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Paracetamol in der Schwan­gerschaft: Einfluss auf Töchter?

Schwangere liegt im Bett und hält eine Tablette in der einen Hand und ein Glas Wasser in der anderen
Eine Studie zeigt einen möglichen Zusammenhang zwischen Paracetamol in der Schwangerschaft und der Fruchtbarkeit von Töchtern. | Bild: Loginova / AdobeStock

Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft könnte einer Studie zufolge bei Mädchen womöglich die spätere Fruchtbarkeit und den Zeitpunkt der Menopause beeinflussen. Mädchen, deren Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, wiesen im Alter von drei Monaten kleinere Eierstöcke, weniger Eibläschen, kleinere Gebärmütter und niedrigere Spiegel an Fortpflanzungshormonen auf. Das berichtet das Forschungsteam im Fachjournal „Human Reproduction Open“.

Die Ergebnisse stünden im Einklang mit Befunden aus Tierstudien: Dort wurde eine eingeschränkte Fruchtbarkeit sowie eine verkürzte reproduktive Lebensspanne der weiblichen Nachkommen beobachtet. 

Die aktuelle Untersuchung ist allerdings eine Beobachtungsstudie und kann keinen ursächlichen Zusammenhang belegen.

Gut zu wissen: Grundlage für spätere Fruchtbarkeit wird früh gelegt

Die Grundlage der späteren Fortpflanzung wird bereits im Mutterleib gelegt: Mädchen kommen mit der gesamten Zahl an Eizell-Anlagen zur Welt, die ihnen lebenslang zur Verfügung steht. Ist der Vorrat erschöpft, kommt es zur Menopause. Das ist der Zeitpunkt der letzten Regelblutung, anschließend endet die Fruchtbarkeit dauerhaft.

Paracetamol in der Schwangerschaft: Unterschiedliche Auswirkungen

Die Wissenschaftler analysierten Daten von 685 Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Teilnehmerinnen dokumentierten ihre Paracetamol-Einnahme alle zwei Wochen, zusätzlich wurden Urinproben untersucht. Nach der Geburt wurden 302 Töchter im Alter von durchschnittlich 106 Tagen untersucht.

Eine frühe Einnahme von Paracetamol vor der 17. Schwangerschaftswoche war mit einem geringeren Eierstock- und Gebärmuttervolumen bei den Töchtern verbunden. Eine Einnahme ab der 17. Schwangerschaftswoche stand mit einer geringeren Zahl an Eibläschen in Zusammenhang. Bei Mädchen, die ausschließlich früh exponiert waren, wurden zudem niedrigere Werte des Anti-Müller-Hormons (AMH) festgestellt, das als Marker für die Eizellreserve gilt.

Konkret war die frühe Einnahme von Paracetamol mit einem rund 40 Prozent geringeren Eierstockvolumen und einem 13 Prozent geringeren Gebärmuttervolumen bei den Mädchen verbunden. Bei einer Einnahme in der späteren Schwangerschaftsphase wurden 23 Prozent weniger Eibläschen beobachtet. Die Auswertungen deuteten außerdem auf einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang hin, also eine stärkere Ausprägung bei stärkerer Paracetamol-Verwendung.

Die Frauen hatten den Forschenden zufolge vergleichsweise geringe Mengen Paracetamol eingenommen. Die empfohlene Tageshöchstdosis von 4.000 Milligramm wurde nicht überschritten.  

Am häufigsten wurde das Arzneimittel wegen Kopf- oder Migräneschmerzen sowie anderer Schmerzen, vor allem des Bewegungsapparats, eingesetzt.

Weitere Daten zeigen ähnliche Auswirkungen nach Paracetamol-Einnahme

Die Forschenden werteten außerdem Daten einer separaten Gruppe von 1.210 Mädchen aus, die von der Säuglingszeit bis in die Jugend begleitet wurden. Auch hier war eine Paracetamol-Einnahme der Mutter während der Schwangerschaft mit einer kleineren Gebärmutter der Töchter in der Pubertät und einem kleineren Eierstockvolumen im Jugendalter verbunden.

