In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Giftschlangen in Deutschland – eine ernstzunehmende Gefahr?

Bei Spaziergängen in Mooren, Heiden, feuchten Niederungen oder an Waldrändern sowie bei Bergwanderungen kann mit etwas Glück eine markante, wenn auch eher kleine Schlange beobachten: die Kreuzotter.
Vipera berus, wie das Reptil wissenschaftlich heißt, ist eine maximal 90 Zentimeter lange Giftschlange Eurasiens aus der Gattung der Echten Ottern (Vipera) in der Familie der Vipern (Viperidae).
Sie besitzt von allen Vipern das größte und zugleich das nördlichste Verbreitungsgebiet und sie ist die einzige Schlangenart, die auch nördlich des nördlichen Polarkreises zu finden ist.
Auffällig ist ihr dunkles, gezacktes Rückenband auf hellerem, meist grauem Grund. Es gibt jedoch auch vollständig schwarz gefärbte Exemplare (Melanismus), und bei Weibchen fällt der Kontrast zwischen Zeichnung und Grundfarbe meist geringer aus. Beides macht es schwieriger, eine Kreuzotter auf Anhieb als solche zu erkennen.
Kreuzotter – giftig, aber selten tödlich
Auf Störung reagiert die Kreuzotter normalerweise mit Flucht, weshalb sie keine akute Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Zum Biss kommt es im Grunde nur, wenn man versucht, die Tiere zu fangen oder mit ihnen zu hantieren, oder wenn man versehentlich auf sie tritt.
Aufgrund ihres geringen Giftvorrats von nur zehn bis 18 Milligramm ist ein Kreuzotterbiss in der Regel nur für Kinder und ältere Menschen gefährlich – zumal die Schlangen meist sparsam mit ihrem Gift umgehen: Das zum Jagen von Mäusen, Fröschen, Blindschleichen oder anderen Tieren benötigte Sekret wird für Verteidigungsbisse meist nur teilweise oder gar nicht „verschwendet“.
Tödliche Folgen bei Menschen sind somit äußerst selten: Seit 1959 wurde nur ein Todesfall bekannt, der 2004 eine 81-jährige Frau auf Rügen betraf. Gefährlicher und manchmal tödlich sind Kreuzottern dagegen für kleinere Hunde, die beim Aufstöbern der Schlange in die Schnauze gebissen werden.
Kreuzotterbiss – was tun?
Bereits nach wenigen Minuten entwickeln sich um die Bissstelle, erkennbar an zwei punktförmigen Einstichen, ein schmerzhaftes Ödem und eine blau-violette Verfärbung der Haut. Mitunter bildet sich im weiteren Verlauf eine lokale Einblutung.
Weitere mögliche Symptome eines Kreuzotterbisses sind
- Übelkeit und Erbrechen,
- Kreislaufprobleme,
- Atemnot und
- Lähmungen.
Oft treten jedoch gar keine Symptome auf, und auch die Schmerzen des Bisses halten sich zumeist in Grenzen.
Eine etwaige Behandlung erfolgt meist rein symptomatisch, oft genügt auch eine Überwachung des Patienten. Sind jedoch Kinder betroffen, ist dies ein medizinischer Notfall, der die Behandlung mit einem Antiserum nötig machen kann.
Antiseren werden intravenös mittels Infusion verabreicht, damit sie das Gift über den Kreislauf möglichst schnell erreichen. Da es sich um Fremdeiweiß handelt, besteht dabei das Risiko einer anaphylaktischen Reaktion, worauf der behandelnde Arzt entsprechend vorbereitet sein muss.
In Deutschland gibt es dezentrale Notfalldepots, zum Beispiel in großen Kliniken – besonders in Regionen, in denen ein erhöhtes Kreuzottervorkommen bekannt ist. Die regionalen Giftnotrufzentralen sind über die nächstgelegenen Standorte des Antiserums informiert.
Gut zu wissen: Ein Antiserum für viele Gifte
Die Gifte der europäischen Vipern sind in ihrer Zusammensetzung untereinander ähnlich und bestehen vor allem aus Enzymen und Peptiden mit toxischen Eigenschaften.
Immunseren, die die Gifte aller europäischen Giftschlangen neutralisieren, werden durch Immunisierung von Tieren (meist Pferden) mit einem Gemisch der relevanten Gifte gewonnen.
Das flüssige Antiserum-Präparat muss bei vier bis sechs Grad Celsius gelagert werden.
Aspisviper – seltener und weniger giftig
Die einzige weitere Giftschlange Deutschlands ist die Aspisviper. Sie ist im wahrsten Wortsinn eine Randerscheinung: Anders als die weit verbreitete Kreuzotter bewohnt sie in Deutschland nur ein kleines Areal im südlichen Schwarzwald, das die nördliche Verbreitungsgrenze dieser südeuropäischen Art darstellt.
Die Aspisviper gehört ebenfalls zu den Echten Ottern, wird so groß wie die Kreuzotter und besitzt wie diese eine dunkle Zeichnung auf hellerem Grund. Das Muster ist jedoch asymmetrischer als das durchgängige Band der Kreuzotter und besteht oft nur aus einzelnen Querlinien.
Das Bissverhalten der Aspisviper ähnelt dem der Kreuzotter, das Gift ist jedoch nur halb so stark, und der Giftvorrat liegt mit rund zehn Milligramm etwa beim Minimum des Vorrats einer Kreuzotter. Trotzdem starb 2013 in Südfrankreich ein 53-jähriger Mann nach mehreren Bissen einer Aspisviper.
Wie die Kreuzotter steht die Aspisviper unter Naturschutz. Beide Arten gelten, was die deutschen Bestände angeht, als stark gefährdet. Quellen:
- https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/09/02/giftschlangen-in-deutschland
- https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzotter