Arnika – das Verletzungsmittel

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Zu Zeiten von Johann Wolfgang von Goethe war die Arnika eine sehr gefragte Arzneipflanze. Im Jahr 1823 soll dem gesundheitlich angeschlagenen Dichter erst ein Arnika-Dekokt wieder auf die Beine geholfen haben. Heute wird vor der Einnahme von Arnika-Zubereitungen gewarnt. Die äußerliche Anwendung ist jedoch umso angesehener.

Goethes rettende Arznei

Ganze Pferdekarren voll Arnika wurden gesammelt und in die Apotheken gebracht. So beschrieb Goethe den damaligen „Hype“ um diese Arzneipflanze. Die therapeutische Begeisterung führte dazu, dass die Arnika bereits im 19. Jahrhundert in ihrem Bestand gefährdet war. Heute steht Arnica montana – auch Bergwohlverleih genannt – bei uns unter Naturschutz. Inzwischen ist es sogar gelungen, die Arnika anzupflanzen.

Dottergelbe Blütenköpfe

Die Arnika war früher auch in Mittelgebirgen verbreitet. Inzwischen finden wir den Korbblütler (Asteraceae) fast nur noch in unseren alpinen Regionen. An ihren dottergelben Blütenköpfen ist Arnica montana leicht zu erkennen. Die Blütenköpfe erscheinen immer etwas „zerzaust“, denn die zahlreichen Strahlenblüten sind unregelmäßig ausgerichtet. Weitere typische Merkmale der Arnika sind ihre grundständige Blattrosette und der behaarte Stängel, der meist nur ein oder zwei Paar gegenständiger Blätter trägt.

Heute nur noch äußerlich

Zu Goethes Zeiten wurde Arnika bei den verschiedensten Beschwerden und Krankheiten eingesetzt, vielfach auch missbräuchlich als Abortivum. Die Droge hat tatsächlich eine Wirkung auf den Uterus. Die Einnahme von Arnika-Zubereitungen kann weitere toxische Wirkungen haben, zum Beispiel auf das Herz. Die orale Verwendung ist daher phytotherapeutisch nicht mehr üblich.

Für stumpfe Verletzungen

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Für die äußerliche Anwendung haben Arnikablüten (Arnicae flos) jedoch nach wie vor Bedeutung. Die Droge ist vor allem antientzündlich und schmerzhemmend wirksam. Zu den hierfür relevanten Inhaltsstoffen zählen in erster Linie Sesquiterpenlactone (vor allem Helenalin) sowie Flavonoide und Ätherisch-Öl-Komponenten. Arnikablüten können äußerlich vielfältig genutzt werden: bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Quetschungen, Zerrungen, Verstauchungen und Blutergüssen. Weitere Einsatzgebiete sind oberflächliche Venenentzündung und Entzündungen nach Insektenstichen. Auch eine Mundspülung bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut ist gemäß Kommission E angezeigt. Ein charakteristisches Erkennungsmerkmal der Blütendroge sind die grauweißen, borstigen Pappushaare.

Vor allem als Tinktur

Bei der arzneilichen Verwendung spielen Tinkturen eine große Rolle, da die Arnika-Wirkstoffe darin in hoher Konzentration enthalten sind. Arnikatinktur enthalten zum Beispiel die Fertigpräparate Arnika Tinktur Hetterich, Doc Arnika Creme, Klosterfrau Arnika Schmerz-Salbe. Ein Extrakt aus der ganzen Pflanze steckt zum Beispiel in den Weleda-Präparaten Arnika-Salbe und Arnika-Gelee. Man kann auch einen Arnika-Aufguss verwenden (2 g Blütendroge in 100 ml Wasser). Für die Mundspülung wird Tinktur ungefähr 1:10 verdünnt.

Homöopathisch bei Verletzungen aller Art

In der Homöopathie ist die Arnikapflanze ebenfalls ein klassisches „Verletzungsmittel“, das hier insbesondere innerlich zum Einsatz kommt. Es kann im Akutfall genommen werden, bei operativen Eingriffen auch schon im Vorfeld und im Anschluss. Außerdem dient Arnica als Mittel bei körperlicher Überanstrengung. Das klassische Homöopathikum wird aus dem getrockneten und pulverisierten Arnika-Wurzelstock gewonnen. Für anthroposophische Arnikapräparate wird die ganze Pflanze verwendet.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de