Die Autoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass die beobachteten Unterschiede über die frühe Kindheit hinaus bestehen könnten. Ob sie tatsächlich langfristige Auswirkungen haben, bleibt jedoch unklar.

„Frauen, die während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen haben, sollten sich durch unsere Ergebnisse nicht beunruhigen lassen“, betont Studienautorin Margit Bistrup Fischer. Die Studie untersuche Zusammenhänge auf Populationsebene und könne keine Vorhersagen für einzelne Frauen oder Kinder treffen. Viele Frauen, die während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, hätten Töchter, deren Eierstockmaße denen von Töchtern ähnelten, deren Mütter kein Paracetamol eingenommen hatten.

Auch der Reproduktionstoxikologe Wolfgang Paulus von der Universitätsfrauenklinik Ulm weist darauf hin, dass die Unterschiede in der frühen Lebensphase nur teilweise signifikant bedeutsam und insgesamt gering waren. Ob diese langfristig klinische Relevanz haben, bleibe ungewiss. Dafür seien Studien mit längerer Nachbeobachtungszeit erforderlich.

Paracetamol und Autismus: Kein belegter Zusammenhang

Die Diskussion um Paracetamol in der Schwangerschaft wurde im vergangenen Jahr zusätzlich durch eine Aussage von US-Präsident Donald Trump angeheizt. Er hatte Schwangere vor der Einnahme von Paracetamol – in den USA unter dem Markennamen Tylenol bekannt – gewarnt und einen Zusammenhang mit Autismus beim Kind hergestellt.

Experten widersprachen dieser Behauptung. Eine Übersichtsstudie bestätigte einige Monate später erneut, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft nicht mit einem erhöhten Risiko für Autismus, ADHS oder geistige Behinderungen verbunden ist.

Paracetamol gilt weiterhin als Mittel der Wahl in Deutschland

Paracetamol ist weiterhin das am häufigsten eingesetzte Schmerz- und Fiebermittel in der Schwangerschaft und wird weltweit als Mittel der ersten Wahl empfohlen. Auch in Deutschland gilt Paracetamol bei leichten bis mittelstarken Schmerzen und Fieber während der gesamten Schwangerschaft als anwendbar. Bei längerer Einnahme sollten Schwangere ärztlichen Rat einholen. Darauf weist auch das Bundesgesundheitsministerium hin.

Das Beratungsportal Embryotox der Charité stuft Paracetamol ebenfalls als „grün“ ein. Damit wird es als Medikament der Wahl empfohlen. Gleichzeitig sei immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Die Charité weist darauf hin, dass die unterschiedlichen Studienergebnisse zu Paracetamol in der Schwangerschaft und deren klinische Bedeutung in Fachkreisen kontrovers diskutiert werden.  

Keine generelle Warnung vor Paracetamol

Fischer betont, dass die neuen Ergebnisse Frauen nicht davon abhalten sollten, Paracetamol einzunehmen, wenn dies medizinisch notwendig sei. Sie sollten vielmehr zu Gesprächen mit dem behandelnden Arzt darüber anregen, wann eine medikamentöse Behandlung notwendig ist und wann alternative Maßnahmen infrage kommen.  

Auch Paulus rät davon ab, Paracetamol aufgrund der aktuellen Befunde grundsätzlich zu meiden. Keinesfalls sollten Schwangere stattdessen auf andere Mittel zurückgreifen, die nachweislich Komplikationen verursachen können.

Für die Beratung in der Apotheke gilt daher weiterhin: So wenig wie nötig, so viel wie erforderlich. Sinnvoll bleibt die niedrigste wirksame Dosis über die kürzeste mögliche Behandlungsdauer. Bei wiederkehrenden, starken oder länger anhaltenden Beschwerden sollten PTA Schwangere zur ärztlichen Abklärung raten. Quelle: dpa / vs