Lein – Samen laxierend und schleimhautschützend

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Kaum zu glauben, dass aus einem so zarten Gewächs das äußerst strapazierfähige Leinengewebe hergestellt werden kann. Über Jahrtausende war der Lein (Linum usitatissimum) unsere wichtigste Faserpflanze. Darüber hinaus nahmen seine kleinen Samen eine bedeutende Rolle für die Ölgewinnung ein. Leinsamen sind aber auch seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Heilkunde.

Zartes Gewächs – starke Fasern

Was den Lein zur wichtigsten Faserpflanze machte, findet sich innerhalb des dünnen Stängels: feine, bis zu 60 Zentimeter lange Bastfaserbündel. In mühevoller Handarbeit entstand daraus früher das Leinengarn. Die Herstellung von Leinenstoff war für die Menschen in Europa eine der wichtigsten Lebensgrundlagen. Kleidung, Tisch- und Bettwäsche, Segeltuch – alles fertigte man früher aus Leinen. Überall auf dem Land wurde deshalb Lein (= Flachs) angebaut. Die himmelblauen Blüten des Leins prägten ganze Landstriche. Die sogenannte „Fahrt ins Blaue“ soll einigen Sprachforschern zufolge auf das blau blühende Gewächs zurückzuführen sein. Heute bekommt man Flachsfelder eher selten zu Gesicht. Gelegentlich findet sich das 30 bis 60 Zentimeter hohe Leinengewächs (Linaceae) verwildert.

Nützliches Öl

Noch in anderer Hinsicht war der Lein früher eine bedeutsame Nutzpflanze: Die Samen, die bis zu 45 Prozent fettes Öl enthalten, dienten der Ernährung und der Ölgewinnung. Heute gilt Leinöl aufgrund seines hohen Gehalts an Alpha-Linolensäure (Omega-3-Fettsäure) als besonders wertvolles Speiseöl. Außerdem dient es nach wie vor diversen technischen Zwecken, unter anderem der Herstellung von Farben und Linoleum. Kein Wunder also, dass die Nützlichkeit der Pflanze auch in ihrem Namen Ausdruck fand: Der lateinische Artnamen „usitatissimum“ heißt übersetzt „am nützlichsten“.

Gutes Quellvermögen und schützender Schleim

Als äußerst nützlich galt Linum usitatissimum auch schon früh in der Heilkunde. Die Samen wurden vor allem als entzündungswidriges und hustenmilderndes Arzneimittel verwendet. In der modernen Medizin ist Lini semen anerkannt wirksam bei wiederkehrender Obstipation. Die kleinen flachen, glänzend braunen Samen gehören zu den Füll- und Quellstoffdrogen. Nach der Einnahme (2- bis 3-mal täglich 1 bis 2 EL) gelangen sie ungehindert in den Dickdarm. Dort quellen sie stark, indem die enthaltenen Polysaccharide Wasser binden. Damit erhöht sich im Darm der Füllungsdruck. Zusätzlich bildet der Leinsamenschleim eine Gleitschicht, die den Transport des Darminhalts erleichtert.
Auch bei Entzündungen von Magen- und Darmschleimhaut sind Leinsamen indiziert. Hierzu lässt man geschrotete oder aufgeschlossene Leinsamen vorquellen und trinkt diesen Leinsamenschleim. Er wirkt säurepuffernd und bildet einen Schutzfilm.

Leinsamen enthalten Schleimstoffe, die im Darm aufquellen. (Bild: sommai - fotolia.com)

Wichtige Einnahmehinweise

Lini semen muss mit ausreichend Wasser eingenommen werden. Das Verhältnis sollte mindestens 1 : 10 betragen. Andere Medikamente sollten erst in einem zeitlichen Abstand von mindestens 30 bis 60 Minuten eingenommen werden. Ihre Resorption wird sonst durch den Leinsamenschleim behindert. Für die arzneiliche Anwendung sollten die speziell hierfür geeigneten Leinsamen mit hohen Quellungszahlen (mindestens 4) verwendet werden (z.B. Linusit® Gold). Die dunkleren Leinsamen aus dem Lebensmittelhandel quellen weit weniger gut.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de