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Impfungen an Alter und Geschlecht anpassen

Ältere Frau und ältere Mann zeigen lächelnd ihre Pflaster an den Oberarmen
Das Immunsystem von Frauen und Männern reagiert unterschiedlich auf Impfungen. | Bild: luciano / AdobeStock

Der sogenannte Gender Health Gap beschreibt das Phänomen, dass sich sowohl die Entstehung als auch der Verlauf und die Symptome von Krankheiten je nach Geschlecht unterscheiden können, ebenso die beste Behandlung und optimale Dosierung von Medikamenten. 

Dies war lange nicht bekannt oder erforscht, denn in der Forschung wurde jahrzehntelang fast ausschließlich an Männern geforscht. Heute weiß man unter anderem, dass Frauen ganz andere Symptome bei eine Herzinfarkt zeigen können als Männer.

Der Gender Health Gap rückt zunehmend in der Gesellschaft und Forschung in den Blickpunkt. 

Forscher an der Uniklinik Jena haben Daten von etwa 230 Männern und Frauen ausgewertet, die sie während der Corona-Pandemie in Neustadt am Rennsteig erhoben hatten.

Der Ort im Ilm-Kreis war zu Beginn der Pandemie im März 2020 von der Außenwelt abgeriegelt worden, nachdem dort mehrere Infektionen mit Sars-CoV-2 festgestellt worden waren. Daraufhin waren unter der Leitung von Pletz dort Daten gesammelt worden. Die aktuellen Forschungsergebnisse sind eine Art Nebenprodukt dieser Sammlung.

Das Immunsystem unterscheidet sich je nach Geschlecht

Eine zentrale Erkenntnis dieser Forschungen ist, dass sich zumindest ein Teil des Immunsystems von Männern und Frauen über das gesamte Leben hinweg unterscheidet und auch unterschiedlich schnell altert. 

Eine für die körpereigene Abwehr besonders wichtige Art von T-Zellen würden bei Männern schneller zurückgehen als bei Frauen, sagte der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene dieses Klinikums, Mathias Pletz. Männer seien deshalb im höheren Alter anfälliger gegenüber Infektionen und würden dann auch häufiger daran sterben als Frauen.

Impfempfehlungen nicht nur nach Alter, sondern auch nach Geschlecht

Bei Impfung und Medikation sollten Ärzte daher stärker als bislang auf Alter und Geschlecht ihrer Patienten achten. Bei Impfempfehlungen beispielsweise wäre es aus seiner Sicht grundsätzlich sinnvoll, zwischen Männern und Frauen zu unterscheiden, sagte Pletz.

Das könne zum Beispiel bedeuten, für Männer ab einem Alter von 50 Jahren eine Impfempfehlung zur Immunisierung gegen bestimmte Krankheiten auszusprechen, während es eine solche Empfehlung für Frauen erst ab einem Alter von 55 oder 60 Jahren gebe. 

Gender Health Gap: Impfdosen anpassen

Eine andere Möglichkeit auf diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu reagieren, könne sein, die Impfdosen anzupassen, sagte Pletz. Es sei in der Forschung seit längerem bekannt, dass Frauen oft stärkere Impfreaktionen zeigten als Männer. Dazu gehörten bei ihnen stärkere Rötungen und Schmerzen an der Einstichstelle oder auch eine stärkere Abgeschlagenheit infolge solcher Immunisierungen.

Beide Optionen – entweder den Zeitpunkt der Gabe von medizinischen Substanzen oder deren Dosis anzupassen – gebe es auch dann, wenn Patienten infolge einer Erkrankung Medikamente bräuchten, sagte Pletz. 

Ihm zufolge sind die Mediziner bei der Behandlung von Krebspatienten auf dem Weg zu einer möglichst stark personalisierten Medizin bereits weit vorangekommen. In vielen anderen Bereichen dagegen werde noch zu oft von 70 Kilogramm schweren Männern als Normpatienten ausgegangen. Quelle: dpa / mg