Adonisröschen – herzwirksame Glykoside

Nur an wenigen Stellen in Deutschland kann man das Adonisröschen in größerer Zahl in der freien Natur antreffen. Zur Blütezeit strömen dann viele Pflanzenfreunde an diese Orte und bewundern die gelbe Pracht. Weniger Zuspruch findet das Adonisröschen heute in der Medizin. Als homöopathisches Herzmittel wird die alte Heilpflanze aber noch verwendet.

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Besonderes Naturschauspiel

In jedem Frühjahr wird ein kleiner brandenburgischer Ort zum Besuchermagnet. Beim Dorf Mallnow, etwas nördlich von Frankfurt/Oder nahe der polnischen Grenze, gibt es ein seltenes Naturschauspiel zu bewundern. Denn im Naturschutzgebiet „Oderhänge Mallnow“ verwandeln sich im April die Steppenrasen in ein goldgelbes Blütenmeer: Große Bestände an Adonisröschen (Adonis vernalis) blühen dann.

Seltene Pflanze

Nur an wenigen weiteren Stellen in Deutschland gibt es solche inselartigen Vorkommen von Adonis vernalis. Es handelt sich jeweils um ausgesprochene Trockengebiete, etwa in Thüringen sowie vereinzelt im Rhein-Main-Gebiet (z.B. Naturschutzgebiet „Mainzer Sand“). Sein Hauptverbreitungsgebiet hat das Adonisröschen in den Steppen Südsibiriens und Osteuropas. In Deutschland gilt die Pflanze als gefährdete Art und steht unter Naturschutz.

Strahlend gelbe Blüten

Trotz seines Namens gehört das Adonisröschen nicht zu den Rosengewächsen. Es ist vielmehr ein Hahnenfußgewächs (Ranunculaceae). Typisch für die 10 bis 30 Zentimeter hohe Pflanze sind ihre stark zerschlitzten Blätter und die endständig sitzenden, kräftig gelben Blüten. Diese erreichen einen Durchmesser von drei bis sieben Zentimetern.

Digitalis-ähnliche Glykoside

Bereits in der Antike diente Adonis vernalis als Heilpflanze. In Mitteleuropa wurde das Adonisröschen ab dem 16. Jahrhundert medizinisch genutzt. Man setzte es gegen Gicht und Wassersucht sowie als Abtreibungsmittel ein. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde seine herzstärkende Wirkung erkannt. Als wirksamkeitsrelevante Inhaltsstoffe konnten Digitalis-ähnliche, herzwirksame Glykoside identifiziert werden. Die Phytotherapie setzte Adonisröschenkraut (Adonidis herba) daher zur Steigerung der Herzkraft bei leichter Herzinsuffizienz ein. Inzwischen hat die phytotherapeutische Anwendung keine Bedeutung mehr. Seit 2015 ist Adoniskraut auch nicht mehr im Deutschen Arzneibuch (DAB) enthalten.

Einsatz in der Homöopathie

Nach wie vor setzt die Homöopathie das Adonisröschen bei Herzschwäche und nervösen Herzbeschwerden ein (z.B. Adonis vernalis D6 DHU). Auch in einigen Komplexpräparaten ist es mitenthalten (als Urtinktur z.B. in Angioton® H, als Dilution z.B. in Convallocor Hevert®).

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de