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Grippeimpfstoffe 2026/27: Erste Chargen wurden freigegeben

Jedes Jahr im Frühjahr empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), wie die Grippeimpfstoffe für die Nordhalbkugel an die aktuell zirkulierenden Virusvarianten angepasst werden sollen.
Bevor die Impfstoffe im Herbst auf den Markt kommen, prüft das Paul-Ehrlich-Institut die einzelnen Chargen. Nun wurden Ende August die ersten Chargen freigegeben.
Saison 2026/2027: alle drei Impfstoffkomponenten angepasst
Die trivalenten Grippeimpfstoffe enthalten Antigene aus drei weltweit zirkulierenden Influenzaviruslinien. Ihre Zusammensetzung wird jedes Jahr anhand der Daten weltweiter Referenzzentren aktualisiert.
Für die Saison 2026/2027 mussten alle drei Antigene angepasst werden. Die Impfstoffe richten sich nun gegen zwei Influenza-A-Varianten (A/H1N1 und A/H3N2) sowie eine Influenza-B-Linie (B/Victoria).
Die zuvor enthaltene Influenza-B/Yamagata-Linie wurde seit 2020 nicht mehr nachgewiesen und ist daher – wie bereits im vergangenen Jahr – nicht mehr Bestandteil der Impfstoffe.
Gut zu wissen: Wie werden die Influenzaviren klassifiziert?
Influenza-Untertypen werden anhand der Oberflächenproteine Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) klassifiziert. Diese Proteine sind entscheidend für die Pathogenität (Fähigkeit, krank zu machen) und Vermehrung der Viren.
Von Hämagglutinin existieren neunzehn Varianten (H1–H19), welche für die Bindung und das Eindringen der Viren in die Wirtszelle verantwortlich sind. Durch Neuraminidase (N1–N11) werden neu gebildete Tochterviren aus der Zelle freigesetzt.
PEI gibt Influenzaimpfstoffe frei
Bevor Influenzaimpfstoffe auf den Markt kommen, prüft das Paul-Ehrlich-Institut jede Charge und erteilt anschließend die Freigabe. Dazu werden zufällig ausgewählte Prüfmuster ausgewählt und die Herstellungsunterlagen sowie die Ergebnisse der Qualitätskontrollen der Hersteller kontrolliert. Eine Charge wird nur freigegeben, wenn sie sämtliche Qualitätskriterien erfüllt.
Die Qualitätsanforderungen an Impfstoffe sind im Europäischen Arzneibuch festgelegt. Die allgemeine Monographie „Impfstoffe für den menschlichen Gebrauch“ beschreibt grundlegende Prüfungen, die für alle Impfstoffe gelten.
Ergänzende Anforderungen stehen in den jeweiligen Einzelmonographien. Sie unterscheiden sich unter anderem danach, ob ein Impfstoff in Hühnereiern oder Zellkulturen hergestellt wird und ob es sich um einen Lebend- oder Totimpfstoff handelt.
Grundsätzlich werden folgende Qualitätsmerkmale geprüft:
- Identität: Es wird geprüft, ob die enthaltenen Hämagglutinin- und Neuraminidase-Antigene den Empfehlungen der WHO entsprechen.
- Gehalt und Wirksamkeit: Bei inaktivierten Impfstoffen wird kontrolliert, ob die Viren ausreichend inaktiviert wurden. Gleichzeitig muss der Impfstoff genügend Antigen enthalten, um eine ausreichende Immunantwort auszulösen.
- Reinheit und Sicherheit: Der Impfstoff wird auf mikrobielle Verunreinigungen, wie Endotoxine und Fremdviren, untersucht. Zudem muss ausgeschlossen sein, dass gesundheitsschädliche Rückstände aus dem Herstellungsprozess enthalten sind.
- Chemische und physikalische Eigenschaften: Geprüft werden unter anderem der pH-Wert, die Osmolalität und der Gehalt an Hilfsstoffen.
Die ersten Freigaben erfolgten bereits im August; bis zum 27. September 2026 waren mehr als 16 Millionen Impfstoffdosen freigegeben. Da die Hersteller alle Impfstoffkomponenten anpassen mussten, benötigten sie mehr Zeit als in den Vorjahren, sodass sich der Prozess verzögert hatte.
Acht Grippeimpfstoffe stehen 2026/2027 zur Verfügung
Für die Saison 2026/2027 sind acht trivalente Grippeimpfstoffe mit den aktualisierten Virusvarianten zugelassen.
Influsplit, Influvac, Vaxigrip und Xanaflu können ab einem Alter von sechs Monaten eingesetzt werden. Fluenz ist der einzige Lebendimpfstoff und wird Kindern und Jugendlichen zwischen zwei und 17 Jahren nasal verabreicht.
Für Menschen mit starker Hühnereiweißallergie steht der in Zellkultur hergestellte Impfstoff Flucelvax zur Verfügung, der ebenfalls ab sechs Monaten zugelassen ist.
Ältere Menschen haben häufig eine schwächere Immunantwort und zugleich ein erhöhtes Risiko für schwere Influenzaverläufe. Für sie gibt es daher zwei besondere Impfstoffe: Der Hochdosisimpfstoff Efluelda enthält die vierfache Antigenmenge, während Fluad mit dem Adjuvans MF-59 die Immunantwort verstärkt.
Aktuelle STIKO-Empfehlung zur Influenza-Impfung
Diesen Personengruppen empfiehlt die STIKO eine Standardimpfung gegen Grippe:
- alle Personen ab 60 Jahren
- Schwangere im 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung aufgrund einer Erkrankung im 1. Trimenon
- Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch chronische Erkrankungen z. B. der Atemwege, Herz-Kreislauf, Leber und Niere, Diabetes, Immundefizienz, HIV oder Adipositas
- Bewohner von Pflegeeinrichtungen
- Enge Angehörige und Pflegende von Risikopatienten
- Berufliche Indikation für Medizinisches Personal oder Personal mit umfangreichem Publikumsverkehr
- Personen, die im privaten oder beruflichen Umfeld engen Kontakt mit Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben haben