Neurodermitis
Die Neurodermitis bzw. das atopische Ekzem ist eine durch eine Überreaktion des Immunsystems verursache Hautkrankheit, charakterisiert durch trockene, juckende Haut. Betroffen sind Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene und Senioren. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch in einem Stufenschema von Basispflege bis hin zur Behandlung mit Corticosteroiden. 
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Zum Welt-Neurodermitis-Tag am 14. September: Neurodermitis: Symptome, Auslöser und Therapie

Bein von Säugling mit Neurodermitis
Neurodermitis tritt häufig bereits im Säuglingsalter auf. | Bild: santipong / AdobeStock

Ob Neurodermitis, atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis: All diese Begriffe beschreiben ein und dieselbe Erkrankung. Dabei handelt es sich um eine chronisch oder schubweise verlaufende, nicht ansteckende entzündliche Hauterkrankung. 

Neurodermitis tritt insbesondere im Kindesalter auf – etwa 13 % aller Kinder sind betroffen. Studien zufolge zeigen sich die ersten Symptome bei 50 Prozent der Säuglinge bereits vor dem sechsten Lebensmonat und in bis zu 85 Prozent vor dem fünften Lebensjahr. 

Ungefähr 30 Prozent der Kinder haben auch im Erwachsenenalter hin und wieder mit Neurodermitis zu kämpfen. Generell sind Erwachsene aber deutlich weniger davon betroffen (circa zwei Prozent).

Ursachen: Genetik spielt eine zentrale Rolle bei Neurodermitis

Warum manche Menschen eine Neurodermitis entwickeln, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Es gibt mittlerweile zahlreiche Hinweise darauf, dass der Erkrankung eine genetische Veranlagung zugrunde liegt. Außerdem spielen Immunreaktionen, die Hautbarriere sowie Umwelt- und Reizfaktoren eine Rolle.

Häufig leiden Betroffene zusätzlich an Begleiterkrankungen. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Nahrungsmittelallergien, Asthma, eine allergische Rhinosinusitis oder Depressionen zählen.

Die Stadien der Neurodermitis

Typisch für Neurodermitis sind nahezu beschwerdefreie Phasen, die sich mit Zeiten abwechseln, in denen die Symptome deutlich ausgeprägt sind. Dabei können die Schübe unterschiedlich lang ausfallen und in der Schwere der Symptomatik variieren. 

Charakteristisch für eine Neurodermitis ist eine sehr trockene und empfindliche Haut, die einreißen und sich zeitweise entzünden kann. Man spricht dann von einem akuten Stadium, das sich durch neu auftretende Ekzeme auszeichnet. Diese bleiben über Tage bis Monate bestehen und bereits in der Vergangenheit aufgetretene Hautschäden verschlechtern sich. 

Die Haut juckt stark, es entstehen gerötete Papeln, Ödeme und nässende Hautabschürfungen (Exkoriationen) durch Kratzen sowie Krusten. Die Haut ist in dieser Phase besonders empfindlich.

Wenn sich die Entzündungen zurückbilden, geht das akute Stadium allmählich in ein sogenanntes subakutes Stadium über. Schuppende Papeln und Beläge (Plaques) sind hierfür typisch.

Am Ende jedes „Schubes“, wie man die Stadien der Neurodermitis auch nennt, folgt das chronische Stadium. Dies kann über Monate bis Jahre bestehen bleiben und verschiedene Hautveränderungen mit sich bringen. 

Typische Symptome sind eine Vergröberung der Haut (Lichenifikation), vermehrtes Schuppen und eine verstärkte Verhornung (Hyperkeratose). Außerdem kann es zu tiefen Hautrissen (Rhagaden) und einer Veränderung der Hautfarbe in Form einer De- oder Hyperpigmentierung kommen.  

Es ist möglich, dass akute und chronische Hautveränderungen parallel bestehen. Nicht immer entzündet sich jede Stelle, die bereits in der Vergangenheit einmal betroffen war.  

Gut zu wissen: Ekzemlokalisation abhängig vom Alter

An welcher Körperstelle sich die Ekzeme ausbilden, hängt zudem vom Lebensalter ab. 

Bei Säuglingen treten die Hautveränderungen vor allem im Gesicht, auf der Kopfhaut und an den Streckseiten von Gelenken auf. Im Kindesalter sind es häufig die Ellenbeugen und Kniekehlen. 

Bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigen sich die Ekzeme eher an den Händen, am Hals, an den Augenlidern oder anderen Gesichtspartien sowie in den großen Beugen. Außerdem können Mundwinkel- oder Ohrläppchenrhagaden entstehen.

Neurodermitis: Schwere Verläufe mindern Lebensqualität

In den meisten Fällen verläuft die Neurodermitis mild, jedoch leiden circa zehn bis 15 Prozent aller Erwachsenen unter einer mittelschweren bis schweren Form. Diese kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich einschränken und mit Schlafstörungen, sozialem Rückzug oder depressiven Verstimmungen einhergehen.  

Je stärker die Symptome ausgeprägt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen. Dazu zählen häufig Infektionen im Bereich der Ekzeme, wenn Bakterien, Viren oder Pilze in die bereits geschädigte Haut eindringen.

Welche Faktoren lösen Neurodermitis-Schübe aus? 

Viele verschiedene Faktoren können einen Neurodermitis-Schub auslösen oder verstärken. Dazu gehören insbesondere:

  • psychosomatische Faktoren (z. B. Stress, Emotionalität, depressive Verstimmung)
  • Zustand des Mikrobioms (z. B. Vermehrung des Bakteriums Staphylococcus aureus auf der Haut)
  • Klima (z. B. sehr heiß, sehr kalt, hohe Luftfeuchtigkeit)
  • Irritationen der Haut (z. B. bestimmte Textilien, Schwitzen, Reinigungsprodukte, Arbeiten mit Handschuhen, Tabakrauch)
  • IgE-vermittelte Allergien (z. B. Pollen, Nahrungsmittel, Tierhaarproteine, Hausstaubmilben)
  • hormonelle Veränderungen (z. B. Schwangerschaft, Menstruation).

Diese Faktoren können bestehende Symptome verschlimmern oder einen neuen Neurodermitis-Schub auslösen.

Sind die persönlichen Auslöser bekannt, sollten Betroffene versuchen, sie möglichst zu vermeiden.

Therapie der Neurodermitis richtet sich nach der Krankheitsphase

Auch wenn eine atopische Dermatitis ursächlich nicht heilbar ist, kann sie dennoch gut behandelt werden. Einige Betroffene zeigen im Verlauf deutlich mildere Symptome oder sind jahrelang beschwerdefrei. Ziel der Therapie ist es, die Schübe unterschiedlicher Dauer und Stärke zu minimieren und die Symptome so gering wie möglich zu halten.

Die symptomatische Behandlung erfolgt gemäß Leitlinie nach einem Stufenschema je nach Schweregrad der Hautsymptome. In Stufe 1 wird die trockene, nicht entzündete Haut durch eine gezielte Basispflege behandelt. Das stärkt die Hautbarriere und soll einen akuten Schub so lange wie möglich verhindern. Außerdem sollten Provokationsfaktoren gemieden werden.

In den akuten Phasen – in Stufe 2 und 3 – zeigen sich Ekzeme unterschiedlich starker Ausprägung. Diese werden mit topischen oder systemischen antientzündlichen Arzneimitteln therapiert. Außerdem werden juckreizlindernde Medikamente eingesetzt.

Haben sich die Ekzeme infiziert, kann zudem eine antimikrobielle Therapie sinnvoll sein. Diese ist abhängig vom Erreger und wird meist durch Antiseptika ergänzt. Quellen:
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-027l_S3_Atopische-Dermatitis-AD-Neurodermitis-atopisches-Ekzem_2026-08_1.pdf
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10847302/
- https://www.efanet.org/campaigns/world-atopic-eczema-day
 

Welt-Neurodermitis-Tag am 14. September

Jährlich findet am 14. September der Welt-Neurodermitis-Tag („World Atopic Eczema Day“) statt. Etabliert wurde dieser Aktionstag im Jahr 2018 mit dem Ziel, das Krankheitsbild Neurodermitis mit all seinen Facetten stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.  

Das diesjährige internationale Motto läuft unter #BreakTheInvisibleBurden und bedeutet so viel wie „Die unsichtbare Krankheitslast der Neurodermitis durchbrechen“. Im Mittelpunkt stehen die häufig nicht sichtbaren körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen der atopischen Dermatitis sowie die Forderung nach mehr Verständnis, Unterstützung und einer besseren Versorgung.

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