Meerrettich – Scharfmacher gegen Infekte

Der Meerrettich ist bei Atemwegskatarrhen sowie unterstützend bei Harnwegsinfekten indiziert. / Bild: © 13smilie - Fotolia.com

Tafelspitz mit Meerrettichsoße oder ein Meerrettichschaumsüppchen – das sind gerade im Winter beliebte Gerichte. Denn mit ihrer Schärfe heizen sie uns wohlig ein. Doch nicht nur das. Die in der Meerrettichwurzel enthaltenen Senfölverbindungen wirken auch gegen Infekte.

Scharfe Senföle

Der Meerrettich (auch „Kren“ genannt) war schon im Mittelalter als Speisenzutat sehr begehrt. Schließlich zählte er damals zu den wenigen scharfen Gewürzen bei uns. Denn Pfeffer, Chili und dergleichen gab es ja zu jener Zeit hier noch nicht. Die lange, fleischige Wurzelrübe des Kreuzblütengewächses Armoracia rusticana ist aber nicht nur für eine pikante Würze gut. Die scharfmachenden Inhaltsstoffe haben auch einen gesundheitlichen Wert. Es handelt sich um Senfölglykoside (Glucosinolate). Werden die Pflanzenzellen aufgebrochen, bilden sich daraus enzymatisch die aktiven Senföle. Dieses Aufbrechen der Zellen geschieht zum Beispiel, wenn man die Wurzel reibt, schneidet oder zerkaut.

Die Meerrettich-Wurzel / Bild: © Jana Behr – Fotolia.com

Wirksam in Atem- und Harnwegen

Die Senföle werden im Dünndarm resorbiert und überwiegend über Nieren und Lunge ausgeschieden. Deshalb wirken sie auch bevorzugt in diesen Geweben. Als Arzneimittel ist Meerrettichwurzel (Armoraciae rusticanae radix) daher indiziert bei Atemwegskatarrhen sowie unterstützend bei Harnwegsinfekten. Sie wird entweder frisch oder getrocknet verwendet, als Presssaft oder in anderer galenischer Form (Tagesdosis 20 g frische Wurzel). Meerrettichwurzelpulver steckt zusammen mit dem ebenfalls Senföl-haltigen Kapuzinerkressenkraut im pflanzlichen Fertigpräparat Angocin® Anti-Infekt N. Es wird gegen Atem- und Harnwegsinfekte eingesetzt.

Verdauungsfördernd und durchblutungsanregend

Die Volksmedizin empfiehlt Meerrettich auch zur Förderung der Verdauung. Allerdings kann die Droge bei empfindlichen Personen die Schleimhaut reizen. Kontraindiziert ist sie bei Magen- und Darmgeschwüren sowie Nierenerkrankungen. Äußerlich angewendet wirkt Meerrettich durchblutungsfördernd. Deshalb kann man ihn zum Beispiel als Kompresse bei leichten Muskelschmerzen verwenden.

Wild und in Kultur

Meerrettich wird in einigen Regionen Deutschlands großflächig angebaut, vor allem im Spreewald, in Baden und in Franken. Er kommt aber auch wild in Unkrautfluren vor. So findet man die bis zu über einem Meter hohe, weiß blühende Pflanze beispielsweise am Rand feuchter Wiesen und an Bachläufen. Auffallend sind bei Armoracia rusticana die sehr langen Grundblätter.

Die Meerrettich-Pflanze /Bild: © vbaleha – Fotolia.com

Rettich zur See

Was der Meerrettich mit dem Meer zu tun hat, ist nicht eindeutig geklärt. Auf jeden Fall nahmen Seefahrer früher die Wurzeln gerne als Proviant mit an Bord. Sie enthalten nämlich viel Vitamin C. Damit waren die Schiffsbesatzungen auf ihren langen Fahrten übers Meer vor Skorbut geschützt.

Meerrettich-Blätter und - blüten / Bild: © emer – Fotolia.com
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de