf Trainingsfahrten und während der Tour gestürzt waren. Doch warum finden Dopingkontrollen überhaupt sehr früh morgens oder spät abends und in der Nacht statt – und welche Arzneistoffe spielen im Radsport eigentlich eine Rolle?

Warum finden Dopingkontrollen auch nachts statt?

Leistungssportler, die dem internationalen Testpool angehören, müssen ihren Aufenthaltsort jederzeit angeben. Anti-Doping-Organisationen dürfen sie unangekündigt kontrollieren – auch früh morgens oder spät abends. Der Grund ist einfach: Viele verbotene Substanzen lassen sich nur in einem begrenzten Zeitraum direkt nachweisen. Gerade Hormone oder andere körpereigene Substanzen können nach der Anwendung relativ schnell wieder aus Blut oder Urin verschwinden. Würden Kontrollen ausschließlich tagsüber oder nach Wettkämpfen stattfinden, ließe sich das Nachweisfenster gezielt umgehen. Hinzu kommt: Doping findet häufig nicht während eines Wettkampfs statt, sondern bereits Wochen oder Monate zuvor im Training. Deshalb setzt die Anti-Doping-Analytik heute auf unangekündigte Kontrollen über das gesamte Jahr verteilt.

Warum reicht ein einzelner Urintest heute nicht mehr aus? 

Früher standen vor allem Urinproben im Mittelpunkt. Heute kommen deutlich komplexere Verfahren zum Einsatz. Ein wichtiger Baustein ist der „biologische Athletenpass“. Dabei wird nicht nach einer einzelnen verbotenen Substanz gesucht. Stattdessen werden über Jahre hinweg verschiedene Blut- und Urinparameter eines Sportlers dokumentiert. Verändert sich beispielsweise die Zahl der roten Blutkörperchen oder bestimmte Steroidwerte plötzlich auffällig, kann dies auf Doping hinweisen – selbst wenn die eigentliche Substanz nicht mehr nachweisbar ist. Gerade bei modernen Dopingmethoden spielt dieser indirekte Nachweis inzwischen eine zentrale Rolle.

Welche Arzneimittel werden im Radsport missbraucht? 

Viele Dopingsubstanzen stammen ursprünglich aus der Medizin und haben dort einen wichtigen therapeutischen Nutzen.

Erythropoetin (EPO)

Erythropoetin (EPO) wird therapeutisch unter anderem zur Behandlung von Anämien eingesetzt, beispielsweise bei chronischer Niereninsuffizienz oder während einer Chemotherapie. 

Im Ausdauersport wird der Wirkstoff missbraucht, weil er die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Dadurch kann mehr Sauerstoff transportiert werden, was die Ausdauerleistung steigert. Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko für Hypertonie, Thrombosen sowie Herzinfarkt oder Schlaganfall, da das Blut dickflüssiger wird.

Testosteron und andere anabole Steroide

Testosteron kommt medizinisch beispielsweise bei Hypogonadismus zum Einsatz. 

Im Leistungssport werden Testosteron und andere anabole Steroide wegen ihrer muskelaufbauenden Wirkung missbraucht. Sie fördern Muskelwachstum, Kraftentwicklung und Regeneration. Dem stehen jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken gegenüber. Dazu gehören unter anderem hormonelle Störungen, Unfruchtbarkeit, Leberschäden und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Glucocorticoide wie Prednisolon

Glucocorticoide wie Prednisolon werden zur Behandlung entzündlicher oder autoimmuner Erkrankungen eingesetzt. 

Durch ihre starke entzündungshemmende Wirkung können sie Schmerzen lindern und Sportler schneller wieder belastbar machen. Bei systemischer Anwendung drohen jedoch unter anderem Muskelschwund, Osteoporose, eine erhöhte Infektanfälligkeit sowie Stoffwechselstörungen.

Tramadol

Tramadol ist ein Opioidanalgetikum zur Behandlung mittelstarker bis starker Schmerzen. Im Sport kann die schmerzstillende Wirkung dazu führen, dass Belastungsgrenzen überschritten und Verletzungen ignoriert werden. 

Gleichzeitig erhöht der Wirkstoff durch mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit und verlangsamte Reaktionsfähigkeit das Unfallrisiko – insbesondere in technisch anspruchsvollen Sportarten wie dem Radsport. Seit 2024 steht Tramadol im Wettkampf auf der Verbotsliste der WADA.

Warum unterscheiden sich die Nachweiszeiten so stark?

Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Wirkstoff nach seiner Ausscheidung auch nicht mehr nachweisbar ist. Tatsächlich ist die Nachweisbarkeit jedoch nicht mit der Eliminationshalbwertszeit gleichzusetzen. Während Tramadol vergleichsweise rasch ausgeschieden wird und nur begrenzt nachweisbar ist, bilden manche anabole Steroide sogenannte Langzeitmetaboliten, die noch Wochen oder sogar Monate später entdeckt werden können. Bei EPO wiederum ist der direkte Nachweis häufig nur für kurze Zeit möglich. 

Deshalb beurteilen Anti-Doping-Labore zusätzlich Veränderungen bestimmter Blutparameter. Um Manipulationen möglichst zuverlässig aufzudecken, werden heute verschiedene analytische Verfahren miteinander kombiniert.

Was untersucht ein Dopinglabor eigentlich?

Moderne Anti-Doping-Labore arbeiten mit hochsensiblen analytischen Methoden wie der Flüssigchromatografie gekoppelt mit Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) oder der Gaschromatografie-Massenspektrometrie (GC-MS).

Untersucht werden unter anderem:

  • Urinproben, um zahlreiche Arzneistoffe oder deren Metaboliten nachzuweisen,
  • Blutproben, etwa zur Beurteilung von EPO-Doping oder Blutmanipulationen,
  • Steroidprofile, die Veränderungen im körpereigenen Hormonhaushalt erkennen lassen,
  • Isotopenverhältnisse, mit denen körpereigenes und von außen zugeführtes Testosteron unterschieden werden können,
  • sowie die Daten des biologischen Athletenpasses.

Die Kombination dieser Verfahren macht es heute deutlich schwieriger, verbotene leistungssteigernde Maßnahmen zu verschleiern.

Was ist LC-MS/MS?

Die Flüssigchromatografie mit Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) zählt zu den wichtigsten Analysenverfahren der modernen Dopinganalytik.

Zunächst trennt die Flüssigchromatografie komplexe Proben wie Urin oder Blut in ihre einzelnen Bestandteile. Anschließend identifiziert die Massenspektrometrie die enthaltenen Moleküle anhand ihres charakteristischen Masse-Ladungs-Verhältnisses. Durch die zweite Massenspektrometrie-Stufe (MS/MS) können selbst geringste Substanzmengen sehr spezifisch nachgewiesen werden.

Dadurch lassen sich heute zahlreiche Dopingsubstanzen und deren Stoffwechselprodukte gleichzeitig bestimmen – häufig im Pikogramm-Bereich.

Was bedeutet das für die Apotheke? 

Viele der auf der Dopingliste stehenden Substanzen gehören zum therapeutischen Alltag und werden bei entsprechender Indikation regelhaft eingesetzt. Entscheidend ist daher die sachgerechte Anwendung. 

Gleichzeitig können auch frei verkäufliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel für Wettkampfsportler problematisch sein, etwa wenn sie verbotene Substanzen enthalten oder verunreinigt sind. Eine kompetente Beratung kann deshalb helfen, unbeabsichtigte Verstöße gegen Anti-Doping-Regeln zu vermeiden.