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Kinder mit Grunderkrankungen zu selten gegen Grippe geimpft

Seit 1993 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen jährlich gegen Grippe zu impfen.
Die wichtigsten Risikofaktoren sind
- chronische Erkrankungen der Atmungsorgane,
- chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- chronische Erkrankungen des Stoffwechselsystems wie Diabetes mellitus oder Adipositas und
- angeborene oder erworbene Immundefizienzen.
Primäres Ziel der Indikationsimpfung ist die Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe, die zu einer Hospitalisierung, zu Langzeitfolgen oder zum Tod führen können. Sekundäre Impfziele stellen die Verhinderung von Influenza-Infektionen und auch die Übertragung des Erregers dar.
Im Rahmen seines Impfquotenmonitorings analysiert und veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI) jährlich die Inanspruchnahme der saisonalen Influenza-Impfung für Senioren, Erwachsene mit erhöhtem Risiko und Schwangere.
Für Kinder und Jugendliche mit impfrelevanter Grunderkrankung fehlten die Daten jedoch bisher und wurden nun erstmals publiziert. Sie sollen künftig die jährliche Berichterstattung vervollständigen.
Daten für die Impfzahlen stammen aus den KV
Datengrundlage sind pseudonymisierte vertragsärztliche Abrechnungsdaten, die von den Kassenärztlichen Vereinigungen gemäß § 13 Abs. 5 Infektionsschutzgesetz quartalsweise an das RKI übermittelt werden.
Die Datensätze enthalten Angaben zu abgerechneten Impfleistungen, Vorsorgeuntersuchungen und Diagnosen.
In den Studienpopulationen wiesen je nach Saison zwischen sieben und neun Prozent der Kinder und Jugendlichen eine impfrelevante Grunderkrankung auf.
Nur ein Bruchteil der betroffenen Kinder gegen Grippe geimpft
Die Auswertung über einen Zeitraum von elf Saisons (2014/15 bis 2024/25) zeigt: Nur etwa zehn Prozent der betroffenen Personen unter 18 Jahren waren in der jeweiligen Saison gegen Grippe geimpft.
Betroffen sind laut Hochrechnungen – umfassende Daten zur Prävalenz chronischer Erkrankungen fehlen laut RKI in Deutschland bislang – rund 1,2 Millionen Menschen.
Bei unveränderter Impfquote hätten damit auch in der Saison 2026/27 etwa 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche mit Grunderkrankung keinen Influenza-Impfschutz.
Wie das RKI berichtet, blieb die Impfquote über den gesamten Beobachtungszeitraum weitgehend stabil, und die Unterschiede zwischen den Altersgruppen waren gering. So lag die Quote in der Saison 2024/25 bei den 15- bis 17-Jährigen mit neun Prozent am niedrigsten, in den übrigen Altersgruppen betrug sie jeweils elf Prozent.
Auf Bundeslandebene reichten die Impfquoten von acht bis 16 Prozent, wobei in Sachsen-Anhalt und Sachsen mit 16 beziehungsweise 14 Prozent der Kinder und Jugendlichen der größte Anteil an Betroffenen geimpft wurde.
Gut zu wissen: Viele Kinder mit Grunderkrankung kommen ins Krankenhaus
Die Krankenhaus-Surveillance schwerer akuter respiratorischer Infektionen (SARI) am RKI hat gezeigt: In den Jahren 2015 bis 2025 lag der Anteil der unter 18-Jährigen unter den wegen Grippe Hospitalisierten bei 35 Prozent.
Im Durchschnitt hatten 17 Prozent von ihnen mindestens einen Risikofaktor für eine schwere Influenza-Erkrankung.
Senioren lassen sich häufiger impfen als Menschen mit Grunderkrankung
Für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge bestimmter Grunderkrankungen oder aufgrund individueller Risikofaktoren wird im Alter ab sechs Monaten jeweils im Herbst oder Winter eine Indikationsimpfung gegen die saisonale Influenza empfohlen.
Für Personen ab 60 Jahren sieht der Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO) eine jährliche Standardimpfung vor. Eine allgemeine Empfehlung zur Influenza-Impfung für alle Kinder und Jugendlichen besteht derzeit nicht.
Insgesamt lagen die Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen mit Grunderkrankung auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie die der 18- bis 59-jährigen Erwachsenen mit Grunderkrankung, die beispielsweise im Jahr 2024/25 zwölf Prozent betrug.
Personen im Alter ab 60 Jahren ließen sich deutlich häufiger impfen: Die Quote im Jahr 2024/25 betrug 35 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass das Alter eine wesentliche Rolle für die Inanspruchnahme der Influenza-Impfung spielt.
Allerdings sind auch die Impfquoten von Senioren noch weit von dem in der Europäischen Impfagenda 2030 festgelegten Ziel von 75 Prozent entfernt.
Nach Meinung des RKI könnte eine stärkere Sensibilisierung der Ärzte für die Influenza-Impfung bei Kindern und Jugendlichen mit Grunderkrankung einen wichtigen Beitrag zur Prävention schwerer Influenza-Krankheitsverläufe leisten. Quelle: RKI